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30. März 2010 DIE LINKE lernt

Auch in Hamburg: Die Linke lernt!

Hamburg ist sicher weit vorn, was die strukturelle Verankerung der Bildungsarbeit betrifft. Der Grund hierfür klingt ganz einfach: Kontinuität. Schließlich reichen die Wurzeln unserer Bildungsarbeit bis zum Frühjahr 2007 zurück. Um den politischen Erfordernissen kurz- und langfristig begegnen zu können, wurde uns schnell klar, dass es eine Verbesserung und Verstetigung der innerparteilichen Lernprozesse und offener und lernfördernder Räume braucht. Verbesserung und Verstetigung können aber nur erreicht werden, wenn Ideen, Strategien, Ressourcen und – selbstredend – engagierten Aktivist/Innen vorhanden sind. Und: Unsere Bildungsarbeit lebt davon, dass sie von unseren Mitgliedern angenommen und genutzt wird.

Die Anfänge:

Vorsichtig begannen wir im Frühjahr 2007 aktuelle Themen, wie „Agenda 2010““Rekommunalisierung“ in Abendveranstaltungen anzubieten und parteiintern bekannt zu machen. Damals fand sich unter Verantwortung des Landesvorstandes ein kleiner Teamer/Innen Kreis zusammen, der die Grundlagen für die zukünftige Arbeit erarbeitete.

Im zweiten Halbjahr 2007 warf die Bürgerschaftswahl 2008 ihre Schatten voraus. Es galt, neben allen Bildungsinteressierten in der Partei, vor allem unsere potenziellen Kandidaten/Innen auf den Wahlkampf vorzubereiten. Der Hamburger Landesverband hatte ein „Sofortprogramm für einen Politikwechsel in Hamburg“ vorgelegt. Schwerpunkte im Wahlkampf waren hier u.a. Gegen Armut und soziale Spaltung, Schluss mit der Privatisierungspolitik - für Rekommunalisierung, gebührenfreie Bildung für alle und Mehr Demokratie wagen. Die Kandidaten/innen sollten lernen, die hier genannten zentralen Positionen knapp und für alle nachvollziehbar zu entwickeln und dadurch in der persönlichen Argumentation sicherer zu werden. Mitten in St.Pauli konnten wir preiswert Schulräume mieten, in denen wir wöchentlich am Freitagabend („Bildungsfreitag“) tagten. Vorher versandte Texte wurden zunächst in kleinen Arbeitsgruppen diskutiert und anschließend wurde im Plenum das Gelernte zusammengetragen.

Rückblickend muss gesagt werden, dass manche Texte den Lernwilligen einiges abverlangt haben. Aber: insgesamt wurde unser Angebot angenommen und schnell hatten wir „Stammgäste“. Von Anfang an haben wir, neben dem Teamer/Innen-Arbeitskreis, die themenspezifischen AGs der Partei in die Planung und Durchführung der Bildungsabende mit einbezogen. Ihr erarbeitetes Wissen und Know-how wollten wir nutzen. Für einige Samstagsseminare hatten wir die angebotene Hilfe der Bundesebene gern angenommen.

Verstetigung und Professionalisierung:

Seit Anfang 2008 sind Regine Brüggemann und Hartmut Obens gewählte und bestellte Bildungsverantwortliche des Landesverbandes Hamburg. Wir haben einen funktionierenden Teamer/Innen-Arbeitskreis, der parteioffen ist und sich regelmäßig zur Programmplanung trifft. Immer wieder nehmen wir Themen auf, die für Hamburg eine besondere Bedeutung haben. Aktuell sind es der „Schulkampf“ um die Einführung der 6-jährigen Primarschule oder auch die unverantwortliche Verschwendung der Steuermittel beim Bau der Elbphilharmonie. Die meisten Veranstaltungen werden aus „Bordmitteln“ bestückt, wobei wir auch sehr spannende Veranstaltungen mit Referenten/innen von außerhalb hatten.

