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16. April 2012 Finanz- und Haushaltspolitik, Wirtschaftspolitik, AG Wirtschaft, Haushalt und Finanzen

Arbeit und Reichtum in Hamburg - Thesen zu einer politischen Strategie der Linken

 

März 2012

Im nachfolgenden Text sind zu acht verschiedenen ökonomischen Bereichen in Hamburg Zahlen zusammengetragen, die sich verstreut im Internet befinden. Die Zahlen bieten einen knappen Überblick über die Reichtumsproduktion und die Reichtumsverteilung in Hamburg. Auf der Grundlage der zusammengetragenen Daten wurden neun Thesen für eine politische Strategie der Linken in Hamburg formuliert.

  1. Reichtumsproduktion in Hamburg in den Jahren 2000 bis 20101

Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen (in Millionen Euro)

Jahr

BIP

Güter-

steuern

Bruttowertschöpfung

Insge-

samt

Land-

Wirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Bauge-

werbe

Handel,

Gastge-

werbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienst-

leister

2000

72554

7257

68871

142

10245

1918

16841

23272

12879

2010

88312

9151

79161

163

11098

1975

20183

29793

15948

Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt

Jahr

BIP

Güter-

steuern

Bruttowertschöpfung

Insge-

samt

Land-

Wirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Bauge-

werbe

Handel,

Gastge-

werbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienst-

leister

2000

100

100

100

100

100

100

100

100

100

2010

108,1

94,3

109,7

139,6

92,0

82,7

127,0

106,2

113,1

Trotz des in der Geschichte der BRD einmaligen wirtschaftlichen Einbruchs 2009 hat sich das BSP in Hamburg im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht. Der erwirtschaftete Reichtum hat deutlich zugenommen.

Bruttoinlandsprodukt Anteil an der Bruttowertschöpfung insgesamt

Jahr

X

X

Bruttowertschöpfung

Insge-

samt

Land-

Wirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Bauge-

werbe

Handel,

Gastge-

werbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienst-

leister

2000

x

x

100

0,2

15,5

3,5

24,9

35,2

20,6

2010

x

x

100

0,2

14,0

2,5

25,5

37,6

20,1

Die Bedeutung der produzierenden Sektoren in der Hamburger Wirtschaft ging im letzten Jahrzehnt noch einmal deutlich zurück: Hamburgs Reichtum wird in den Bereichen Handel und Dienstleistungsgewerbe erzeugt.

  1. Beschäftigte in Hamburg in den Jahren 2000 bis 20102

Erwerbstätige am Arbeitsort HH nach Stellung im Beruf und nach Bereichen (in Tausend)

Jahr

Insge-

samt

Selbst-

ständige

Arbeit-

nehmer

Landwirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Bauge-

werbe

Handel,

Gastgewerbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienstleister

2000

1042,2

98,5

943,7

5,4

133,7

47,3

314,5

249,7

291,6

2010

1136,1

115,3

1020,8

5,4

122,8

34,9

331,5

309,3

332,2

Die Zahl der Erwerbstätigen hat sich in HH im letzten Jahrzehnt deutlich erhöht.

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten hat von 116.000 (2000) auf 154.000 (2010) zugenommen.

Im Mai 2011 arbeiteten 102.000 HamburgerInnen in sozialversicherungsfreien 400-Euro Jobs3.

Die Zahl der Pendler hat von 214.000 (2000) auf 236.800 (2009) zugenommen.

72850 Menschen waren im Januar 2012 in Hamburg arbeitslos, das ist eine Quote von 7,8%.

Erwerbstätige am Arbeitsort HH nach Stellung im Beruf und nach Bereichen (anteilig)

Jahr

Insge-

samt

Selbst-

ständige

Arbeit-

nehmer

Landwirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Bauge-

werbe

Handel,

Gastgewerbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienstleister

2000

100

9,4

90,6

0,5

12,8

4,5

30,2

24,0

28,0

2010

100

10,2

89,8

0,5

10,8

3,1

29,2

27,2

29,2

Die Zahl der Erwerbstätigen in HH im produzierenden Gewerbe und im Baugewerbe hat sich im letzten Jahrzehnt noch einmal deutlich reduziert. Fast neunzig Prozent der Hamburger Erwerbstätigen ist im Handel und im Dienstleistungsgewerbe tätig.

