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24. März 2017 Wirtschaftspolitik, Europapolitik

Mad in Germany

Fabio De Masi, Foto: Oliver Hansen

Die Deutschen feiern ihren Handelsüberschuss. Dabei verstärkt der hierzulande die soziale Spaltung.

Wir Deutsche verkaufen ständig mehr ins Ausland, als wir dort einkaufen. Sicher: Wir verfügen über Topingenieure und eine starke Industrie. Aber dies erklärt nicht, wie unser Exportüberschuss auf fast neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts explodiert ist oder warum wir Südeuropa neuerdings sogar mit Fleischexporten überschwemmen. Viel besser als andere schlachten wir unsere Schweine auch nicht.

Die Erklärung liegt natürlich woanders: Unser Exportüberschuss ist angeschwollen, weil der Euro kam und unsere Reallöhne bis zur Finanzkrise stetig sanken. Dagegen konnten sich unsere Handelspartner in der Euro-Zone nicht mehr wie früher durch die Abwertung ihrer Währung wehren.

Was für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie die Schweiz funktioniert, ist im Fall von Deutschland - der viertgrößten Volkswirtschaft der Erde - verheerend. Unsere Infrastruktur verlottert. Das Ausland muss sich permanent bei uns verschulden. Doch die Rechnung bezahlen etwa bei der Euro- oder der Bankenrettung irgendwann die deutschen Steuerzahler. So wird aus "Made in Germany" nur noch "Mad in Germany" - ein hausgemachter Wahnsinn.

Denn statt wie früher Kredite aufzunehmen, um zu investieren, sparen unsere Unternehmen und Banken - und das in den meisten Fällen im Ausland. Seit dem Jahr 2000 haben wir Leistungsbilanzüberschüsse in Höhe von gigantischen 2,2 Billionen Euro angehäuft. Das im Ausland investierte Vermögen, etwa in Finanztiteln oder Unternehmenskäufen, wuchs seither um 1,6 Billionen Euro. Den Rest haben die Banken und Konzerne keineswegs gut angelegt, sondern schlicht verzockt: Etwa 600 Milliarden Euro Vermögen versenkten sie in wertlosen Anlagen wie US-Immobilienderivaten oder Zertifikaten der Pleitebank Lehman Brothers.

Gerade in Zeiten des billigen Geldes bräuchte Deutschland aber dringend Investitionen daheim. Nur sie sichern Produktivität und schaffen Wohlstand für alle - dies ist unbedingt nötig in einem sozial gespaltenen Land wie Deutschland, wo die oberen zehn Prozent mehr als 60 Prozent des gesamten Nettovermögens besitzen.

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz meinte kürzlich, es ginge für Deutschland darum, die nächsten zehn Jahre als Exportweltmeister zu gestalten. Das jedoch wäre töricht. Es muss darum gehen, endlich massiv zu investieren. Daran werden wir Linke Herrn Schulz im Wahlkampf stets erinnern.

Fabio De Masi, MdEP (DIE LINKE.) ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments.

Der Artikel kann hier online abgerufen werden.