Wir legen halbjährliche Fortbildungsprogramme auf und werben dafür mit schön gestalteten Flyern, die immer ein neues Motto aufweisen. Das Themenspektrum reicht von „A“: „ABC-der Alternativen“ bis „Z:“Zionismus“. Ein sehr ambitioniertes Vorhaben, gab es doch bis Ende 2009 wöchentliche(!) „Bildungsfreitage“. Wir hatten „Großveranstaltungen“ z.B. mit Elmar Altvater zur zukünftigen Programmdebatte und mit Hans Modrow zum Ende der DDR. Unsere Samstagsseminare greifen Themen wie Veranstaltungsmanagement, “Was ist Neoliberalismus“ und nicht zuletzt „Rhetorik für Linke“ auf.  Und ein Neumitgliederseminar haben wir auch hingekriegt.

Wichtig war uns, Themen aufzunehmen, die sowohl praktische inhaltliche Hilfestellung in zwei Wahlkämpfen leisten sollten, als auch antizipierend Fragestellungen aufzugreifen, die über das politische Alltagsgeschäft hinausweisen. So haben wir z.B. bereits im März 2009 eine Abendveranstaltung zum Thema „Gentrification - der Umbau von städtischen Vierteln“ angeboten. Das Thema ist jetzt - im März 2010 - in aller Munde.

Unsere Angebote wurden unterschiedlich angenommen. Aber auch in kleinerer Runde haben wir die „Erotik der Erkenntnis“ genießen dürfen! Zuletzt mussten wir konstatieren, dass unser Tempo, wöchentlich eine Bildungsveranstaltung anzubieten, nicht durchzuhalten ist. Alles hat seine Zeit.

Rückblickend lässt sich sagen, dass wir es geschafft haben die „Innerparteiliche Fortbildung“ zu einem Referenzpunkt in der Partei zu machen. Für uns ist es wichtiger die richtigen Fragen zu stellen, als allumfassende Antworten zu haben.

Dem kultur- und respektvollen Umgang miteinander galt unsere besondere Aufmerksamkeit. Streitigkeiten haben wir konsequent unterbunden! Habermas nannte es den „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ – dem ist nichts hinzuzufügen.

Unseren Tagungsort haben wir nach Hamburg-St.Georg verlegt. Wir haben dort sehr schöne Räume unterschiedlicher Größe, die professionell ausgestattet sind. All das kostet was, aber das darf es auch. Seit neuestem haben wir sogar einen eigenen Etat.

Die Zukunft:

Wie eingangs erwähnt: Hamburg ist sicher weit vorn, was die strukturelle Verankerung der Bildungsarbeit betrifft. Darauf ausruhen wollen und können wir uns allerdings nicht. Wo stehen wir heute? Unsere „Bildungsfreitage“ sind jetzt „Bildungsmittwoche“ und wurden deutlich reduziert. Wir müssen sowohl sehr niedrigschwellige Bildungsangebote machen, als auch weiterhin „Spezialisten/Innen-Diskussionen“ ermöglichen, also „Bildung für Fortgeschrittene“. Methodik-und Didaktik folgen hierbei keinen starren Gesetzmäßigkeiten und müssen immer wieder flexibel an die Erfordernisse angepasst werden. Genauer müssen wir in der Formulierung der Lernziele werden.

Die nächste Aufgabe wird sein, die Bezirke in die Arbeit besser einzubinden. Das Ziel hierbei ist, dass alle Verantwortliche für die politische Bildung benennen. Auch muss sich die inhaltliche Betreuung der Neumitglieder verbessern. Wir streben eine enge Verzahnung mit unserem „AK-Programm“ in der kommenden Programmdebatte an.

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass beide Bildungsverantwortlichen kontinuierlich in der Bundesweiten „Kommission politische Bildung“ mitarbeiten und demnächst auch in einem zentralen Teamer/Innen-AK auf Bundesebene.

Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war(B. Brecht)