  1. Produktivität in Hamburg in den Jahren 2000 bis 20104

 

Arbeitsvolumen

(in Mill. Arbeitsstunden)

Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde

Lohnstückkosten

(in Euro)

2000

1.565,8

100

50,84

2010

1.683,2

102,5

52,52

Die Arbeitsproduktivität hat in Hamburg nur wenig zugenommen im letzten Jahrzehnt. Dafür haben sich die Lohnstückkosten faktich nicht erhöht. Wie auf Bundesebene haben die Hamburger Beschäftigten in den Nullerjahren Reallohnverluste hinnehmen müssen. Diese im Verglaich der OECD-Länder einmalige Entwicklung hat den Hamburger und den deutschen Kapitalisten allgemein explodierende Gewinne verschafft.

Gleichzeitig wurde die Konkurrenzfähigkeit deutscher Produkte auf dem Weltmarkt drastisch erhöht. Die daraus erzielten Extrprofite hat allerdings die Hamburger Bourgoisie ganz allein eingesackt.

Arbeitsvolumen je Erwerbstätigen in geleisteten Arbeitsstunden

Jahr

Insge-

samt

Landwirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Baugewerbe

Handel,

Gastgewerbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienstleister

2000

1492

1761

1466

1681

1522

1521

1414

2010

1481

1714

1447

1706

1504

1527

1403

Das Arbeitsvolumen ist in Hamburg im letzten Jahrzehnt praktisch konstant geblieben. Die minimale Abnahme der geleisteten Arbeitsstunden ist einer 50%igen Zunahme der Teilzeitarbeitsstellen geschuldet.

Arbeitsproduktivität je Erwerbstätigenstunde Index (2000=100)

Jahr

Insge-

samt

Landwirt-

schaft

Produz. Gewerbe

Baugewerbe

Handel,

Gastgewerbe, Verkehr

Finanzierung,

Vermietung, Unternehmens-

dienstleistung

Öff. und priv. Dienstleister

2000

100

100

100

100

100

100

100

2010

102,5

150,9

104,0

113,4

123,7

85,5

100,7

Die niedrige Steigerung der Arbeitsproduktivität ist dem Produktivitätseinbruch im Dienstleistungsbereich "Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister" geschuldet.

Spektakuläre Produktivitätssteigerungen konnten allein die Hamburger Landwirte verzeichnen.

  1. Einkommen in Hamburg in den Jahren 2000 bis 20105

In der Tabelle sind die Zahlen von 2008 verwendet, da die Zahlen für 2009 in Folge der Finanzkrise ein gesunkenes Volkseinkommen zeigen. Dieser Verlust wurde inzwischen aber wieder ausgeglichen.

Entwicklung des Volkseinkommens in Hamburg (in Millionen Euro)

Jahr

Volksein-

kommen

Arbeitnehmer-

entgelt

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

2000

40.519

24.051

16.468

2008

54184

27.572

26.612

 

 

 

 

Entwicklung des Volkseinkommens in Hamburg (prozentual)

Jahr

Volksein-

kommen

Arbeitnehmer-

entgelt

Unternehmens- und Vermögenseinkommen

2000

100

100

100

2008

134

115

162

Die Zahlen von 2011 sollten sich ungefähr wieder auf dem Stand von 2008 befinden; die Einkommensverluste während der großen Krise sind weitgehend ausgeglichen.

Die Unterschiede zwischen der Zunahme der Lohneinkommen und der Zunahme der Vermögens- und Unternehmenseinkommen ist frappierend. Den großen Teil des in den Nullerjahren zusätzlich erwirtschafteten Reichtums hat sich die Hamburger Bourgeosie angeeignet.

