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14. September 2009 Jan van Aken, Wahlen 2009

Ein Unbequemer

Jan van Aken ist Friedenspolitiker, offen und kämpferisch. Er wird gut in die neue Fraktion passen.

Auf den ersten Blick ein richtiger Hanseat. Groß, breitschultrig, blaue Augen. Jan van Aken sieht aus, als würde er täglich einmal um die Außenalster joggen und sonntags hinaus aufs Meer segeln. Tut er nicht. Er fährt Fahrrad.

Auf den zweiten Blick? Ein wahrer Optimist. In der Küche seiner Wohnung, die er mit Frau und drei Kindern bewohnt, wachsen Tomaten. Nicht allzu groß sind die Früchte. Aber sie werden schmecken, sagt der 48-Jährige. Auf den dritten Blick? Ein Kämpfer aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Bündnisse schmieden, Menschen zusammenbringen – das gehört zu ihm. Kein Zufall, dass Jan van Aken in einem Wohnprojekt lebt. Mit lauter »Ehemaligen«. Alle kennen sich aus der Hafenstraße, aus der Zeit der Hausbesetzungen. Einen Kampf gewonnen zu haben, verbindet. Verlieren auch. Linke wissen das.

Jan van Aken ist erst vor anderthalb Jahren Mitglied der Partei DIE LINKE geworden. In einer anderen war er nie. Aber er hat immer politisch gedacht und gehandelt. Biologe von Haus aus, hat er Widerstand gegen Gentechnik geleistet. Er war Biowaffen-Inspektor bei den Vereinten Nationen und hat für Greenpeace Kampagnen organisiert. Er rief das Projekt »Sunshine« ins Leben, dessen Ziel die Ächtung biologischer und chemischer Waffen ist.

Er kann, das merkt man beim Reden, die Dinge auf den wunden Punkt bringen. »Die letzten zwanzig Atombomben müssen aus Deutschland raus. Das ist ein Thema, das uns beschäftigen muss. Es kann auch nicht sein, dass Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur ist, Tod und Teufel in die Welt bringt und daran verdient. Das ist ein Thema, das uns nicht kalt lassen darf. Ich will eine Kampagne ins Leben bringen, die ganz konkret zeigt, welche Folgen es hat, wenn von hier aus Werkzeuge zum Töten in die Welt geschickt werden. Man muss die Geschichten dazu erzählen, die aufrütteln.« Eine starke linke Kraft im Bundestag ist die beste Gewähr dafür, dass solche Geschichten öffentlich werden. Davon ist Jan van Aken überzeugt. »Friedenspolitik ist die Seele der Partei«, sagt er. Er habe dies auf dem Wahlparteitag gemerkt. Nichts und niemand hält diese Partei davon ab, bedingungslos für den Frieden einzutreten.

Dies und die Tatsache, dass mit der neuen Partei endlich eine gesamtdeutsche Linke entstanden sei, eine gesamtdeutsche Friedenspartei, haben ihn dazu gebracht, den Hut in den Ring zu werfen.

»Für mich findet Politik vor allem auf der Straße statt. Auch wenn es gegenwärtig keine außerparlamentarische Opposition gibt, die ausreichend stark ist. Aber das kann sich ändern, mit neuen Bündnissen. Dafür ist DIE LINKE auch da.«

Jan van Aken freut sich auf den Wahlkampf, und auf Berlin freut er sich auch. Auf die Frage, ob er wirklich Spaß daran haben wird, an einem Stand unter einem roten Schirm zu stehen und Prospekte zu verteilen, sagt er: »Erstens passe ich bei meiner Körpergröße nicht unter den Schirm, und zweitens will ich mit den Leuten reden. Dazu muss man auf sie zugehen.« Und wie will er ihnen erklären, dass eins mit dem anderen zusammenhängt? Dass Friedenspolitik auch Kampf gegen Armut im eigenen Land ist, Widerstand gegen Rüstungsexporte auch Sozialpolitik? Vielleicht so: »Es geht um Gerechtigkeit, immer und überall. Es ist ungerecht, wenn hier in Deutschland eine kleine Elite Millionen anhäuft und dafür viele andere in die Armut drängt. Und Krieg ist die  größte aller Ungerechtigkeiten, bei der viele Menschen dafür leiden müssen, dass der reiche Westen seine Ressourcenbedürfnisse stillen kann. Solartechnik in der Wüste, eine gute Idee, solange der Strom auch für die Wüstenbewohner ist.« Auf den vierten Blick? Ein Unbequemer. Passt also.