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8. April 2015 Aus der Partei

Hamburg hat eine wichtige Stimme für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verloren.

Die LINKE trauert mit Angehörigen, Freundinnen und Freunden, und der VVN-BdA um Steffi Wittenberg, die am 26. März im Alter von 89 Jahren gestorben ist.

Steffi Wittenberg wuchs als Kind liberal-jüdischer Eltern in Hamburg auf. Sie erlebte die Ausgrenzung und Stigmatisierung durch die „Rasse-Gesetze“ von 1935 und die Pogromnacht vom 9. November 1938. Ein Jahr später fand sie in Uruguay  Asyl. Dort lernte sie ihren Mann Kurt kennen, der als Sekretär des Deutsch-Antifaschistischen Komitees  Mitbegründer der Bewegung Freies Deutschland in Lateinamerika war.

Nach einigen Jahren in den USA, wo sich Steffi und Kurt Wittenberg in der Bürgerrechtsbewegung gegen die damals noch dort herrschende Apartheid engagiert hatten und deshalb ausgewiesen wurden, kam Steffi mit ihrem Mann nach Hamburg zurück. Sofort wurden sie aktive Mitglieder der VVN-BdA, Kurt 20 Jahre lang als 2. Vorsitzender.

Steffi Wittenberg kannten wir als Zeitzeugin, die in Schulen, bei Veranstaltungen und bei Demonstrationen an die Verbrechen des Faschismus und an die Opfer erinnerte und vor neuen Gefahren warnte. Wie alle Überlebenden des Nazi-Terrors konnte sie nicht verstehen, wie es möglich ist, dass heute wieder Faschisten erlaubt wird, öffentlich aufzutreten. Wo immer wir gegen Nazi-Aufmärsche und -kundgebungen protestieren mussten, trafen wir Steffi, oft als Rednerin.

Viele von uns haben Steffi Wittenberg in der internationalen Solidaritätsbewegung kennengelernt. Chile, Uruguay, Nicaragua - es war ihr ein großes Anliegen, Solidarität mit Flüchtlingen, politischen Gefangenen und demokratischen Bewegungen zu  wecken und zu organisieren. Zuletzt erlebten wir sie als Rednern, die die Gruppe Lampedusa in Hamburg unterstütze und den Aktiven Mut machte.

Auch uns hat Steffi Wittenberg mit ihren Erfahrungen und ihrem entschiedenen Engagement Mut gemacht. Sie fehlt nun in dieser Stadt. Vergessen werden wir sie nicht, sie bleibt ein Vorbild.