Am 30.08. präsentierte Arbeits- und Sozialsenator Detlef Scheele sein „Arbeitsmarktprogramm für Hamburg“, das die Schwerpunkte der Arbeitsmarktpolitik des SPD-Senats für 2012 und auch für die weiteren Jahre enthalten soll.
Grundsätzlich ist zunächst anzumerken, dass der Hamburger Senat keinerlei zusätzliche Finanzmittel für die Arbeitsmarktpolitik bereitstellt, sondern die von der Bundesregierung beschlossenen Kürzungen in vollem Umfang umsetzt. Hierzu heißt im Programm (S.5):
„Das arbeitsmarktpolitische Budget des Bundes im SGB II wurde durch die Entscheidungen der Bundesregierung in 2011 von 184 Mio. Euro um 50 Mio. Euro auf 134 Mio. Euro gekürzt. In 2012 wird es voraussichtlich um weitere 20 bis 30 Mio. Euro abgesenkt werden. Damit stehen in 2012 nur noch rund 100 Mio. Euro, ab 2013 nur noch rund 90 Mio. Euro an Fördermitteln des Bundes zur Verfügung. Diese drastischen Kürzungen konnte und kann Hamburg nicht ausgleichen.“
Hinzuzufügen wäre, dass der Hamburger Senat diese Kürzungen auch nicht ausgleichen will. Auf eine diesbezügliche Frage beklagte Detlef Scheele, dass der frühere schwarz-grüne Senat die Arbeits-marktpolitik als Steinbruch benutzt habe, aus dem immer neue Finanzmittel herausgekürzt worden seien. Allerdings könne auch er, Scheele, nicht mehr als sie zuletzt vom CDU-GAL-Senat übrig gelassenen 13 Mio. Euro aus Hamburger Haushaltsmitteln zur Verfügung stellen. Ansonsten müsse er in anderen Bereichen seines Ressorts Einschnitte vornehmen. Die Möglichkeit, dass der Senat beschliessen kann, auch Haushaltsmittel aus anderen Ressorts anders zu verteilen, spielt offensicht-lich in Scheeles Überlegungen keine Rolle.
Die Schwerpunkte in Scheeles Programm unterscheiden sich denn auch nicht nennenswert von der Arbeitsmarktpolitik des vorherigen Senats:
„Schnelle Vermittlung in Arbeit und Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten sind die Leitgedanken des neuen Programms“. Wesentlicher Ausgangspunkt sind dabei für Scheele der „demographische Wandel und der dadurch eintretende Fachkräftemangel“, also die zukünftigen Anforderungen der Wirtschaft an den Arbeitsmarkt. Zitat: „Dazu werden die Qualifizierungs- maßnahmen eng auf die tatsächlichen Bedarfe der Unternehmen ausgerichtet“ (S. 19). Sozial- und bildungspolitische Überlegungen spielen dagegen kaum eine nennenswerte Rolle.
Die wesentlichen Ausgabeposten in Scheeles Programm sind:
Für die Vergabe arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen an die sich darum bewerbenden Träger erklärte Scheele, man werde nur noch tarifgebundene Träger mit Maßnahmen beauftragen. Das für die Vergabe der neuen AGHs auf den Weg gebrachte „Interessensbekundungsverfahren“(IBV) hat sich allerdings in diesem Punkt gegenüber früheren Ausschreibungen nicht geändert. Es wird abzuwarten sein, ob tatsächlich nur noch Träger, die soziale Mindeststandards bei ihrem Beschäftigten einhalten, bei der Vergabe zum Zuge kommen.