Die IG Metall stellt fest, dass seit 20 Jahren kein so hoher Prozentsatz erreicht wurde.
Die Laufzeit beträgt allerdings 13 Monate – auf ein Jahr umgerechnet sind das knapp 4%. Für die Zukunft gelten aber die 4,3%, das ist anzuerkennen. Die MetallerInnen sind mit dem Ergebnis überwiegend zufrieden. Klar, man weiß nicht, wie sich die Inflation entwickeln wird und die Verluste der letzten Jahre, je nachdem, wie weit man rechnet, sind sicher nicht ausgeglichen.
Positiv ist aber, dass der Beitrag für die Alters Teilzeit (0,4% jährlich) damit auch schon abgegolten ist und dass die Friedenspflicht diesmal schon mit dem Ende der Laufzeit endet.
Von Seiten linker GewerkschafterInnen wird kritisiert, dass es für die Übernahme der Auszubildenden zu viele Ausnahmeregelungen gibt. Über den Bedarf an Auszubildenden beraten die Arbeitgeber mit dem Betriebsrat, mit entscheiden kann der Betriebsrat nicht. Ausgeschlossen sind die Absolventen der Dualen Hochschulen (normalerweise haben sie kein Problem mit der Übernahme). Wenn eine Wirtschaftskrise kommt, kann der zuvor angekündigte Bedarf gesenkt werden. Trotzdem: gegenüber dem bisherigen Tarifvertrag ist die neue Regelung ein Fortschritt, die unbefristete Übernahme ist jetzt der Normalfall. Wie viel der Tarifvertrag real bringen wird, kommt darauf an, wie stark sich die Betriebsräte für die Jugend einsetzen – jedenfalls haben sie jetzt Rückenwind dafür.
Hier hängt es stark von den betrieblichen Umständen ab, ob Fortschritte möglich werden. Es gibt die Möglichkeit zu freiwilligen Betriebsvereinbarungen, mit denen Leiharbeit zahlenmäßig oder nach Einsatzzwecken eingeschränkt werden kann. Ein Arbeitgeber wird aber nur mitmachen, wenn er dafür etwas bekommt, z.B. einen garantierten Prozentsatz an Leiharbeit. Zusätzlich kann eine Betriebsvereinbarung von Arbeitszeitverlängerungen auf 40 Stunden abhängig gemacht werden. Von so einer Betriebsvereinbarung wird man meistens besser die Finger lassen. Sicher ist nur, dass bei mehr als 2 Jahren Leiharbeit ein Übernahmeangebot kommen muss. Das wird einigen helfen, aber nicht dem Großteil.
Völlig außen vor blieb das Schlupfloch Werkvertrag. Insgesamt hat die IG Metall hier am wenigsten erreicht.
Der bedeutendste Fortschritt für Leiharbeiter liegt nicht in diesem neuen Tarifvertrag, sondern in neuen Branchenzuschlägen für Leiharbeiter in der Metall-und Elektroindustrie.
Die Kampfstimmung bei den Warnstreiks im Vorfeld des Abschlusses war gut und ein richtiger Streik hätte vielen Metallarbeitgebern wehgetan. Von daher hätte die IG Metall nicht so schnell abschließen müssen. Viele GewerkschafterInnen fragen sich: Wenn man unter diesen günstigen Umständen nicht zur Urabstimmung fortschreitet, wann überhaupt werden die heutigen MetallerInnen jemals noch einen Streik erleben? Der Großteil der IGM-Mitglieder hat noch nie einen richtigen Streik selbst mitgemacht. Wie lange kann man noch glaubwürdig damit drohen, angesichts der Verschiebung der Belegschaften zu immer mehr hochqualifizierten Angestellten und immer weniger ProduktionsarbeiterInnen? Nächstes Jahr muss das ernsthafter diskutiert werden, ebenso wie die Frage von Strukturforderungen zugunsten der unteren Entgeltgruppen und Verbesserungen beim Leiharbeits-Tarifvertrag und bei Werkverträgen.