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7. Dezember 2012 Stadtentwicklung, Verkehrspolitik

Teure Bahnstrecke zum Baggerloch

Heike Sudmann an der U4-Station Überseequartier Foto: Ulf Schönert

Die zwei neuen Stationen der U4, Überseequartier und Hafencityuniversität sollen Wirkung erzielen: Riesige Bahnhöfe, teuerste Fliesen, durchdachtes Styling, endlose Rolltreppen und ein Tonband welches die Fahrgäste mit plätschernden, gurgelnden Geräuschen berieselt.

Die Bahnhöfe, so interpretiert man im Angesicht des Protzes, stehen für das was hier noch kommen soll. Betonung auf soll,- denn noch steht hier, wer aussteigt, vor einem Bauzaun, umgeben von unüberschaubaren Baustellenlandschaften, Baggerlöchern, Zäunen, Kränen und in der Ferne: Häuser und Häuserfragmente, Zusammenhang-, Leb-und Lieblos anmutend.

Fahren Sie mit der stadtpolitischen Sprecherin, Heike Sudmann, mit der U4.

Was im ersten Moment im strahlend klaren Wintersonnenschein ein Gefühl von „Aufbruch! Hier passiert was und ich bin dabei“ aufkommen lässt, denn hier wird ja an der Zukunft der Stadt gebaut und ganz Europa schaut auf uns, wird schnell schal wenn man sich Zahlen und neuralgische Punkte vor Augen führt:

So bedeuten die zwei Stationen der U4 eine Ausgabe von 323,6 Millionen Euro Steuergeldern für 4000 Meter, also schlappe 80900,- Euro pro Meter und 68,6 Millionen Euro mehr als im Jahr 2005 geplant.
Die gegenwärtige regulären Endhaltestelle Überseequartier liegt an einem riesigen Baggerloch, denn pünktlich zur Eröffnung der U 4 ist der Investor abgesprungen welcher dort schon längst acht Gebäude mit Büros und Einzelhandel errichten sollte. Fehlt jedoch der Lückenschluss zu den bereits eröffneten Geschäften im Nordteil bleibt die Laufkundschaft aus und ebenso unsicher wird das sowie so schon äußerst wackelige Konstrukt welches  die für den Zwischenabschnitt  der U4 die kalkulierte Zahl von 23 000 Fahrgästen täglich als gesetzt nimmt (Drs.20/439, Ist die U 4 und ihr Ausbau sinnvoll und wirtschaftlich?).

Um die Leute in die U 4 zu „treiben“ und Kosten einzusparen werden mit dem neuen Fahrplan ab 09.12  schon mal die anderen nahverkehrlichen Lebensadern gekappt. So werden ab dem Fahrplanwechsel am 09.12. die Buslinien 6 und 4 nicht mehr über die Hafencity fahren.  Das ist ein bitterer Einschnitt für die KundInnen, denn besonders die 6er Linie war diesbezüglich beliebt, beförderte ohne Umsteigevorgänge Arbeitnehmerinnen von Winterhude bis zum Hafen und sicherte vielen GrundschülerInnen einen sicheren Schulweg direkt zur Katharinenschule.

Die wahnwitzigen Kosten des U-Bahn-Baus wurden von der damaligen CDU-Schill-FDP-Regierung schöngerechnet. Der Trick war einfach: die U 4 sollte von Bramfeld bis zur Hafencity fahren. Dadurch ließen sich ganz andere Kosten-Nutzen-Relationen erstellen. Die wesentliche kostengünstigere Alternative eines Stadtbahnanschlusses für Steilshoop und für die HafenCity wurde von den CDU-geführten Senaten konsequent  ignoriert.

Es bleibt festzustellen: Seit 1974 wurde den verkehrlich abgehängten Stadtteilen Bramfeld und Osdorf  mit ihren anliegenden Großsiedlungen Osdorfer Born und Steilshop, von der Sozialdemokratie via U4 Bau eine Innenstadtanbindung versprochen. Allein in Bramfeld leben 56 000 Menschen. Mit dem anliegenden Steilshop kommen gut 20.000 weitere hinzu und im Osdorfer Born leben ca. 25.000 Einwohnerinnen. Gemeinsam also gut 100 000 Menschen welche seit einem halben Jahrhundert auf eine Bahnanbindung warten während in der Hafencity irgendwann einmal 12 000 Menschen leben und 45 000 arbeiten sollen. Zurzeit arbeiten rund 9000 Menschen und 2000 wohnen dort.

Mit der Eröffnung des vier Kilometer langen Stummels von der Innenstadt in die HafenCity wird den EinwohnerInnen von Steilshoop und Osdorfer Born erneut deutlich gemacht, dass seit gut 40 Jahren kein Senat die versprochene Bahnanbindung ihres Stadtteil wirklich umsetzen will.

Im Stadtteil Hafencity sollen irgendwann einmal 12 000 Menschen leben und 45 000 arbeiten. Momentan arbeiten dort  9000 und ca. 2000 wohnen dort. Gerecht geht anders.