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21. Oktober 2010 Gewerkschaftspolitik, Aus der Partei

Bauerverlag untergräbt elementare Arbeitnehmerrechte.

Als ehemaliges aber langjähriges Ver.di – Mitglied, ehemaliger Vertrauensmann der ÖTV und Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Armut der Linken in Hamburg, habe ich mit Entsetzen von der offensichtlich schlimmen Vorgehensweise im Bauerverlag Kenntnis erhalten.

Selbst in meiner aktiven Zeit als Gewerkschafter habe ich nicht solch einen massiven Übergriff gegen einen Betriebsrat und dann auch noch dessen Vorsitzende erlebt.

Der Hintergrund:

Aktuell soll der Bauerverlag versuchen die dort zuständige Vorsitzende des Betriebsrates Frau Kersten Artus fristlos zu entlassen. Kersten Artus die seit 28 Jahren im Bauerverlag tätig ist, betätigt sich gleichzeitig als Vorsitzende des Konzernbetriebsrats der Yvonne Bauer Redaktion KG und ebenso engagierte sie sich bei Ver.di und ist Mitglied der Hamburger Bürgerschaft für die Linke.

Laut Ver.di will der Bauerverlag Kersten Artus aus folgenden Gründen entlassen: „Sie melde sich nicht immer korrekt ab für „angeblich erforderliche Betriebsratsarbeit“ und weiter heißt es: „Letzter Anlass für die Anhörung beim Betriebsrat war die Teilnahme von Kersten Artus an einer Sitzung des Ver.di - Landesbezirksvorstandes.“

Diese hier genannten Vorwürfe stinken gnadenlos zum Himmel. Wie primitiv ist das eigentlich, wenn man / frau gegen ein so hoch engagiertes Betriebsratmitglied solche billigen Vorwürfe erhebt. Wenn ein Unternehmen wie der Bauerverlag 150 Seiten benötigt wie Ver.di schildert, um diese dem Betriebsrat vorzulegen, damit eine Vorsitzende des Betriebsrates entlassen werden kann, dann riecht das ganz gewaltig danach, dass man ein zu kritisches Betriebsratsmitglied mit allen Mitteln los werden will. Kritik und der Einsatz für den einzelnen Mitarbeiter scheinen in einem solchen Unternehmen einfach nicht mehr angesagt.

Oder ist dieser Kündigungsversuch politisch motiviert, weil Kersten Artus aktives Parteimitglied der Linken ist?

Diese Fragestellung sollte auch auf der Bundesebene bei der Linken dringend diskutiert werden. Wenn ein Unternehmen wie der Bauerverlag eine Betriebsratsvorsitzende der Linken mit scheinbar fadenscheinigen Begründungen versuchen sollte, zu kündigen, dann scheint mir unsere Demokratieernsthaft gefährdet.

Hier werden aus meiner Sicht Mitbestimmung und Interessenvertretung in einer ganz schlimmen Form mit Füßen getreten.

Frau Kersten Artus habe ich persönlich als eine Frau kennen gelernt, die absolut mitfühlend und sozial hoch motiviert ist und es macht mich verdammt wütend, wenn gerade mit solch einem engagierten Menschen so umgegangen wird.

Selbst von Arbeitslosigkeit betroffen, weiß ich was das bedeutet, erst recht wenn man auch noch von Hartz IV getroffen ist. Will man Frau Kersten Artus allen ernstes in diese Situation hinein treiben? Der Gedanke daran, treibt mir einfach nur noch die Zornesröte ins Gesicht. Als Arbeitsloser in der Linken Hamburg, werde ich das stillschweigend so nicht einfach hinnehmen und ich hoffe sehr, dass das Arbeitsgericht Hamburg diesem ungeheuerlichen Vorgang ein Riegel vorschieben wird.


(Dipl. Psychologe und Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Arbeit und Armut der Linken in Hamburg)