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27. August 2008 Sozial- und Gesundheitspolitik

Würdiges Leben ermöglichen!

Kürzlich veröffentlichte das konservative Meinungsforschungsinstitut Allensbach eine Umfrage, der zufolge eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung aktiver wie passiver Sterbehilfe zustimme. Doch wer mehr als nur die einleitende Zusammenfassung der Allensbacher Veröffentlichung liest, stößt auf unverkennbar suggestive Fragestellungen und eine einseitige Auslegung der damit gewonnenen Ergebnisse. Suggeriert wird, daß ein grausam qualvoller Tod die einzige Alternative zur Sterbehilfe sei. In der öffentlichen Debatte viel zu wenig beachtete Möglichkeiten wurden von Allensbach gegenüber den Befragten totgeschwiegen – zum Beispiel weisen die Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e. V. (DGSS) und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin e. V. (DGP) in einer gemeinsamen Stellungnahme auf die durch Forschungen erheblich verbesserten Möglichkeiten der Schmerzbehandlung hin, die aber noch unzureichend verbreitet sind.

Wozu das alles? Wen Allensbach als Freund oder Feind betrachtet, kann deren Publikation ebenfalls entnommen werden. Angegriffen werden Ärzteverbände, Parteien und Kirchen, deren Auffassungen im Gegensatz zum von Allensbach artikulierten ‚Volkswillen’ stehen; im positiven Licht erscheint dagegen der Sterbehilfe-Lobbyist und Todesmaschinen-Erfinder Roger Kusch, früher CDU-Innensenator in Hamburg und nach seiner Entlassung Gründer der rechtspopulistischen Partei „Heimat Hamburg“. Wie dieser verschweigt Allensbach die Folgen, die die offizielle Akzeptanz des assistierten Selbstmords nach sich ziehen dürfte: Menschen, denen vermittelt wird, daß ihr Leben keinen Wert mehr besäße und sie nur noch eine Belastung für ihre Mitmenschen, die Gesellschaft seien, würden sich zunehmend dazu gedrängt sehen, was mit einem höchst zynischen Schlagwort als „sozialverträgliches Frühableben“ bezeichnet wird. Die Basis dieses Menschen- und somit Weltbildes – daß das Maß für den Wert des Menschen dessen ökonomische Verwertbarkeit sei – ist die Ideologie von Kusch, Allensbach und Konsorten, die diese mit ihrer Werbung für den Tod propagieren.

Das Gegenteil dazu ist notwendig: eine humane Entwicklung der Gesellschaft, in der Krankenversorgung und Pflege nicht mehr – durch Privatisierung verschärft – kaputtgespart werden, sondern statt der Reparatur zur Verwertbarkeit und der Verwaltung von Krankheit und Sterben, der Gesundheit und einem freudvollen Leben dienen. ‚Bildung und Kultur für alle’ lautet die Losung, nicht für die ökonomische Verwertbarkeit der Menschen, sondern für ihre umfassende Entfaltung in jedem Lebensalter.