Allgemein ist Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt. Die reichsten 10% der Bevölkerung besitzen mehr als 60% des gesamten Vermögens, die untere Hälfte der Bevölkerung besitzt keinerlei nennenswertes Vermögen6. Diese Entwicklung hat sich seit dem Jahr 2000 beständig verstärkt.

Die für die Kapitalisten extrem erfolgreiche Wirtschaftspolitik der letzten zehn Jahre in der BRD hat dazu geführt, dass 2011 ein Viertel der Lohnabhängigen gezwungen ist im Niedriglohnsektor zu arbeiten7.

  1. Reichtum und Geographie in Hamburg (Stand 2004)8

Die aktuellste Zusammenfassung der Statistikbehörde zu diesem Thema ist von 2004. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass sich die stadträumliche Aufspaltung nach Einkommen in den letzten acht Jahren noch deutlich verschärft hat.

 

Stadtteil

Jährliches Einkommen je Steuerpflichtigem in Euro

Die reichsten Stadtteile

Nienstedten

150.000

Blankenese

94.5000

Wohldorf-Ohlstedt

92.1000

Othmarschen

88.900

Harvestehude

73.800

Wellingsbüttel

72.000

Der Mittelwert der Einkommen aller Hamburger Stadtteile

32.505

Die ärmsten Stadtteile

Horn

19.600

Harburg

19.200

Dulsberg

18.500

Rothenburgsort

18.200

Kleiner Grasbrook/Steinwerder

17.800

Veddel

17.000

Da einige Stadtteile in Hamburg ein sehr hohes Einkommen pro Steuerpflichtigem erzielen ergibt sich für alle Hamburger Stadtteile ein sehr hoher Mittelwert von 32.505 Euro pro Jahr und Steuerpflichtigem. In den meisten Hamburger Stadtteilen werden jedoch Einkommen unterhalb dieses Durchschnittswerts erzielt.

Die Hamburger Stadtteile sind nach ihrem ökonomischen Status klar unterschieden. Von Reichenghettos bis zu sehr armen Stadtteilen ist die ganze Bandbreite geboten.

  1. Kapitalkonzentration der Unternehmen in Hamburg (in 2006)9

Die aktuellste Zusammenfassung der Statistikbehörde zum Thema Kapitalkonzentration in Hamburg ist auch schon ein paar Jahre alt. Die Situation der Umsatzanteile hat sich bis 2011 wohl nicht wesentlich verändert.

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Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen

Umsatz

Anteil am Gesamtumsatz

Gesamtzahl: 84183

328 Milliarden

100%

Durchschnittliches Hamburger Unternehmen

3,9 Millionen

 

42 Umsatzmilliardäre

0,05 % der Hamburger Unternehmen

197 Milliarden

ca. 60%

767 Unternehmen mit mehr als 25 Millionen Umsatz

= 1% der Hamburger Unternehmen

Ca. 280 Milliarden

ca. 85%

Die Hamburger Wirtschaft wird von 42 Großbetrieben dominiert, die 60% des Umsatzes in HH ausmachen. Weniger als 1000 Unternehmen erwirtschaften 85% des Umsatzes in HH. Mehr als 80.000 Unternehmen teilen sich den Rest des in HH gemachten Umsatzes. Diese Relationen dürften sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert haben.

  1. Konzentration der Privatvermögen in Hamburg10

In Hamburg gibt es aktuell 10 Vermögens-Milliardäre. Ihr Vermögen ist im Jahr 2009 trotz Krise von 35 Milliarden € auf jetzt 36,25 Mrd. € angewachsen. Unter den 500 reichsten Deutschen gibt es 47 Hamburger- so viele wie in keiner anderen Region in der ganzen Bundesrepublik! Zusammen haben diese 47 reichsten Hamburger ein Vermögen von 50, 60 Mrd. €. Das ist mehr, als die ganze Freie und Hansestadt Hamburg (FHH) an Vermögen wert ist- das beträgt nämlich "nur" 45 Mrd. € (laut Eröffnungsbilanz der FHH).

