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15. Juli 2008

„Eine Schule für alle“...

...durch ein erfolgreiches Volksbegehren verwirklichen!

Einzigartige Chance!

Am 19. September startet die Unterschriftensammlung des Volksbegehrens „Eine Schule für Alle“. Bis zum 9. Oktober 2008, in einem Zeitraum von drei Wochen, müssen mindestens 60.000 Unterschriften bei den wahlberechtigten Hamburger BürgerInnen gesammelt werden, damit im kommenden Jahr ein Volksentscheid durchgeführt werden kann. Gelingt der Volksentscheid 2009, ist die Regierung verpflichtet, ab 2012 mit Klasse 5 beginnend die „Einer Schule für Alle“ schrittweise einzuführen. Denn in der Koalitionsvereinbarung haben sich CDU und GAL auf die Verbindlichkeit von Volksentscheiden verpflichtet. Damit hat die Volksinitiative die einzigartige Chance, die Richtung in der Hamburger Schulpolitik grundsätzlich zu ändern! 2010 würde kein Zwei-Säulen-Modell und auch keine Primarschule eingeführt werden, sondern ab 2012 die Eine Schule für Alle.

DIE LINKE, die für eine grundlegende Bildungsreform zu einem einheitlichen Bildungssystem von der vorschulischen bis hin zur beruflichen Bildung eintritt und jede Auslese ablehnt, die in unserer Gesellschaft immer eine soziale Auslese ist, hat sich im Wahlkampf schon für die ersten Schritte zu einer gemeinsamen Schule von Klasse 1 bis 10 eingesetzt. Jetzt besteht die Chance, dies durchzusetzen.

GAL und CDU verbreiten Erfolgsmeldungen

Abschaffung der Hauptschule, 116 neue Lehrerstellen, kleinere Klassen – das war längst überfällig, bedenkt man den Kahlschlag in der Bildungspolitik durch die CDU und die Notwendigkeit bei der GAL, positive Stimmung bei ihrer Klientel zu erzeugen. Verschwiegen wird aber, dass das Büchergeld nicht zurückgenommen wurde, die Hauptschule schon ohne die GAL abgeschafft werden sollte und in den Jahren davor mehr als 1.000 LehrerInnenstellen abgebaut worden waren.

Bildungspolitik der CDU gescheitert

Sparpolitik, Privatisierung, Desintegration, und Leistungsdruck – das waren die bildungspolitischen Merkmale ab 2001 unter FDP-Konteradmiral Lange und CDU-Senatorin Dinges-Dierig. Das dreigliedrige Schulsystem - und darin besonders die Hauptschulen - sollte gestärkt werden. Gleichzeitig wurden den Gesamtschulen und Ganztagsschulen Mittel entzogen und für die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre und den Ausbau der Gymnasien als Ganztagsschulen umgeleitet. Von den Eltern holte man sich durch Einführung des Büchergeldes 7,5 Mio. Euro und von den LehrerInnen eine kostenlose 30prozentige Arbeitszeiterhöhung durch Einführung des Arbeitszeitmodells. Zudem wurden in sieben Jahren bei 3.000 zusätzlichen SchülerInnen über 1.000 LehrerInnenstellen abgebaut.

Die Folgen waren verheerend: in allen Schulformen große Klassen bis 30 und mehr SchülerInnen, ein übermäßiger Leistungsdruck und damit Ausgrenzung (und Abschulungen), immenser Arbeitsdruck bei den LehrerInnen, Teilprivatisierungen an den Schulen in Hamburg Süd. Die Hauptschulen wurden von den Eltern fast gar nicht mehr angewählt und viele SchülerInnen verließen sie ohne Abschluss.

Das Zwei-Säulen-Modell sollte Abhilfe schaffen und das Scheitern der Bildungspolitik vertuschen. Die fast 40 bestehenden und gut arbeitenden Gesamtschulen in Hamburg sollten zusammen mit Aufbau- und Wirtschaftsgymnasium, Hauptschule und Realschule zu Stadtteilschulen zusammengefasst werden und die soziale Integration leisten. Die Gymnasien wollte man bestehen lassen, die Auslese nach der 4. Klasse ebenfalls, und nach der 6. Klasse sollten die Lehrerkonferenzen in den Gymnasien den Verbleib der SchülerInnen bestimmen. Die Gymnasien werden als leistungsbezogen definiert, die Stadtteilschulen als eher praktisch orientiert.

