Zurück zur Startseite
1. März 2009 Geschichte

Zum Geburtstag einer großen Revolutionärin

„Der moderne Arbeiterkampf ist ein Stück in der Geschichte, ein Stück der Sozialentwicklung, und mitten in der Geschichte, mitten in der Entwicklung, mitten im Kampf lernen wir, wie wir kämpfen müssen.” Es war Rosa Luxemburg, die diese Zeilen in “Massenstreik und Gewerkschaften” 1910 schrieb. Am 5. März jährt sich ihr Geburtstag zum 138. Mal und dies ist der Anlass dieses kurzen Textes. Denn es ist viel und ausgiebig über Rosa Luxemburg geschrieben worden. Sie  selbst hat der Nachwelt ein umfassendes Vermächtnis an Briefen und Werken hinterlassen. Der Text  soll daher an eine Frau erinnern, die mit geschliffenen Worten und schonungsloser Kritik, Selbstkritik, Leidenschaft und Liebe die Verhältnisse kommentierte und sich einbrachte - die auch heute noch Orientierung geben.

Rosa Luxemburg, gehbehindert, Jüdin, von der Mutter das Lesen und Schreiben gelernt, machte ihr Abitur in 14 Fächern mit Bestnote. 17-jährig flüchtete sie aus Warschau nach Deutschland, von dort schlug sie sich in die Schweiz durch - weil Frauen dort zum Studium zugelassen waren - und promovierte mit “magna cum laude“.

Den politischen Kampf und ihr Leben gestaltete sie kompromisslos: Sie ging eine Scheinehe ein, um im Deutschen Reich politisch aktiv sein zu können. Sie verbüßte mehrere Haftstrafen wegen Aufwiegelei. Sie trat in die SPD ein, aus der sie zusammen mit Karl Liebknecht, Clara Zetkin und Franz Mehring ausgeschlossen wurde, weil sie sich aktiv gegen die Bewilligung der Kriegskredite engagierten. Zu ihren, oft sehr viel jüngeren Liebhabern, hielt sie auch nach Beendigung der intimen Beziehungen freundliche, innige Kontakte.

Rosa Luxemburg war eine enge Weggefährtin der 14 Jahre älteren Clara Zetkin. Sie teilten ihre Neigungen zur Musik, Literatur, Wandern. Die Persönlichkeit von Rosa Luxemburg wird besonders bei diesem Satz von Luise Kautsky-Ronsperger deutlich: “Worin der Zauber ihres Wesens bestand? In ihrer Lebendigkeit, in ihrem schnellen Sicheinfühlenkönnen in jede Stimmung des andern, in ihrer vollendeten Kunst, zuzuhören, in ihrer liebevollen Art, auf des andern Freud und Leid einzugehen, in ihrem sprudelnden Witz, in ihrem klaren, verständigen Urteil, in ihrer Heiterkeit, die sich ansteckend ihrem Partner mitteilte, und andererseits in dem tiefen sittlichen Ernst, mit dem sie an alle Probleme herantrat, die ihr an Ereignissen so reiches Leben ihr täglich stellte.”

Wäre Rosa Luxemburg - Mitbegründerin der KPD - heute Mitglied der Linken? Vor dem Hintergrund ihres Konflikts mit Lenin über Spontaneität der Arbeiterklasse und die Führungsrolle der Partei wäre das vorstellbar. Auch ihre bissige Kritik über die Parteiführung der SPD und den Parlamentarismus legt dies nah. Vielleicht würde sie uns folgendes sagen: Eine Partei, ihre  Führung und die ParlamentarierInnen handeln nicht für das Volk, sondern helfen, damit die Menschen ihre Geschicke in die Hand nehmen. Der außerparlamentarische Kampf hat immer Vorrang, weil er die Grundlage jeglicher emanzipatorischen Bewegung ist. Jeder politische Ansatz, der dies aus dem Auge verliert, führt zur Stellvertreterpolitik.

Und weil es der Partei DIE LINKE verschiedenste Vorstellungen über Alternativen zum Kapitalismus gibt, kann folgendes Zitat von Rosa Luxemburg ein aktueller Beitrag für den künftigen Weg der Partei sein: “Sozialismus heißt nicht sich in ein Parlament zu setzen und Gesetze zu beschließen. Sozialismus bedeutet für uns die Niederwerfung der herrschenden Klassen mit ihrer ganzen Brutalität, die das Proletariat in seinem Kampfe zu entwickeln vermag.”

Rosa Luxemburg wurde 1919 zusammen mit Karl Liebknecht verhaftet. Beide wurden mehrfach von Soldaten hingerichtet - erst erschlagen, dann erschossen, zuletzt ertränkt. Ihre Mörder kamen mit milden Strafen davon. Rosas Leiche wurde erst Monate später aus dem Landwehrkanal geborgen. Alles geschah im Auftrag der rechten SPD-Führung unter Gustav Noske. Die SPD hat ihr Verhältnis zu Rosa Luxemburg bis heute nicht geklärt.

Diese Morde und ihre Umstände dürfen niemals vergessen werden, ebenso das politische und menschliche Vermächtnis, das uns diese große Revolutionärin, die nur 47 Jahre alt wurde, nachgelassen hat.