Da es seit Abschaffung der Vermögenssteuer 1997 keine amtliche Vermögensstatistik mehr gibt und die Bundsregierungen sich weigern, einen Reichtumsbericht vorzulegen, kann man sich mit den Berechnungen des "MANAGER MAGAZIN SPEZIAL" (MM) behelfen. Dem gerade erschienenen Spezial " Die 500 reichsten Deutschen" (Oktober 2010), kann man entnehmen, dass aus Hamburg 47 zu den reichsten 500 Deutschen zählen. Das MM recherchiert sorgfältig in Archiven, bei Vermögensverwaltern, Banken, Anwälten, Betroffenen und beobachtet Börsenkurse genau (Stand: 15. 9. 10). Als Vermögen gelten Beteiligungen, Grund- und Immobilienbesitz, Aktien, Kunstsammlungen und private (nicht gemeinnützige) Stiftungen.


Die 10 reichsten Hamburger in 2009

Vermögen

1. Michael +Alexander Otto, Otto- Versand, ECE- Immob., Hermes

8,5 Mrd.€

2. Günter + Daniela Herz Puma, Myfair Holding, German. Lloyd

6,1

3. Klaus-M. Kühne, Kühne + Nagel, Hapag Lloyd, Logistc University

4,0

4. Wolfgg.+ Michael Herz, Maxinvest, Tschibo, Beiersdorf , Libri, Blume 2000, Books on demand

3,9

5. Friede Springer Springer Verlag

3,0

6. Fam. Weisser, Marquard+ Bahls (Ölhandel, Gas, Total, Jet, Conoco)

2,8

7. Heinz Bauer, Bauer Media Group (282 Zeitschriften: Bravo, Tina,

 

Bella, TV-Movie, In Touch, Magdeb.Volksstimme), RTL 2, Radio HH)

2,45

8. Fam. Jahr, Gruner + Jahr Verlag(Stern, GEO), Spielbanken, Immob.

2,4

9. Familie Fielmann Optiker

1,95

10. Dieter Schnabel Helm (weltgrößter Chemiehandel)

1,15

Gesamtvermögen der 10 reichsten Hamburger

36,25 Mrd.

  1. Der Staatshaushalt in Hamburg zwischen 2000 und 2010

Zur Situation des Staatshaushalts in Hamburg möchte ich ein passendes Zitat aus dem Finanzbericht 2007/2008 zitieren:

"Vergleicht man die Entwicklung der Steuerquote in Deutschland, ist unabhängig von der Art der Abgrenzung offensichtlich, dass der Anteil des Steueraufkommens am Bruttoinlandsprodukt seit 2000 rückläufig ist. Auch im Vergleich mit den europäischen Nachbarstaaten und anderen westlichen Industrienationen erweist sich die steuerliche Belastung von Bürgern und Unternehmen in Deutschland als nicht übermäßig hoch; Deutschlands Steuerquote liegt bei dieser Betrachtung seit einigen Jahren im unteren Drittel und weist damit entgegen häufig anders lautender Einschätzungen auf eine konkurrenzfähige Position im internationalen Wettbewerb hin. Schlechter stellt sich dagegen die Situation unter Einbeziehung der Sozialabgaben dar.

Das verfügbare Einkommen der Bürger ist nicht signifikant gestiegen und die Betriebe empfinden die Abgabenbelastung als zu hoch. Die Belastung mit Abgaben ist in den vergangenen Jahren kaum gesunken und liegt weiterhin auf hohem Niveau. Dies zeigt, dass eine hohe Abgabenbelastung durchaus mit einer niedrigen Steuerquote Hand in Hand gehen kann. Zum Teil bedingt sich beides, weil Sozialleistungen hierzulande anders als in vielen westlichen Industrienationen überwiegend über (Sozial-) Abgaben statt über Steuern finanziert werden. Zusammen genommen bleibt die Belastung eines Arbeitnehmers durch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge bei regulärer Beschäftigung im internationalen Vergleich sehr hoch."11

Die Unternehmen und die Milliardäre und Multimillionäre tragen einen immer kleineren Anteil zur Finanzierung des Hamburger Haushalts bei, ein immer größerer Anteil an der Finanzierung des Staatshaushalts wird von den Lohnabhängigen bezahlt. So wurde der Steuereinbruch, der durch die rotgrüne Absenkung der Unternehmenssteuern und des Spitzensteuersatzes verursacht wurde zum größten Teil durch die Anhebung der Umsatzsteuer um 3% ausgeglichen: wir alle zahlen den Unternehmen und den Reichen ihre Steuersenkung.

