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Düstere Prognosen des Klimarates / Profit statt Vorsorge

 
Hamburg, den 1.4.2014
 
Liebe Genossinnen und Genossen, hier einige Informationen und 
Einschätzungen zum zweiten Teil des Berichts des IPCC (weltklimarat)
Zunächst ein Artikel bei "Klimaretter":
 
 
www.klimaretter.info/politik/hintergrund/
16066-qein-umweltpolitischer-warnschussq
 
 
Viele Grüße,
Euer Gilbert Siegler


Wissenschaftlerstreit um UN-Bericht: Realistische Szenarien oder Alarmismus?

Der Klimawandel werde in den kommenden Jahrzehnten die Gefahr von Bürgerkriegen, Armut und Hungersnöten vergrößern. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit »schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen«, heißt es in einem neuen Bericht zu möglichen Auswirkungen der Erderwärmung, den der Weltklimarat (IPCC) am Montag im japanischen Yokohama veröffentlichte. Ein ungebremster CO2-Ausstoß könnte Schäden in Billionenhöhe verursachen.

Ein Temperaturanstieg von zwei Grad über die vorindustriellen Werte werde 0,2 bis zwei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung vernichten, heißt es in dem Bericht. Ein Anstieg um mehr als vier Grad könne desaströse Folgen haben. Vor allem in Europa und Asien werde sich das Überschwemmungsrisiko beträchtlich erhöhen. Dürren würden gerade in trockenen, bevölkerungsreichen Regionen die Wasserknappheit verstärken. Wetterextreme würden Fluchtbewegungen verstärken. Dies könne zusammen mit Wasser- und Nahrungsmittelknappheit »indirekt das Risiko für Konflikte mit Gewaltanwendung« erhöhen. Durch Reduzierung des CO2-Ausstoßes könnten die Gefahren wesentlich verringert werden. Viele Maßnahmen seien sogar einfach und billig.

Seit Dienstag vergangener Woche hatten Wissenschaftler und Regierungsvertreter in Yokohama den Text abgestimmt. Dabei handelt es sich um den zweiten von drei Teilen des nunmehr fünften Sachstandberichts des Weltklimarates. Im ersten Teil, der im September veröffentlicht wurde, ging es um die Ursachen des Klimawandels. Im dritten Teil, der Mitte April in Berlin präsentiert werden soll, werden mögliche Lösungen aufgezeigt.

Vor der Veröffentlichung kam es unter beteiligten Wissenschaftlern zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der renommierte Umweltökonom Richard Tol aus Protest das Gremium verließ. Berichten zufolge verlangte der Professor sogar, seinen Namen vom Titelblatt des Reports zu streichen. Tol meinte, die Aussagen zur Klimazukunft würden dramatisiert. Das Resümee »driftet Richtung Alarmismus«, sagte er gegenüber Spiegel online. Entscheidende Formulierungen aus dem Entwurf des Reports seien für die Schlußfassung gestrichen worden. Diese Kritik sei zu spät, erst nach dem Begutachtungsprozeß, gekommen, hielt Bob Ward, ein Gutachter des IPCC-Reports, Tol entgegen. (AFP/jW)

Den Artikel finden Sie unter: www.jungewelt.de/2014/04-01/007.php

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Profit statt Vorsorge

Welternährung in Gefahr

<address id="yui_3_13_0_1_1397556139388_12472">Wolfgang Pomrehn</address>

Es wird unwirtlicher auf der Welt. Der IPCC, der sogenannte UN-Klimarat, hat am Montag seinen zweiten Teilbericht vorgelegt, in dem es um die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die menschliche Gesellschaft geht. Dürre- und Hitzeperioden häufen sich, Unwetter werden verheerender, die Ozeane versauern. All das bedeutet erhebliche – zusätzliche – Gefahren für die Welternährung. Hinzu kommt der steigende Meeresspiegel, der einige hundert Millionen Menschen und zahlreiche Küstenstädte bedroht. Erst Anfang März hatte eine neue Studie gezeigt, daß in der Westantarktis die Gletscher immer schneller Eis verlieren. Allerdings ist das noch nicht in den neuen Bericht eingeflossen, denn der gibt nur eine Übersicht über den Stand der Wissenschaft bis etwa Mitte letzten Jahres.

