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28. April 2015 Stadtentwicklung

Entschieden gegen Olympia!

Laut Koalitionsvertrag von SPD und Grünen ist die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 eines der zentralen Projekte der laufenden Legislaturperiode. Im Vertrag heißt es:

Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele, die für das moderne Deutschland stehen, für die bunte Republik Deutschland, eine offene, demokratische und tolerante Gesellschaft, für Modernität und Nachhaltigkeit. Die Spiele in Hamburg sollen zu einem großen Gemeinschaftserlebnis werden und Hamburg internationaler nach innen und außen machen.

Wohlklingende Worthülsen ändern nichts an unserer ablehnenden Haltung zu diesem Vorhaben unter diesen Bedingungen. Das hat der Landesvorstand der Partei DIE LINKE. Hamburg mit seinem Beschluss vom 19. April 2015 bekräftigt.

Wir wissen, das die Olympischen Spiele die Demokratie abbauen: In der Zeit der Vorbereitung und Durchführung der Olympischen Spiele wird der Stadtschlüssel an das Internationale Olympische Komitee übergeben. Wir wissen, dass die ungeheuren Mittel, die die Olympiade verschlingen wird, an anderen Stellen in der Stadt dringend gebraucht werden.

Und wir wissen auch, dass trotzdem 64 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger für die Olympischen Spiele in unserer Stadt sind.

Warum finden unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger Olympia in Hamburg eigentlich „cool“? 64 Prozent – das sind in der Mehrzahl Menschen, die in festen Arbeitsverhältnissen in der Stadt leben. Ihnen ist es noch möglich teilzuhaben, ihr Leben zu gestalten, Urlaub zu machen, Sport zu treiben. Ihnen wird durch die Olympischen Spiele zunächst kein spürbarer Schaden zugefügt. Im Gegenteil: Sie empfinden es als Auszeichnung, in einer Stadt zu leben, die plötzlich internationale Geltung bekommt.

Aber zu welchem Preis? Dazu muss man Ross und Reiter nennen, also die Frage stellen, wer profitiert und wer verliert beim Spiel um die Medaillen.

Schauen wir auf die Profiteure:

Gewinnen werden zum Beispiel diejenigen Hamburgerinnen und Hamburger, die sich Karten für die Veranstaltungen leisten können, die teilhaben. Gewinnen werden die Sponsoren und die Investoren.

Schauen wir auf den Sport:

580.000 Menschen in Hamburg sind Mitglied in Sportvereinen. Hier treffen sie auf die Folgen dessen, was wir im Politsprech „Schuldenbremse“ nennen – leere öffentliche Kassen. Sie treffen auf Löcher im Bodenbelag, auf verkommene Rasenflächen, auf Sandgruben ohne Sand. Das ist ihr Sportplatz – und der Verein hat kein Geld, diese beklagenswerten Zustände zu ändern. Es fehlt an ausreichender öffentlicher Förderung, obwohl der Senat mit der „Dekadenstrategie“ etwas anderes versprochen hat.

Der Senat sagt jedoch:

Die Sportanlagen für die Olympischen Spiele können nach den Spielen ja von der Öffentlichkeit genutzt werden. Pustekuchen, sagen wir – und verweisen auf die Erfahrungen, die in anderen Austragungsorten mit den Sportanlagen für die Olympischen Spiele gemacht wurden. Nicht genutzte Riesenanlagen stehen sinnlos in der Landschaft herum.

Schauen wir auf die soziale Stadtentwicklung:

Je mehr Kinder und Jugendliche in den Stadtteilen wohnen, desto schlimmer ist der Zustand der Sportanlagen. Und das liegt nicht an den Kids, denn hier treffen wir auf die die soziale Spaltung Hamburgs. Die Sportanlagen in Billstedt haben eben eine andere Qualität als die in Nienstedten.

Wir fragen nach:

Was könnte man mit mindestens zwei Milliarden Euro für die Verbesserung der sportlichen Infrastruktur alles machen?

Das Geld, das in die Olympischen Spiele gesteckt wird, wird in Billstedt, in Teilen von Wilhelmsburg und auf der Veddel dringender als auf dem Grasbrook gebraucht, wo das Olympiastadion errichtet werden soll.

Trotzdem sagt Olaf Scholz, dass er die Sportvereine zu Abstimmungsstätten für die Olympiade in Hamburg machen wird. Wir sagen, dass wir, die Mitglieder der LINKEN, in unseren Sportvereinen in der Nachbarschaft nachfragen werden, welche Hoffnungen die Olympiade dort weckt. Und wir werden dort argumentieren, dass die Olympiade nichts mit einer sinnvollen Entwicklung des Breitensports in Hamburg zu tun hat.

Und darum stellen wir, DIE LINKE. Hamburg, die soziale Spaltung und den Breitensport in der Stadt in den Mittelpunkt unserer Kampagne gegen die Olympischen Spiele. Und wir freuen uns, dass andere Aspekte der Auseinandersetzung von anderen Akteuren in der außerparlamentarischen Bewegung besetzt werden, an deren Koordinierung wir konstruktiv mitarbeiten.

Doch zunächst sagen wir: Die Zahlen müssen auf den Tisch. Denn außer luftigen Formulierungen haben Olaf Scholz und Michael Neumann hinsichtlich der Kosten nichts zu bieten. Mal schwirren um die zwei Milliarden Euro für die Sportstätten durch die Medien, dann nennt die Handelskammer 6,5 Milliarden Euro. Auf dieser Grundlage ist keine demokratische Entscheidung möglich, zu der die Hamburgerinnen und Hamburger aufgefordert werden müssen, sei es durch ein Referendum oder eine Volksinitiative.

Unser Fazit:

Die Olympischen Spiele in Hamburg werden die soziale Spaltung der Stadt vertiefen und dem Sport nichts nützen. Das wollen wir verhindern. Dafür wollen wir die Mehrheit der Menschen in dieser Stadt gewinnen. Packen wir´s an.

Dateien:
NoOlympia_150430.pdf2.2 M