Die Zahlen von 2010 zum Hamburger Haushalt befinden sich im Finanzbericht 2011/12. Der Hamburger Haushalt beläuft sich auf ca. 11 Milliarden Euro und die Einkommens- und Ausgabensituation ist für die nächsten Jahre wohl annähernd gleichbleibend.12

Thesen zu einer politischen Strategie der Linken

  1. Der Reichtum der in Hamburg und Deutschland erzeugt wird, nahm im letzten Jahrzehnt trotz des beispielslosen Wirtschaftseinbruchs 2009 beständig zu. Nicht das Anprangern von Mängeln und Defiziten, sondern der immer größer werdende gesellschaftliche Reichtum muss Ausgangspunkt für eine offensive politische Strategie werden.

  1. Hamburg ist wachsende Stadt. Die Zahl der Beschäftigten nahm im letzten Jahrzehnt beständig zu. Gleichzeitig arbeitet eine immer größere Zahl von Menschen in Jobs, von deren Bezahlung man in Hamburg nicht leben kann. Die Forderung muss heißen: massive Lohnerhöhungen für alle.

  1. Die Arbeitsproduktivität hat im letzten Jahrzehnt in Hamburg im Bundesdurchschnitt zugenommen. Da die Reallöhne stagnierten oder zurück gingen sind die Lohnstückkosten im europäischen Vergleich massiv gefallen. Damit hat sich die Konkurrenzfähigkeit der Hamburger Wirtschaft im europäischen Vergleich massiv erhöht. Die über diese Steigerung der Konkurrenzfähigkeit erzielten Gewinne hat sich großteils die Hamburger Bourgeoisie angeeignet.

  1. Fast der gesamte zusätzliche Reichtum, der im letzten Jahrzehnt von einer Million Beschäftigten in Hamburg erwirtschaftet wurde, hat sich die Hamburger Bourgeoisie angeeignet. Für die Beschäftigten die den Reichtum erzeugt haben gab es allenfalls minimale Reallohnsteigerungen. Die Frage wer den gesellschaftlichen Reichtum erzeugt und wer sich diesen gesellschaftlichen Reichtum aneignet muss offensiv thematisiert werden.

  1. In Hamburg leben die Reichen in ihren Reichenvierteln und die Armen in den Armenvierteln. Dazu gibt es zahlreiche Viertel mit Mittelschichtsbevölkerung. Der sozialräumlichen Segregation der Klassen in Hamburg muss durch eine aktive Stadtentwicklungspolitik entgegengewirkt werden: Villenviertel zu Wohngebieten für die breite Bevölkerung und massive Investitionen in die Stadtteilentwicklung der armen Stadtviertel.

  1. Die Hamburger Wirtschaft ist von der Dominanz des Großkapitals geprägt. In Hamburg machen 1% der Unternehmen 85% des Umsatzes. Noch deutlicher wird die Aufspaltung der Hamburger Unternehmen in wenige Große mit Milliardenumsätzen und zigtausende Kleinunternehmen, wenn man berücksichtigt, dass 42 Unternehmen mehr als 60% allen Umsatzes in Hamburg machen. Jeder linke Politikansatz muss diese Situation benennen. Der hauptsächliche wirtschaftspolitische Gegner der Linken sind nicht die 85.000 Unternehmer in Hamburg, sondern ein 40 große Unternehmen, in deren Interesse in Hamburg Wirtschaftspolitik gemacht wird.

  1. Die Konzentration der privaten Vermögen in Hamburg ist außerordentlich. Es existiert eine kleine Schicht von Milliardären und Multimillionären, die sich einen großen Teil des Hamburger Reichtums aneignen. Diese Klasse der Millionäre und Milliardäre muss namentlich offensiv angegriffen werden. Diese Klasse, die weniger als ein Prozent der Hamburger Bevölkerung ausmacht, eignet sich einen großen Teil des in Hamburg erzeugten Vermögens an.

