Zurück zur Startseite
3. Juli 2008 Frieden und Antimilitarismus

Das Schiffahrtsmuseum des Peter Tamm öffnet seine Pforte

Gefüllt sind die Vitrinen, Schaukästen und Wände des neuen Museums mit Dingen aus der umfangreichen Militariasammlung des Millionärs Peter Tamm. Der Reaktionär und Militarist war einmal Vorstandvorsitzender der Axel C. Springer AG, wurde im Konzern nur der Admiral genannt. Auch eine militärische Karriere hat der Mann. Noch in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges, die Niederlage zeichnet sich bereits ab, wird Tamm in der geschrumpften Kriegsflotte des Großadmirals Karl Dönitz auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ Kadett und überlebt den Untergang in der kalten Ostsee. Heute hat er in seinem Besitz nicht nur den Großadmiralstab von Dönitz wie auch dessen Vorgänger Erich Raeder. Kein Hinweis, daß Karl Dönitz vorm Internationalen Gerichtshof in Nürnberg als Kriegsverbrecher verurteilt wurde.

Bis dato zeigte Tamm seine Sammlung in einem ehemaligen Hotel an der Elbchaussee, das einmal Eigentum der Deutscher Werft (DW). Im Zweiten Weltkrieg saß dort der Baustab der Kriegsmarine. In diesem Hause firmierte seine Sammlung noch als „Wissenschaftliches Institut für Schiffahrt- und Marinegeschichte“. Aus diesem Fundus von: 25 000 maßstabgerechte Miniaturmodelle, 1000 Großschiffsmodelle, Schiffe aus Elfenbein, Knochen, Bernstein und Gold, über 2000 maritime Bilder aus allen Jahrhunderten, 800 Marineuniformen und -teile, dazu 2000 Orden und Ehrenzeichen, 1200 Degen und Dolche, 500 nautische und optische Navigationsinstrumente und Kompasse wurden ausgewählt. Dazu gehören über 60.000 maritime Bücher von der Vergangenheit bis zur Gegenwart, 100 000 Festzeitschriften, Briefmarken und Medaillen mit Seefahrtsmotiven, Hunderte Dokumentarfilme, die Stapelläufe oder andere bedeutende Ereignisse aus der Marinegeschichte zeigen. Ob die Fotosammlung nur 500 000 oder eine Million Bilder umfaßt, ist noch immer nicht ermittelt. Selbst die Seekarten und andere Schiffsdokumente lassen sich, wie Insider berichten, nur in Kubikmetern messen.

Nun soll die maritime Tamm-Sammlung Glanz über die Hafen-City bringen. Dazu hat die Hansestadt dem Marinesammler Peter Tamm für seine Museumsstiftung den historischen Kaispeicher B auf 99 Jahre kostenfrei überlassen. Auch zahlte Hamburg die Umbaukosten zum Museum von 30 Millionen Euro. Dafür wurden gleichzeitig die Gelder für die anderen Hamburger Museen und Geschichtswerkstätten stark gekürzt.

Nach starken öffentlichen Protesten und Kritik an der militaristischen wie dem Faschismus verharmlosenden Ausrichtung der Sammlung soll nun ein „objektiver" Eindruck vermittelt werden. Was nicht stimmt. Auch fabuliert man von Völkerverständigung im Museum, das sich nicht belegen läßt. Nach wie vor bleibt es bei der Botschaft: Der Mensch müsse sich im Kampf mit den vermeintlichen Naturgewalten - Orkan, Krieg, Konkurrenz - behaupten und das Recht des Stärkeren habe universelle, ewige Gültigkeit.

Mit der Masse an Exponaten, die auf 12.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche und 10 Böden präsentiert werden, sollen die Besucher beeindruckt und nur für den technischen Fortschritt auf dem Meer begeistert werden. Dabei werden historische wie politische Zusammenhänge dem Besucher unterschlagen. Ist Militarismus und Faschismus der natürliche Bestandteil unserer Geschichte? Nein, nur diese Aufgabe wird nicht eingelöst.

Kultursenatorin Karin von Welck verspricht sich davon „Ruhm und Ehre für die Hansestadt". Für den Senat heißt das zunächst einmal hohe Tourismuszahlen und Zustimmung für die nunmehr kreativ wachsende Stadt. Damit wird die soziale Spaltung der Stadt und die von Hamburg aus mit betriebene neokoloniale Ausbeutung in anderen Ländern wie Krieg und Rüstungsexport verharmlost. Echte Völkerverständigung heißt aber soziale Gleichheit und internationale Solidarität, dazu auch eine kritische Aufarbeitung der widerspruchsvollen Geschichte der Stadt und ihrer internationalen Beziehungen.

Anläßlich der Eröffnung jubelte der Bundespräsident Horst Köhler mit. „Wir brauchen noch viel mehr Seezeichen!“ Hoffentlich nicht die von Peter Tamm.