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24. Juni 2008 Antiprivatisierung, Gewerkschaftspolitik, Sozial- und Gesundheitspolitik

Bericht vom 2. Warnstreik am Freitag, den 20. Juni 08 bei der PFLEGEN UND WOHNEN Betriebs GmbH

Insgesamt haben sich ca. 250 - 260 Kolleginnen und Kollegen beteiligt. Die Gewerkschaft ver.di hatte zu einem erneuten Warnstreik am Freitag, den 20. Juni 08 für die Zeit von 06:00 - 22:00 Uhr. Diesmal wurden 9 Senioren - Zentren von der PFLEGEN UND WOHNEN Betriebs GmbH bestreikt: Wie beim ersten Streiktag beteiligten sich die Beschäftigten der Einrichtungen Alsterberg, Horn, Holstenhof mit Haus Öjendorf, Uhlenhorst, Wilhelmsburg und die der Hauptverwaltung. Zusätzlich traten die KollegInnen aus den Einrichtungen Finkenau, Marienthal und Mossberg in den Streik. Die Beteiligung der Beschäftigten am Warnstreik war unterschiedlich - positiv die Beteiligung der Einrichtung Uhlenhorst mit nahezu 100 %.

Morgens um 06:00 Uhr standen neben den Streikposten auch die Einrichtungsleitungen vor dem Eingang, um die KollegInnen durch die bloße Anwesenheit einzuschüchtern, damit sie sich nicht am Warnstreik beteiligen. Leider war das in einzelnen Fällen erfolgreich. Andererseits hatten die Beschäftigten sich im Vorwege verabredet, wer am Streik teilnimmt und wer die Notversorgung der zu betreuenden Bewohner aufrecht erhält. Über die Notdienstversorgung für die Bewohner wurde bis zum Schluss gerungen, teilweise versuchte der Arbeitgeber eine Notdienstvereinbarung abzuschließen, die eher einer Minimalbesetzung und damit eher einer Alltagsbesetzung glich. Weiterhin wurde wieder im Vorwege Druck auf die Beschäftigten ausgeübt - Ein Beispiel: In Richtung der ausländischen KollegInnen wurde das Gerücht gestreut, sie dürfen nicht streiken. Ein weiteres: Zurzeit geht im Betrieb eine Unterschriftenliste der Geschäftsführung um, die die Beschäftigten unterschreiben sollten, um ver.di und den Betriebsrat unter Druck zu setzen. Gott sei Dank waren die Beschäftigten dafür nicht empfänglich. In einem Senioren-Zentrum wollte die Einrichtungsleitung die Beschäftigten zu einem Gespräch laden, warum diese Unterschriftsliste nicht unterschrieben würden und wie sich die KollegInnen ihr Verhältnis zu der PFLEGEN UND WOHNEN Betriebs GmbH vorstellen. Eine Infamie sondergleichen - Es soll der Eindruck erweckt werden: "Wer sich am Streik beteiligt, verhält sich gegenüber dem Arbeitgeber illoyal."

Gegen 8:00 Uhr trafen die Streikenden in der Streikzentrale am Besenbinderhof ein. Die Stimmung war gut und die Streikenden erzählten wie Stimmung vor Ort ist und alle erklärten einstimmig, dass die Geschäftsführung und die Eigentümer jegliche Glaubwürdigkeit verloren haben. Die Streikenden betonten, dass ihr Anliegen mehr als legitim ist und der Streik mit einem achtbaren Ergebnis abzuschließen ist. Sonst besteht die reale Gefahr, dass die Errungenschaften wie Weihnachtsgeld und Zuschläge demnächst zur Disposition stehen.

Wie bei ersten Streiktag wurden Grußbotschaften verlesen und außerdem wünschten uns die Vertrauensleute des Einzelhandels - die sich seit über einem Jahr in der Auseinandersetzung mit ihren Arbeitgebern befinden - viel Glück und Erfolg für uns.

Gegen 13:00 Uhr machten sich die Beschäftigten gemeinsam in einer Demonstration zur Abschlusskundgebung zum Gänsemarkt auf. Die Kolleginnen und Kollegen machten unterwegs laut und deutlich auf ihr Anliegen aufmerksam.

Auf der Kundgebung sprach der Betriebratsvorsitzende vom Uni-Klinikum von den Erfahrungen, die sie mit ihren Arbeitgebern gemacht haben, und davon, dass ihr Kampf um einen Tarifvertrag Krankenhäuser am Ende erfolgreich war. Er wünschte den Streikenden viel Erfolg und sprach davon, dass wir den Kampf um einen vernünftigen Tarifvertrag auch gewinnen können und müssen.

Der Kollege Norbert Proske (ver.di) von der Streikleitung forderte die Hamburger MitbürgerInnen auf, sich mit den Beschäftigten von der PFLEGEN UND WOHNEN Betriebs GmbH solidarisieren. Den KollegInnen versprach er im Namen der Streikleitung, dass alles Mögliche getan wird, damit ein gutes Tarifergebnis erzielt wird. Anschließend berichtete der Betriebratsvorsitzende den Streikenden, wie die Geschäftsführung und einzelne Senioren-Zentrums-Leitungen Druck auf die Beschäftigten machen.

Letzter Redner der Kundgebung war der Schauspieler Rolf Becker, der solidarische Grüße der Vertrauensleute des Fachbereichs Medien überbrachte. Er wies darauf hin, dass die schweren Arbeitsbedingungen für Altenpflegekräfte einen guten Tarifvertrag mehr als rechtfertigen. Gleichzeitig betonte er noch mal, welche Auswirkungen die Privatisierung - entgegen aller Versprechen an die Beschäftigten - mit sich gebracht hatten.

Die streikenden KollegInnen sehen weiteren Aktionen und Warnstreiks positiv entgegen und sind überzeugt, dass die Auseinandersetzung um einen Tarifvertrag (der den Namen Tarifvertrag verdient) mit dem Arbeitgeber gewonnen werden wird.