  1. Die Einkommenssituation des Hamburger Staatshaushalts lässt sich auf Länderebene nicht wesentlich verändern, auch wenn dies in der linken Diskussion immer behauptet wird. Natürlich sind auch kleinere Umschichtungen wichtig und können im Alltag der Stadt positive Veränderungen bedeuten, gemessen am Reichtum Hamburgs sind im aktuellen Haushalt allerdings nur Peanuts zu holen und keine neue linke Politik in der Stadt möglich. In der politischen Argumentation müssen ausgehend von der extremen Vermögenskonzentration in Hamburg bei einem sehr kleinen Teil der Gesellschaft die notwendigen bundespolitischen Maßnahmen in den Mittelpunkt gerückt werden: Massive Erhöhung der Einkommenssteuer für Millionäre, Wiedereinführung einer Vermögenssteuer die eine Umverteilung der extrem ungleichen Vermögensverteilung bewirkt, eine massive Anhebung der Erbschaftssteuer für große Vermögen und eine Erhöhung der Steuern auf Kapitalgewinne mindestens auf das Niveau der Einkommenssteuer.

  1. Das Fell des Bären kann nur einmal verteilt werden. Wenn wir alle besser leben wollen müssen wir dem Hamburger Großkapital einen erheblichen Teil seines Reichtums abnehmen. Bessere Kinderbetreuung, bessere Bildung, besser bezahlte Arbeit, höhere Renten, mehr und billigere Wohnungen gibt es für uns alle nur wenn es für die Hamburger Bourgeoisie weniger Reichtum gibt.

Der öffentliche Diskurs der Hamburger Linken ist staatstragend besorgt und defensiv, gleichzeitig wird beständig der Wille zum Gemeinwohl betont. Die Linke muss das Gemeinwohl der Hamburger Bourgeoisie aber deutlich schmälern wollen, wenn sie für den Großteil der Hamburger Bevölkerung ein besseres Leben herausholen will.


1 Bruttoinlandsprodukt und Erwerbstätige 1995 bis 2010, Arbeitsvolumen 2002 bis 2010 in Hamburg und in Schleswig-Holstein http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/P_I_1_2_j10_02.pdf

2 Bruttoinlandsprodukt und Erwerbstätige 1995 bis 2010, Arbeitsvolumen 2002 bis 2010 in Hamburg und in Schleswig-Holstein http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/P_I_1_2_j10_02.pdf

3 http://www.hamburg.de/contentblob/3043172/data/arbeitsmarktpolitisches-programm.pdf

4 Bruttoinlandsprodukt und Erwerbstätige 1995 bis 2010, Arbeitsvolumen 2002 bis 2010 in Hamburg und in Schleswig-Holstein http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/P_I_1_2_j10_02.pdf

5 Entstehung, Verteilung und Verwendung des Inlandsprodukts in Hamburg http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/P_I_2__1__j10_H.pdf

6 http://www.bpb.de/wissen/U4CJQA,0,Verm%F6gensverteilung.html

7 http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/studie-entfacht-neue-gerechtigkeitsdebatte-jeder-vierte-beschaeftigte-erhaelt-nur-niedriglohn-1.1308326

8 Lohn- und Einkommensteuerstatistik in Hamburg 2004 Große Unterschiede zwischen den Hamburger Stadtteilen http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/SI09_33_F.pdf

9 Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen in Hamburg und Schleswig-Holstein 2006 http://www.statistik-nord.de/uploads/tx_standocuments/SI08_17_F.pdf

10 Pfeffersäcke reich, Stadt arm http://www.die-linke-hamburg.de/politik/diskussionen/detail/artikel/pfeffersaecke-reich-stadt-arm.html

11 http://www.hamburg.de/contentblob/23660/data/finanzbericht-2007.pdf S. 56

12 http://www.hamburg.de/contentblob/2663476/data/finanzbericht.pdf