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7. Mai 2008 Antifaschismus

Vorwärts – und nicht vergessen!

„Die Anstrengungen aller Staaten und Völker der Antihitlerkoalition waren ein Unterpfand des Sieges im antifaschistischen Befreiungskrieg. Die Antihitlerkoalition (...) verfolgte zwei Ziele: die Rettung der Zivilisation vor der Barbarei und die Herstellung eines dauerhaften Friedens.“
„1945 war für alle die Überwindung des Faschismus und seiner Ideologie die wichtigste und keine leichte Aufgabe. Militarismus, Antikommunismus und Antisemitismus hatte es in Deutschland schon vor 1933 gegeben. Doch die Faschisten hatten sie zur Staatsdoktrin erhoben. (...) Da gab es also viel zu tun. Es gab auch andere Traditionen in der deutschen Geschichte, die aufgegriffen und fortgeführt werden konnten.“

Stefan Doernberg,
„Fronteinsatz – Erinnerungen eines Rotarmisten, Historikers und Botschafters“, 2004.

 Zinovii Tolkatchev, „Die Befreiung, 1945Am 8. Mai jährt sich die Befreiung vom Faschismus zum 63. Mal. Der Schwur der Häftlinge im KZ Buchenwald, die sich bereits während ihrer Gefangenschaft mit Voraussetzungen und Entwicklungsmöglichkeiten für ein befreites Europa beschäftigten und damit auch ihre Selbstbefreiung aus faschistischer Haft vorbereiteten, ist heute noch keinesfalls realisiert: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

 Gerd Arntz, „Krise“, 1931.Der dreiste Aufmarsch der Nazis am 1. Mai in Hamburg ist beredter Ausdruck davon. Mit sozialdemagogischen Parolen sollte fortschrittlichen sozialen Forderungen die Spitze genommen werden – verbunden mit rassistischer, nationalistischer und militaristischer Ideologie. Sie wollen die gesellschaftliche Krise mit der Rückkehr zu faschistischer Barbarei beantwortet wissen. Dagegen sind alle Kräfte, die eintreten für ein „Nie wieder!“, gefordert aus der zu Geschichte lernen, um die Kontrahenz zu dieser menschenfeindlichen Orientierung voll aufzunehmen. Dafür ist ein humanistischer Fundus vorhanden, den es aktuell lebendig weiterzuentwickeln gilt.

Zu diesem Fundus gehören die Vereinbarungen der Alliierten, die sich in Jalta und später in Potsdam über die Denazifizierung, Demilitarisierung und Demokratisierung des befreiten Deutschland verständigten. Auch die „Vernichtung der bestehenden übermäßigen Konzentration der Wirtschaftskraft“ war im Potsdamer Abkommen wesentlicher Bestandteil dessen. Vor allem aber ist zu lernen aus der Solidarität, die bereits die „Brigadisten“ realisierten, als sie die junge spanische Republik gegen den Franco-Faschismus verteidigten; die zum Ausdruck kommt in der Unterstützung der „Aufnahmeländer“ für antifaschistische Flüchtlinge, aber auch dort, wo von den Nazis verfolgte Menschen versteckt oder anderweitig unterstützt wurden. Hier wurden fortschrittliche Tradierungen aus der Menschheitsgeschichte aufgenommen und verwirklicht.

Auf diese bezogen sich positiv auch die über 10.000 Menschen, die am 1. Mai in der Hansestadt gegen Faschismus und Krieg mit dem Motto „Internationale Solidarität statt ‚Volksgemeinschaft‘“ demonstrierten. In Reden und Flugblättern wurde sich artikuliert gegen die faschistischen Verbrechen der Nazi-Diktatur und ihre heutigen Nachfolger in der NPD und ähnlichen Organisationen. Gegen diese wurde die Notwendigkeit von Frieden und Abrüstung, internationaler Solidarität sowie sozialer Gerechtigkeit engagiert vertreten. Dies war der Springer-Presse als Propagandaabteilung des heutigen Kapitals offensichtlich ein Dorn im Auge – in der Journaille wurde verbreitet, es habe vor allem von Seiten der Antifaschisten Gewaltbereitschaft und Krawalle gegeben.

Gegen diese interessierte Verharmlosung der Neonazis bedarf es vor allem der klaren Benennung der Ursachen von Faschismus und Krieg. Diese sind kein Phänomen „furchtbarer menschlicher Verirrung“ und werden nicht dadurch verhindert, daß einer „des anderen Last“ trägt – wie es die Vertreter der Kirche auf der DGB-Demo kennzeichneten. Ursächlich sind und bleiben die kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse, in denen zur Mehrung des Profits einiger weniger alles und jedes bis aufs Letzte ausgepreßt werden soll. Kriege, Armut und Verelendung sowie massive Dekultivierung sind die Folgen. Denn die „Roheit kommt nicht von der Roheit, sondern von den Geschäften, die ohne sie nicht mehr gemacht werden können“ (Bertolt Brecht).

In der Hansestadt will die CDU mit ihrem Konzept der „Wachsenden Stadt“ der Garant für diese Profitheckerei sein – und dies der Bevölkerung schmackhaft machen (die GAL ist der CDU besonders für Letzteres „kreativ“ genug). Auch in der kommenden Regierungsperiode soll die Elbe weiter ausgebaggert werden, „Moorburg“ soll juristisch „geklärt“ werden, die Krankenhäuser bleiben privat bei Asklepios und Studiengebühren werden weiter erhoben. Die Rüstungsindustrie (Blohm & Voss = Thyssen/Krupp) kann unbehelligt weiter Milliardenumsätze mit Kriegsschiffen machen. Sie erhält dafür mit dem Tamm-Museum noch ein kulturelles Eiapopeia dazu. Im schwarz-grünen Koalitionsvertrag ist festgehalten: „In Hamburg leben – wie in jeder Stadt – reiche und arme Menschen zusammen.“ Daß dies so bleibt, wird von der CDU mit Nachdruck und Absicht betrieben. Wer solches tut, schafft soziale und ideologische Bedingungen, die die Tätigkeit von Neo-Nazis eindeutig begünstigen.

David Alfaro Siqueiros, „Ohne Titel“, 1961.Diese Entwicklung steht im Widerspruch beispielsweise zum Hamburger Wahlergebnis, das eine Mehrheit links von der CDU belegt, wie sie auch in außerparlamentarischen Aktivitäten, „Volksbegehren“ und ähnlichen zum Ausdruck kommt. Deutlich Besseres steckt also durchaus drin, in den aktuellen Auseinandersetzungen. Gegen die grassierende Bescheidenheit bleibt Menschenfreundliches zu erkämpfen:

Für Frieden, solidarischen Internationalismus, Demokratie, soziale Egalität und eine widerständige Kultur für einen menschenfreundliche Entwicklung weltweit. Das hilft auch gegen Nazis! Die Alternative zur Barbarei steht jedenfalls schon länger auf der Tagesordnung:

Deutsche Hörer, Europa wird sozialistisch sein, sobald es frei ist. Der sozialistische Humanismus war an der Tagesordnung, er war die Vision der Besten in dem Augenblick, als der Faschismus seine schielende Fratze über die Welt erhob. Er, der das wahrhaft Neue, Junge und Revolutionäre ist, wird Europa seine äußere und innere Gestalt geben, ist nur erst der Lügenschlange das Haupt zertreten.“

Thomas Mann,
„Deutsche Hörer!“ Radiosendung nach Deutschland vom 28. März 1944.