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24. September 2009 Bildungspolitik

Ob Uni oder Kita – Elite war als Kind schon scheiße!

Du lernst für dich selbst, nicht für die Schule! Stimmt das eigentlich? Ist es möglich, in unseren Schulen für ein selbstbestimmtes Leben zu lernen? Wie und was wir lernen, ist durch vollgestopfte Lehrpläne, Vergleichsarbeiten und Zentralabitur vorgegeben. Durch Noten werden wir vergleichbar für die Wirtschaft und die Unis, unsere persönliche Entwicklung ist in den Lernfabriken dabei völlig egal. Mensch lernt von Anfang an, dass sich gegenseitig fertig machen belohnenswert ist - selbst die Wirtschaftskrise wird jetzt dazu benutzt, um den Konkurrenzdruck noch weiter zu erhöhen.

Schule verschärft die soziale Spaltung, die sie in einer demokratischen Gesellschaft abbauen müsste. Kinder aus einkommensschwachen Familien oder mit migrantischem Hintergrund werden systematisch benachteiligt und ausgegrenzt. Von klein auf werden ihnen Plätze im Bauch der Galeere zugedacht, das Sonnendeck bleibt denen reserviert, deren Eltern schon dort saßen. Immer mehr Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss und fallen durchs gesellschaftliche Netz.

Die Bildungspolitik der Regierenden ist aber nicht gescheitert - denn sie erreicht genau die von ihr selbst gesetzten Ziele. Die soziale Spaltung im System ist kein Unfall, sie ist kalkuliert und gewollt. Die Regierungspolitiker von CDU, SPD und Grünen haben sich schon vor Jahren von dem Konzept der sozialen Breitenbildung verabschiedet. „Elite“ war das neue Zauberwort. Und Elite meint Spaltung: Das Beste vom Besten für wenige, der Rest wird billig abgespeist oder bekommt direkt ‘nen Arschtritt.

Scharfe Selektion nach der vierten Klasse, Kopfnoten, keine Sprachförderung für Migrantenkinder. Lernmittelknappheit, Unterrichtsausfall, gestresste Lehrkräfte, überfüllte Klassen und Kurse. Die Einführung des Turbo-Abiturs und des dreijährigen Bachelors an den Unis verschärfen den Leistungsdruck. Weil drei von vier Betrieben nicht mehr ausbilden, finden Hunderttausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz und werden in eine so genannte Warteschleife abgeschoben.

Alle, die sich keine Nachhilfestunden, Privatschulen und Elite-Unis leisten können, sind die Verlierer. Gewinner sind vor allem die Geldeliten und Konzerne. Die einen können ihre Privilegien ungestört absichern, die anderen bekommen Azubis und Arbeitskräfte weiterhin praktisch für lau. Die Bildungsinhalte und –formen biegen sie durch Public-Private-Partnerships und Think-Tanks zurecht – nach Profitinteressen, nicht nach den Erfordernissen einer demokratischen, solidarischen und zukunftsfähigen Gesellschaft.

Kein Grund zum Feiern: 10 Jahre Bologna

Kaum eine Reform hat die Hochschullandschaft so stark umgegraben wie der Bologna-Prozess. Nach 10 Jahren ist jetzt das Gegenteil von dem eingetreten, was anfangs versprochen wurde:

Die neuen Bachelor- und Masterstudiengängen sind unflexibel, die Studierenden mit einem extrem verschulten Lehrplan konfrontiert. Der immense Anstieg der Arbeitsbelastung und die starren Studienpläne lassen weder Raum zur kritischen Reflexion noch Zeit für den meist dringend nötigen Job zur Finanzierung des Studiums.

Die Zahl der Studienabbrüche hat deutlich zugenommen: Vor der Einführung des Bachelor brach jede_r fünfte Studierende das Studium ab. Heute wirft jede_r Dritte das Handtuch. Auch mit der versprochenen Mobilität ist es nicht weit her: Selbst innerhalb Deutschlands ist der Hochschulwechsel - auch aufgrund des Bildungsföderalismus - schwieriger geworden. Beim Auslandsstudium ist die Anerkennung von Studienleistungen nach wie vor problematisch.

Schuld an der selbst von der OECD und dem UN-Bildungsbeauftragten gerügten sozialen Selektion im Bildungssystem ist nicht nur das gegliederte Schulsystem, schuld daran sind auch Bildungsgebühren. An den Hochschulen müssen die Studierenden inzwischen durchschnittlich 500 Euro pro Semester abdrücken. Schon jetzt schreckt das viel zu viele junge Leute ohne begüterte Eltern von einem Studium ab. Und es ist allen klar, dass dies nur der Einstieg in das komplette Bezahlstudium ist.

Wir wollen ein flexibles Studium, eine soziale Studienfinanzierung und den Abbau der bestehenden Hürden für den Zugang zur Uni.

Ausbilden statt Ausbeuten

Alle wissen es und doch tut keiner was: Es gibt nicht genügend Ausbildungsplätze in Deutschland. Viele junge Menschen suchen schon lange und verzweifeln angesichts der Absagen. Aussuchen, was man gerne machen würde, nach Neigung und Begabung gehen – das klappt schon längst nicht mehr. Nehmt, was ihr kriegen könnt - und dann müssen manche immerzu die Werkstatt fegen, und andere sollen eine bezahlte Arbeitskraft ersetzen, obwohl sie nie entsprechend ausgebildet wurden. Die Vergütung ist reicht nicht, um davon leben zu können, und unbezahlte Überstunden sind die Regel.

Das alles muss sich dringend ändern. Wir brauchen Ausbildungsplätze, die diesen Namen auch verdienen, für alle, die eine Berufsausbildung machen wollen. Das muss finanziert werden: durch verpflichtende Abgaben der Betriebe, die nicht ausbilden. Das sind heute schon drei von vier Betrieben! Außerdem muss die Ausbildungsvergütung ein eigenständiges, elternunabhängiges Leben ermöglichen, brauchen Azubis mehr Mitbestimmungsrechte in den Betrieben, Berufsschulen, in über- und außerbetrieblichen Ausbildungsstätten.

Die heutigen Lernfabriken sind auf unmittelbare Verwertbarkeit ausgerichtet. Was sich nicht umgehend rechnet, direkt vermarkten und auf effizientes Funktionieren herunterbrechen lässt, hat hier keinen Platz mehr. Schüler_innen, Studierenden und Auszubildenden wird eingebimst, dass es um Selbstvermarktung und Ellenbogen-Einsatz, nicht um die Entfaltung von Neigungen und Fähigkeiten geht. Die herrschende Politik drückt die öffentlichen Bildungsausgaben in den Keller, treibt soziale Spaltung voran, dreht alle Bildungssektoren durch den Privatisierungs-Fleischwolf und hat sich von der Aufgabe, gute Bildung für Alle zu ermöglichen, längst verabschiedet.

Der Bildungsstreik von 250.000 Lernenden und Lehrenden im Juni 2009 war ein guter Anfang für eine neue und starke Welle emanzipatorischer Bildungskämpfe. DIE LINKE trägt diesen Druck ins Parlament: für die Gemeinschaftsschule und eine Ausbildungsplatzumlage, für gebührenfreies, selbstbestimmtes Studium. Für ein ausreichend finanziertes, demokratisches Bildungssystem, das soziale Unterschiede auffängt statt sie zu verschärfen. Für eine zukunftsfähige Gesellschaft, in der alle gewinnen. Wer gute Bildung für alle will, kann darum am 27. September nur DIE LINKE wählen!