Zurück zur Startseite
11. September 2013 Sabine Boeddinghaus, Bildungspolitik

Für eine sozial gerechte Bildungspolitik. Gute Bildung für alle statt Elitenförderung und Ausgrenzung

© S. Hofschlaeger / pixelio.de

Gleiche Bildungschancen für alle? Von wegen. Das bestehende Bildungssystem ist ungerecht. In kaum einem anderen Industrieland bestimmt die soziale Herkunft so sehr über die Bildungslaufbahn von Kindern und Jugendlichen wie in Deutschland. Auch in Hamburg. Das wollen wir ändern. DIE LINKE will ein Bildungssystem, in dem alle die gleichen Chancen und Rechte erhalten und entsprechend ihrer Stärken individuell gefördert werden.

Die Chance auf einen höheren Bildungsabschluss ist bei gleicher Leistung für Jugendliche aus sozial schwächeren Haushalten wesentlich schlechter als für Kinder aus einem sozial stärkeren Elternhaus. So machen 30% der SchülerInnen im „armen“ Stadtteil Steilshoop Abitur, im „reichen“ Nienstedten sind es 75%. Doch nicht nur Kinder aus sozial schwächeren Familien haben es schwerer. Kinder mit Beeinträchtigungen können oft nicht mit Gleichaltrigen zusammen lernen, obwohl sie es könnten. Und auch Kindern mit Migrationshintergrund werden gleiche Bildungschancen systematisch verweigert. Dazu kommt die frühe Trennung in die verschiedenen Schulformen – sie verstärkt die Ungerechtigkeit noch.

In Hamburg wurde nach dem Scheitern der Primarschule von SPD, CDU und Grünen der Hamburger „Schulfrieden“ geschlossen. Wohl eher „Friedhofsruhe“, denn für die Grund- und Stadtteilschulen wurde seither nichts getan. Sie kämpfen nach wie vor mit schlechten Arbeitsbedingungen, mangelnder Ausstattung und Personaldefiziten. Gleichzeitig sollen sie immer mehr Aufgaben bewältigen. Seit der Übernahme der Behindertenrechtskonvention der UN in das Schulgesetz sollen alle Kinder in der Regelschule lernen können. Gut so! Doch faktisch übernehmen ab der 5. Klasse die Stadtteilschulen, ohne ausreichende Mittel dafür zu bekommen, allein die Umsetzung der Inklusion. Die Gymnasien bleiben weitgehend außen vor. Die Grundschulen werden auf ganztägige Bildung und Betreuung (GBS) umgestellt, ohne aber vom Senat die nötige Ausstattung zu erhalten, um die neuen Aufgaben auch bewältigen zu können. Gute pädagogische Konzepte und gute Schulbildung für alle bleiben dabei auf der Strecke. So führt der Mangel zu „schlechten Noten“ für die Grund- und Stadtteilschulen und fördert stattdessen das Wiederaufblühen einer Bildungsauslese nach sozialen Kriterien.

„Schulfrieden“ aus linker Perspektive kann nur durch soziale Gerechtigkeit im Bildungssystem verwirklicht werden. DIE LINKE macht sich deshalb für eine Bildungspolitik stark, in der alle dieselben Chancen und Möglichkeiten haben - von Anfang an.

  • Gemeinsames Lernen und Leben mit anderen Kindern sollte deshalb allen Kindern schon vor dem Schulstart ermöglicht werden –in Kindertageseinrichtungen, auf die alle einen Rechtsanspruch haben – und zwar gebührenfrei.
  • DIE LINKE will die inklusive Gemeinschaftsschule für alle anstatt eines mehrfach gegliederten Schulsystems. In der Gemeinschaftsschule lernen alle Kinder und Jugendlichen länger gemeinsam. Alle gehören dazu, niemand wird ausgegrenzt, die unterschiedliche Herkunft und Besonderheiten der Kinder werden nicht als Defizite, sondern als Vielfalt und Bereicherung wahrgenommen. In der Gemeinschaftsschule werden alle Schülerinnen und Schüler wertgeschätzt, unterstützt und verlässlich gefördert, ohne Angst vor Demütigung, Ausgrenzung oder Stigmatisierung, und so zu ihrem bestmöglichen Bildungsabschluss geführt.
  • Auch in der Berufsausbildung und der Weiterbildung wollen wir Veränderung. DIE LINKE macht sich für eine Ausbildungsumlage stark, damit alle Jugendlichen eine gute Berufsausbildung machen können. Ebenso soll die Zulassung von Studieninteressierten mit abgeschlossener Berufsausbildung endlich überall möglich sein.
  • Gute Bildung kostet Geld. Sie ist eine öffentliche Aufgabe und muss öffentlich finanziert und demokratisch organisiert werden – ohne Beschränkungen und ohne Gebühren. In Kindertageseinrichtungen, Schulen, Hochschulen und in der Aus- und Weiterbildung fehlt es an allen Ecken und Enden. Wir fordern deshalb eine sofortige Aufstockung der öffentlichen Bildungsausgaben.
  • Bildung ist keine Ware. DIE LINKE lehnt die Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Bildung ebenso ab, wie eine einseitige Ausrichtung von Bildungsinhalten und Bildungsziele nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit.