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1. April 2010 Bildungspolitik, Länger Gemeinsam Lernen!

Was denn nun, Herr Rabe?

Lieber Ties Rabe,

nun konnte man einen Moment lang denken, dass die SPD sich mit der Unterzeichnung des sogenannten Schulfriedenvertrags und der Zustimmung zur Schulgesetzänderung endlich entschieden hat, auf welcher Seite sie angesichts des Volksentscheids kämpfen will, nämlich auf der der Primarschulbefürworter. So sagte Ihr Fraktionschef am 3. März 2010 in der Bürgerschaft: “Wir werden für die neue Schulstruktur werben, uns mit sachlichen Argumenten an der Debatte beteiligen und versuchen mit Aufklärungsarbeit die Hamburger Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen.“

Nun kommt man aber angesichts Ihrer Stellungnahme in der Welt v. 24.03.2010 wieder schwer ins Grübeln: Zu den Forderungen Ihrer Partei, die vom Senat übernommen wurden, gehörte auch die zeitliche Entzerrung der Primarschul-Einführung. Fast zwei Jahre haben Sie immer wieder die „überstürzte Einführung“ der neuen Schulform kritisiert. Nun sehen sich Hamburgs Schulen einem zeitlichen Flickenteppich ausgesetzt mit parallel verlaufenden Handlungsoptionen, den sie kaum als beherrschbar beschreiben, er führe zudem zu tiefer Verunsicherung der Eltern. Und Sie, Herr Rabe, haben nichts Besseres zu tun, als sich in die Reihe der Bedenkenträger einzufädeln und mögliche weitere unglückliche Szenarien an die Wand zu malen. Kein Wort davon, dass die SPD es war, die in der Vergangenheit stets und immer die Forderung der Scheuerl-Initiative nach „Entschleunigung“ der Schulreform lauthals unterstützt hat. Wäre es nach dem Willen der Bildungsbehörde gegangen, gäbe es die Primarschule spätestens zum Schuljahr 2011/2012 flächendeckend ohne Ausnahmeregelungen mit der angenehmen Folge für die Eltern, sich nicht mehr länger darüber den Kopf zerbrechen zu müssen, welche Schulform-Entscheidung denn nun die beste für ihr Kind sei.

Des Weiteren beklagen Sie, Herr Rabe, die teilweise schwachen Anmeldezahlen für die z.T neugegründeten Stadtteilschulen und machen dafür die Primarschulentwicklung verantwortlich. Sie werden in der Welt v. 26.03.2010 mit den Worten zitiert:“ Vor lauter Primarschularbeit, die vor der Behörde liegt, haben die Beteiligten gar nicht die Kapazität und Kraft, die anstehenden Probleme zu lösen.“ Sieht so das öffentliche Werben der SPD für die Schulreform aus, Herr Rabe? Das Konstrukt „Stadtteilschule“ hat überhaupt nichts mit der vorangehenden 6-jährigen Primarschule zu tun. Es ist einzig und allein dem Umstand geschuldet, dass das Gymnasium sakrosankt ist und alle nicht gymnasial empfohlenen Schülerinnen und Schüler jenseits des Gymnasiums beschult werden müssen. Dass sich Eltern in einer Umbruchsituation im Zweifel eher für das Bekannte und gegen unerprobt Neues entscheiden, ist logisch und war vorhersehbar.   

Olaf Scholz stellt sich, so hört man, nun mit unter den Schirm „Chancen für alle - Hamburger Allianz für Bildung“ und tritt damit öffentlich für die Primarschule ein. Werden die Hamburgerinnen und Hamburger in den kommenden Wochen auch den bildungspolitischen Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion unter demselben Schirm entdecken können, oder wird auf Ihrem Schirm „Ja-Aber“ stehen? 

Die Hoffnung, Herr Rabe, stirbt bekanntlich zuletzt, aber manchen in Ihrer Partei hat es dann doch zu lange gedauert…

Dennoch immer wieder amüsiert grüßt Sie,
Sabine Boeddinghaus  

HH, 27.03.2010