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23. Juni 2008 Frieden und Antimilitarismus, Antiprivatisierung

Das Internationale Maritime Museum Hamburg

Am 25. Juni 2008 eröffnet Bundespräsident Köhler das Internationale Maritime Museum Hamburg.

Die umstrittene Geschichte einer militärlastigen Sammlung von maritimen Ausstellungsobjekten hat damit für DIE LINKE kein befriedigendes Ende gefunden.



Wir stellen fest:

  • Es handelt sich um ein internationales Schifffahrts- und Meeresmuseum, das als eigenständiges, privates Wirtschaftsunternehmen geführt wird.
  • Gezeigt werden die Bestände der Sammlung von Peter Tamm: Schiffsmodelle, Schiffsminiaturen, Konstruktionsplänen, Gemälden, Aquarellen, Grafiken, Uniformen und Waffen.

Das Museum besteht zu großen Teilen aus der Privatsammlung von Peter Tamm, der einstigen „rechten Hand“ Axel Cäsar Springers, des späteren Verlegers von Militär- und Schifffahrtspublikationen und fanatischen Militaria-Sammlers.

Der Bundespräsident allerdings soll deutlich machen, was von den Hamburger BürgerInnen erwartet wird: „Es ist der Dreiklang, der dieses Museum einmalig in Hamburg, vielleicht in Deutschland macht. Die Schenkung eines privaten Sammlers, die Bereitschaft der Stadt, die Ausstellungsflächen zur Verfügung zu stellen, und private Mäzene, die das Kapital zur Finanzierung ermöglichen, zu hoffentlich nie eintretenden Lücken im Betrieb. Auf dieses Modell und den damit verbundenen Bürgersinn sollten alle Bürger der Stadt stolz sein.“

Grund zum Stolz oder auch nur zur Zufriedenheit gibt es nach Auffassung der LINKEN nicht. Uns geht es zentral um drei Punkte:

  1. Es ist nicht akzeptabel, dass ein neues Museum mit enormen öffentlichen Mitteln etabliert wird, das nicht in die Kooperation mit den vorhandenen Museen eingebunden und über dessen inhaltliche Konzeption keine öffentliche Mitwirkung möglich ist.
  2. Dass sich in der Tamm'schen Sammlung auch viele wertvolle Stücke finden, ist unstrittig. Umstritten sind der Anteil von Militaria und die nicht unwesentlichen Ausstellungstücke aus der faschistischen Militär- und Zerstörungsmaschinerie. Der Forderung, nach einer kritischen Präsentation dieser Zeugnisse aus dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte ist jedenfalls höchst unzureichend entsprochen worden.
  3. Neben dem hohen Anteil von Militaria ist der museale und künstlerische Wert der bunt zusammengewürfelten Exponate umstritten.

Mag sein, dass dieses Sammelsurium sein Publikum findet. Ein Ort der Aufklärung und der kritischen Verständigung über die widersprüchliche Geschichte der zivilen und militärischen Seefahrt und der Auseinandersetzung der Menschen mit dem Meer ist dieses Museum nicht. Eine Chance wurde vertan und es bleibt ein öffentliches Ärgernis.

Zweifelsohne: Die kritische Auseinandersetzung um das Museum in der zurückliegenden Zeit haben den Stifter und seinen Freundeskreis zu Veränderungen an ihrer Bewertung und der Museumskonzeption veranlasst.

Da die Ausstellung allerdings auch nach den nichtöffentlichen Vorabterminen noch nicht endgültig beurteilt werden kann, bleibt zu prüfen, ob der dominierende Charakter eines Krieg und Militär verklärenden Militaria-Sammelsuriums im neuen Museum erhalten geblieben ist bzw. nur ein wenig kaschiert wurde.

Wir unterstreichen auf jeden Fall unsere Kritik: an der staatlichen Unterstützung für ein privates Museum:

In einer Zeit tief greifender Sparmaßnahmen (Streichung z.B. von Sozialticket, Büchergeld oder Schülerfahrgeld, Abschaffung aktiver Arbeitsmarktpolitik etc.) stellt die Bürgerschaft neben einem wertvollen historischen Gebäude 30 Mio. Euro für ein Museum zur Verfügung, ohne sich ein seriöses Ausstellungskonzept vorlegen zu lassen. Sie kümmert sich nicht um die Krieg und Militär verklärende Tendenz, die die Tamm-Sammlung nun einmal kennzeichnet. Dieses gesamte Verfahren ist politisch nicht akzeptabel.

Im Jahr 2004 hatte die Hamburger Bürgerschaft beschlossen, das Museum mit 30 Mio. Euro zu fördern und der "Peter Tamm Sen.-Stiftung" den historischen Kaispeicher B für 99 Jahre zu überlassen (auf dem Kaispeicher A entsteht die Elbphilharmonie). Der Vertrag zwischen Stadt und Tamm-Stiftung räumt dem Stiftungsrat, also Peter Tamm, das alleinige Recht über die Bestimmung der Ausstellungskonzeption ein. Trotz massiver Kritik hat es keine Beteiligung kompetenter Museumsleuten, Fachwissenschaftler etc. an der Museumskonzeption gegeben.

Zwar hat die CDU eingeräumt, dass die Forderung nach Mitspracherechten von Politik und Stadt grundsätzlich nachvollziehbar sei, sofern es sich um ein Projekt handelt, dass im Auftrag von Politik und Stadt durchgeführt wird. Bei einer – wie in diesem Fall – Public-Private-Partnership – der Sammler gibt die Sammlung, die Stadt das Gelände und private Mäzene sichern das Betriebskostenrisiko  – müsse man allerdings dem Stifter die alleinige Ausgestaltung überlassen.

Tamm: „Um es klarzustellen, das Internationale Maritime Museum Hamburg ist kein staatliches Museum. Es will ausdrücklich in Zukunft keine staatlichen Zuschüsse zum Betrieb des Museums. Diesem Ziel fühle nicht nur ich mich verpflichtet, sondern auch die zahlreichen Mäzene und Förderer, die diese Stiftung bisher schon mit einem Kapitalstock von über zehn Millionen ausgestattet haben." Allerdings: Die Kosten für die ergänzenden Hartz IV-Leistungen für die miserabel bezahlten Wachleute muss allerdings sehr wohl die Öffentlichkeit tragen.

Mit dem Tamm-Museum und seiner – trotz aller Nachbesserungen – Krieg und Militär verklärenden Tendenz wurde so ein weiterer teurer, zulasten der BürgerInnen finanzierter „Leuchtturm“ gebaut, dessen Wirkung für die Zukunft der Stadt und ihrer Bevölkerung mehr als fragwürdig ist.