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19. Februar 2016 Das muss drin sein, Sozial- und Gesundheitspolitik

Mehr Personal für Krankenhäuser statt Versorgung im Akkord

Mit dem Thema Gesundheit setzt DIE LINKE einen weiteren Aktionsschwerpunkt im Rahmen der Kampagne »Das muss drin sein.« Mit bundesweiten Aktionen und Veranstaltungen werden wir ab dem 7. März ausführlich über die Problematik informieren und Alternativen und Lösungsvorschläge in die Diskussion bringen.

In Hamburg starten wir mit einer Aktion zur Verteilung von roten Nelken an die Kolleginnen im AK Altona in Othmarschen am 8. März um 5:45 Uhr in der Frühe.

Herumhetzendes Personal, lange Wartezeiten. Wer kennt das nicht aus unseren Krankenhäusern? Das ist mittlerweile trauriger Alltag, der weder für das Personal noch die zu Pflegenden zumutbar ist. Immer mehr Patientinnen und Patienten müssen in kürzester Zeit versorgt werden. Kein Wunder, dass das an den Nerven des Personals, aber auch an der Arbeitsqualität zehrt. Laut einer Studie von Ver.di betreut eine Pflegekraft im Schnitt ungefähr doppelt so viele Patienten und Patientinnen, wie zum Beispiel das Pflegepersonal in der Schweiz. »Wenn aber Zeitdruck den Arbeitsalltag beherrscht, sind Fehler vorprogrammiert«, so Harald Weinberg, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE. Fehler, die nicht das Personal zu verantworten hat, sondern eine Gesundheitspolitik, die auf Profit und Wettbewerb setzt.

Zeitdruck führt automatisch dazu, dass bestimmte, wichtige Tätigkeiten »hinten runter fallen«, wie beispielsweise das regelmäßige Händedesinfizieren oder notwendige pflegerische Tätigkeiten bei den Patientinnen und Patienten. Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst leiden unter diesem Druck – mit der Folge, dass der Krankenstand rasant steigt. Der alltägliche Arbeitsstress verursacht oft seelische und körperliche Belastungen. Viele leiden unter Burnout oder anderen Krankheiten. Laut einer Umfrage gaben 75 Prozent der Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger an, dass sie aufgrund der anhaltend hohen Arbeitsbelastung ihre Tätigkeit aller Wahrscheinlichkeit nach nicht bis zum Rentenalter durchhalten können.

Doch nicht nur die Perspektive für bereits im Beruf tätiges Pflegepersonal sieht damit düster aus, auch für den Nachwuchs haben die prekären Verhältnisse Auswirkungen: Für die angehenden Pflegerinnen und Pfleger bleibt kaum noch Zeit, um sie richtig anzuleiten und einzuführen. Sehr häufig werden sie »ins kalte Wasser geschmissen« und müssen im Krankenhausalltag früh voll einsteigen, statt die Zeit zu haben, praktische und umfassende Erfahrung unter Anleitung des Personals zu sammeln.

Gefahr für Leib und Leben

Die optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten kann durch den anhaltend hohen Personalmangel nicht mehr gewährleistet werden. Langsamere Genesung und eine höhere Sterblichkeit können die Folgen sein. Besonders in den Spät- und Nachtschichten sind viele Stationen gefährlich unterbesetzt: Wenn eine Fachkraft eine Station mit über 20 Patienteninnen und Patienten übernimmt, können einzelne nicht angemessen versorgt werden. Auch die Entscheidung, Krankenhäuser über Fallpauschalen in einen Wettbewerb untereinander zu setzen, hat fatale Auswirkungen. Fallpauschalen sind Preise für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit bestimmter Diagnose, sie bilden nicht die Kosten für den individuellen Fall ab und orientieren sich nicht am medizinischen Bedarf, geschweige denn an menschlichen Bedürfnissen. Sie setzen stattdessen Anreize zur Ausweitung lukrativer Behandlungen wie Knie- oder Hüft-OPs und zu Einsparungen beim größten Kostenblock – dem Personal.
Dieser Wettbewerbs- und Kostendruck führt nicht selten dazu, dass Patientinnen oder Patienten frühzeitig entlassen werden. Das wiederum ist nicht nur eine Belastung für die Angehörigen, die eventuell die weitere Pflege übernehmen müssen – und dies sind in der Regel Frauen –, auch für die Erkrankten kann dies zu einem ernsthaften gesundheitlichen Problem werden, wenn der Genesungsprozess noch nicht ausreichend abgeschlossen ist.

Massiver Personalmangel

Nicht zuletzt im Hinblick auf die immer älter werdende Bevölkerung wird der Bedarf an flächendeckender und guter medizinischer Versorgung in den kommenden Jahren immer größer. Wie soll dieser jedoch gedeckt werden, wenn immer mehr Personal eingespart wird? In Vergleich mit zwölf anderen EU-Staaten bildet Deutschland in Sachen Pflegepersonal schon jetzt das Schlusslicht: Bundesweit fehlen etwa 100.000 Pflegekräfte in den Krankenhäusern. Das Brandenburger Gesundheitsministerium hat prognostiziert, dass sich der Bedarf an Pflegepersonal bis zum Jahr 2030 verdoppelt. Personalkürzungen sind da genau der falsche Weg. Die Gewerkschaft Ver.di hat ermittelt,  dass schon heute weitreichende Mängel bestehen: Auf Intensivstationen beispielsweise betreut eine Fachkraft durchschnittlich etwa 3,3 Patienten und Patientinnen, während der Fachstandard pro Pflegefachkraft maximal zwei zu Pflegende vorsieht. Die Bundesregierung jedoch setzt auf politische Medikamente ohne Wirkstoff. Das Mini-»Pflegestellen-Förderprogramm« von 2015 bringt keine Wende. Mit diesem Programm werden in den nächsten drei Jahren maximal 6.500 neue Stellen geschaffen – das sind im Durchschnitt nicht einmal vier Stellen pro Krankenhaus.

Profit vor Gesundheit

Krankenhäuser stehen unter dem wirtschaftlichen Druck, möglichst viele »Fälle« mit möglichst wenig Aufwand in möglichst kurzer Zeit abzuarbeiten – ein fataler Anreiz, der durch das System der Fallpauschalen entsteht. Die Abschaffung dieser Fallpauschalen ist eine der Forderungen der LINKEN, die in der Öffentlichkeit und im Bundestag für eine Verbesserung der Versorgung und Pflege der Menschen im Krankenhaus und in der Altenpflege kämpft. Nur so und durch den Stopp weiterer Privatisierungen sowie die Überführung bereits privatisierter Krankenhäuser in nicht-profitorientierte Trägerschaft ist eine solide und verlässliche Krankenhauspolitik, die sich am Gemeinwohl orientiert und den Druck von den Krankenhäusern nimmt, gewährleistet. Zur Verbesserung der Qualität der Arbeit und Versorgung in den Krankenhäusern ist zudem eine gesetzliche Personalbemessung erforderlich, um die notwendigen 100.000 Pflegekräfte einstellen und den Personalnotstand bekämpfen zu können.

Mit der Einführung einer solidarischen Gesundheits- und Pflegeversicherung sowie einer Steuer auf Vermögen ab einer Million Euro, die den Ländern unter anderem zur Finanzierung der Krankenhäuser zu Gute kommt, sind diese Forderungen durchaus finanzierbar und alles andere als »Wunschdenken«. DIE LINKE setzt sich ein für bessere Arbeitsbedingungen, weniger Stress und eine gute Gesundheitsversorgung für alle.

Denn: Mehr Personal im Krankenhaus ist besser für alle! Das muss drin sein.