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23. Juni 2008 Frieden und Antimilitarismus

Technik, die begeistert? Die Faszination der Ausbeutung.

"Endlose Meere, die unbändige Kraft des Wassers, Mensch, Material,  Sehnsüchte, Forscherdrang, alles eingebettet in den Lauf der  Geschichte, sind die Quellen der Faszination, die das Internationale  Maritime Museum Hamburg vermitteln möchte. (...) Gelebte  Internationalität ist das Ergebnis der Überwindung von Barrieren der  Meere. Mehr denn je erleben wir heute die Verbindende Funktion der  Seewege."

 (www.internationales-maritimes-museum.de, "Die Philosophie")

"Die Geschichte zeigt, daß nur der als Weltmacht eine Chance hat, der  über Schiffe oder über Flotten (Handels- und Kriegsschiffe) verfügt.  Die Menschheitsgeschichte - von den Phöniziern und Ägyptern bis heute  - ist davon geprägt. Die Voraussetzung zur Großmacht war immer die  Seemacht."

(Peter Tamm im Grußwort zu "Aqua triumphalis. Maritime  Kostbarkeiten aus der Sammlung Peter Tamm", 1991)

Als Lehre aus der Geschichte zweier Weltkriegen und der Barbarei des  Faschismus verlangt die Verfassung der Freien- und Hansestadt Hamburg  seit 1945, die Stadt solle "im Geiste des Friedens eine Mittlerin  zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt" sein. Zwar haben die  wenigsten Senate Hamburgs dies zur Leitlinie ihres politischen Handels  gemacht; wie die Faust aufs Auge passt jedoch das nun das neue  "Internationale Maritime Museum Hamburg" zur aktuellen schwarz-grünen Standortpolitik: Reaktionär und modern!

Entstanden ist das Museum, das am 25. Juni in Anwesenheit des  Bundespräsidenten "feierlich" eröffnet werden soll, aus der  umfangreichen Militariasammlung des Millionärs Peter Tamm,  Erzreaktionär, Militarist und ehemals Geschäftsführer und  Vorstandsvorsitzender im Springerverlag. Tausende  (Kriegs-)Schiffmodelle, Waffen, Uniformen und Abzeichen inklusive  Hakenkreuze, Photos und romantische Gemälde sollen nun im neuen Glanz  der Hafen-City zur Geltung kommen. Die Stadt hat der Peter Tamm Sen.  Stiftung dafür den Kaispeicher B sowie 30 Mio Euro geschenkt (und  gleichzeitig Gelder für andere Museen und Geschichtswerkstätten  gekürzt).

Aufgrund der starken öffentlichen Kritik an der militaristischen und  den Faschismus verharmlosenden Ausrichtung der Sammlung wird nun ein  "objektiver" Eindruck vermittelt und von Völkerverständigung  fabuliert. Die Kern-Botschaft ist jedoch: Der Mensch müsse sich im  Kampf mit den vermeintliche Naturgewalten (Orkan, Krieg, Konkurrenz)  behaupten und das Recht des Stärkeren habe universelle, ewige  Gültigkeit. Mit der überwältigenden Masse von Exponaten soll  beeindruckt und - fern der historischen und politischen Zusammenhänge  - für "den" technischen Fortschritt begeistert werden. Militarismus  und Faschismus seien "natürliche" Bestandteile dieser Geschichte.  Alles Schicksal?

Kultursenatorin von Welck verspricht sich davon "Ruhm und Ehre für die  Hansestadt", das heißt zunächst einmal hohe Tourismuszahlen und  Zustimmung für die nunmehr kreativ-wachsende Stadt. Damit werden  aktuell die soziale Spaltung der Stadt, die von Hamburg aus  mitbetriebene (neo-)koloniale Ausbeutung in anderen Ländern, Krieg und Rüstungsexport verharmlost.  Echte Völkerverständigung dagegen heißt Abrüstung, soziale Gleichheit  und internationale Solidarität sowie eine kritische Aufarbeitung der  widerspruchsvollen Geschichte der Stadt und der internationalen  Beziehungen. Und: Nie wieder CDU!