Die Einführung der Primarschule bis Klasse 6 im Koalitionsvertrag verprellte die Anhängerschaft an Hamburgs Traditionsgymnasien und führte zur Elbvorortinitiative „Wir wollen lernen - Für den Erhalt der Hamburger Gymnasien ab Klasse 5“. Ole v. Beust versprach die Anbindung von Primarschulen an Gymnasien, so dass die Eltern schon ab Klasse 1 ihr Kind gymnasial orientieren können.

Bildungspolitik der GAL: Gestern so, heute so, morgen …?

Originalton GAL-Wahlprogramm: „PISA hat gezeigt: Unser Schulsystem ist besonders ungerecht… Insbesondere die Gliederung des Schulsystems begünstigt Schulversagen und grenzt aus statt zu fördern…Dennoch hat der CDU-Senat am mehrgliedrigen Schulsystem gegen jede Kritik festgehalten“. Zum Zwei-Säulen-Modell heißt es: „Auch dieses Modell wird die grundlegenden Probleme der Mehrgliedrigkeit nicht beheben: Die Kinder nach Begabung – hier akademisch, dort praktisch – einzuteilen widerspricht allen pädagogischen Erkenntnissen und der heutigen Berufswelt, weil dann zu früh und falsch sortiert wird.“ Bei 40 % der SchülerInnen sei die Prognose falsch und die Auslese erfolge oft nicht nach Leistung, sondern nach sozialer Herkunft. Das Modell der CDU sei grundsätzlich abzulehnen und die GAL forderte „9 macht klug“ und „Eine Schule für alle“ – und unterstützte folgerichtig die Volksinitiative im Wahlkampf.

Was ist davon geblieben? Die Propagierung der Primarschule und die Beibehaltung des Zwei-Säulen-Modells ab Klasse 7 ist auf diesem Hintergrund schwer nachvollziehbar. Die Primarschule droht die Hamburger Schullandschaft weiter zu zerstückeln, indem sie in drei Formen daherkommt: 1. als selbstständige Primarschule, 2. angedockt an eine Stadtteilschule oder 3. angedockt an ein Gymnasium. Da viele Gymnasium nun 6-stufig sein sollen, wird in ihren Gebäuden viel Platz sein für die Primarstufe Klasse 4-6 und die Eltern werden versuchen, ihr Kind schon in einer solchen Primarschule anzumelden, um auf der „sicheren Seite“ zu sein.

Die Folgen dieses Koalitionskompromisses sind gravierend:

  • Die langjährige integrative Arbeit der Grundschulen, die als erste Form einer Schule für alle 1920 eingeführt wurden und die im internationalen Vergleich gut abgeschnitten haben, ist gefährdet.
  • Die Zweigliedrigkeit des folgenden Schulsystems wird aller Wahrscheinlichkeit nach zerstörend auf den integrativen Ansatz der Primarschule wirken.

So schadet die GAL mit diesem Koalitionsvertrag dem integrativen Schulwesen sehr.

Der SPD fehlt der Mut!

Der Parteitag der SPD am vorletzten Wochenende hält zwar an „Einer für Schule für alle“ als Fernziel fest, aber die Volksinitiative wird von der SPD nicht offiziell unterstützt. Zu viele haben Angst vor der Abschaffung des Gymnasiums, obwohl es bei der Umsetzung der Einen Schule für Alle lediglich um die Öffnung der Gymnasien für alle Kinder durch die Abschaffung des Sitzenbleibens und das Verbot der Abschulung geht.

Die Chance, aus der Opposition heraus eine bildungspolitische Wende in der Hamburger Schulpolitik einzuleiten, wurde vom SPD-Parteitag vertan.

Was ist zu tun?

Wir müssen uns in die Schulentwicklungsplanung einmischen: In den geplanten regionalen Schulkonferenzen muss gewährleistet werden, dass Primarschulen selbstständig bleiben und nicht an Gymnasien angebunden werden, um eine frühe Selektion zu verhindern. Möglichst viele Gymnasien sollten sich in Stadtteilschulen umwandeln.

Und vor allem: Wir müssen im ersten Schritt die Volksinitiative „Eine Schule für alle“ vom 19. September bis 9. Oktober tatkräftig unterstützen. 80.000 Unterschriften müssen gesammelt werden, damit 61.000 gültige Unterschriften übergeben werden können.

Karin Haas