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8. März 2016 Frauen- und Gleichstellungspolitk

Internationaler Frauentag 8. März 2016

Christine Detamble-Voss (Vorsitzende Fraktion DIE LINKE in der BV Hamburg-Mitte)

Pünktlich jedes Jahr zum Internationalen Frauentag stellt die Öffentliche Medienlandschaft mit Erstaunen fest, dass immer noch die Frauen weniger verdienen als Männer.

Ich persönlich bekomme dann Wutanfälle über dieses scheinheilige Gesülze, bei konsequenter Ignoranz der Gründe dafür, warum es seit Jahrzehnten so ist und sich so Einiges ändern muss, um da weiter zu kommen.

Dazu folgende Erklärung:
Entscheidend bei fast jeder Eingruppierung von Gehalt in den Tarifverträgen ist die Bewertung der Arbeit, über die zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern verhandelt wird: Handelt es sich um eine Arbeit mit Eigenverantwortung oder nicht? Konkret heißt das, die letzten 100 Jahre, wenn nicht länger, wurden und werden „Frauenberufe“ als sogenannte Assistenzberufe eingruppiert.

Konkret im Krankenhaus: Tägliche Frühvisite, der Arzt/ die Ärztin erteilt Anordungen und die Pflegekräfte führen aus. Die gesamte Hierarchie ist so organisiert. Noch so viele Fortbildungen und Zusatzqualifizierungen bringen zwar einige Verbesserungen in der Bezahlung, aber die hierarchische Grundordnung bleibt. Allen anderen Berufen geht es ebenso, z.B. Physiotherapeutinnen, medizinisch-technischen Assistentinnen, Diätassistentinnen, Sekretärinnen... Ein anderes Bewertungssystem hat auch zur Folge, dass sogar die besonders starke und körperliche Belastung des Pflegepersonals, z.B. auf Krebsstationen nicht zusätzlich finanziell belohnt wird. Monatelange/ jahrelange Debatten und Verhandlungen mit den Krankenhausgesellschaften, etc. haben keine Erfolge gehabt. Die Position der Arbeitgeber: Schichtdienst, Tod und Leid, schweres Heben etc., sind im Krankenpflegeberuf impliziert und bedürfen keiner besonderen tariflichen Bewertung. Entsprechend in anderen Berufen, in denen fast nur Frauen arbeiten, z.B. Reinigungskräfte. „Putzen  kann jede”. Aber es gibt keine Schmutzzulage wie in männlichen Arbeiterberufen. Es gibt die klassischen Mann-Frau Kombinationen: Chef/Sekretärin, Koch/Diätassistentin, Sozialpädagoge/Erzieherin, etc.

Natürlich weiß ich, dass es auch Krankenpfleger gibt oder Erzieher. Aber denen geht’s nicht besser, weil sie in einem sogenannten „Frauenberuf“ arbeiten.

Die jetzige politische Situation macht es außerordentlich schwer, in nächster Zeit etwas grundlegend daran zu ändern. Wir haben schon lange kein Gesundheitswesen mehr, sondern eine Gesundheitsindustrie, die gewinnorientiert arbeiten „muss“, im Wettkampf mit der Konkurrenz, die Schlacht tobt, wer wird überleben, wer schluckt wen? Die konsequente neoliberale Politik, verstärkt durch die Schuldenbremse, hat das Ziel, öffentliche Daseinsversorgung zu reduzieren. Auf jeden Fall müssen die Sicherheitsorgane und die Gerichte bleiben .Der “Rest kann weg”. Wer da fröhlich mit frommen Liedern auf dieser Welle mitschwimmt, sind die christlichen Kirchen, die eine soziale, kommunale Einrichtung nach der anderen, übernehmen. Flächendeckend. Steuerlich gefördert. Und was passiert in diesen christlichen Einrichtungen? Das christliche Familienbild wird in die Geschäftsordnung geschrieben und gilt dann für alle Beschäftigten. Scheidung wird mit Entlassung bestraft. Mitbestimmung und Personalräte werden abgeschafft und Tarifverhandlungen sowieso. Begriffe wie Arbeitgeber und Lohnabhängige lehnt die Kirche ab.

Man könnte mutlos werden. Nein, darum habe diesen Text nicht geschrieben. Aber wer kämpfen muss und will, sollte eine Lageanalyse machen und sich eine gute Strategie und Taktik überlegen. Die Gewerkschaften allein werden es nicht schaffen und auch nicht Die LINKE. Der Kampf der Frauen um Emanzipation und Gleichberechtigung ist ein Vorbild an Ausdauer und Erfolg - trotz großer Opfer und Unterdrückung. So wie es in unserem Parteiprogram steht.

Der 8. März, von Clara Zetkin zum internationalen Frauentag erklärt, hatte auch viele Opfer und Verfolgung zur Folge. Aber ich bin froh, dass heute Frauen selbst entscheiden können, ob sie ein Kind haben wollen oder nicht; ob sie heiraten wollen oder nicht; ob sie berufstätig sein wollen oder nicht; und vieles mehr.

Die Rechten sind auf dem Vormarsch... Also weniger Gezanke und wenige leere Parolen. Es kommen schwierige Zeiten und nur die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit.

Dies schrieb C. Detamble-Voss, Jahrgang 1944