Die naturwissenschaftlichen Ursachen der drohenden Misere sind seit langem klar und unter Wissenschaftlern unstrittig. Einen kleinen Disput gab es in der für den jetzigen Bericht zuständigen Arbeitsgruppe des IPCC, allerdings unter Ökonomen. Ein niederländischer Autor verließ das Gremium im Streit, weil er meinte, seine Kollegen übertrieben die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels.

Natürlich könnten die negativen Auswirkungen des Klimawandels minimiert werden. Deiche können gebaut und bis zu einem bestimmten Pegel erhöht werden. Diverse Maßnahmen könnten die Folgen des Meeresspiegelanstiegs abmildern. All das hätte um so mehr Aussicht auf Erfolg, je geringer die Veränderungen wären. Das heißt, je schneller es gelingt, die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren. Aber für beides wären politischer Wille und die entsprechenden Ressourcen nötig, und daran hapert es meist. Am stärksten vom Klimawandel betroffen sind ausgerechnet die ärmsten Länder, die zugleich am wenigsten zum Problem beigetragen haben. Länder wie Bangladesch haben ausgedehnte flache Küstenregionen. Etliche Milliarden Euro wären nötig, um Deiche zu bauen. Das sind Summen, die das Land unmöglich alleine aufbringen kann. Die Verursacher, das heißt die Industrieländer in Ost und West, sträuben sich allerdings, hier die Verantwortung zu übernehmen.

Und auch bei der Verminderung der Emissionen geht es viel zu langsam voran. Nächste Woche wird die Bundesregierung zum Beispiel einen Gesetzentwurf verabschieden, mit dem der Bau neuer Wind-, Solar- und Biogasanlagen kräftig ausgebremst werden soll. Statt dessen fabulieren Unionspolitiker lieber über den Import von kanadischem Öl (Angela Merkel), über das sogenannte Fracking oder auch über die Verlängerung der AKW-Laufzeiten (Peter Ramsauer). Vorsorge ist den Regierungsparteien ein Fremdwort. Sie vertrauen offensichtlich fest darauf, die Folgen ihres Handelns auf andere Länder und spätere Generationen abwälzen und bis dahin die Profite deutscher Energiekonzerne sichern zu können.

Den Artikel finden Sie unter: www.jungewelt.de/2014/04-01/041.php

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Warschau gescheitert – Hamburger Senat trägt Mitverantwortung

 

 Hamburg, 24.11.2013

Die Klimakonferenz in Warschau ist gescheitert. Die reichen Industrieländer mit den höchsten pro Kopf Emissionen an Treibhausgasen (z. B. Deutschland 11 t/a; USA 20 t/a) schieben die Verantwortung auf Polen, China und andere insbesondere wegen ihrer intensiven Kohleverstromung. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat den Bau neuer Kohlekraftwerke gefördert, die große Koalition will ebenfalls die weitere Nutzung von Braunkohle und Steinkohle fördern und den Ausbau der Erneuerbaren ausbremsen. Zu Recht haben die großen Umweltverbände am Donnerstag die Konferenz unter Protest verlassen. Der BUND-Vorsitzende Weiger stellt dazu zutreffend fest: “Die Regierungen der Industriestaaten und auch die deutsche Regierung lassen sich inzwischen fast ausschließlich von den Interessen der großen fossilen Energieunternehmen leiten.“ Die Auto- und Flugzeugindustrie muss man zweifellos hinzurechnen.

In Hamburg das gleiche Bild: Der Senat musste erst durch den Volksentscheid über die Rekommunalisierung der Strom- Gas- und Fernwärmenetze dazu gezwungen werden, seine Vereinbarungen mit Vattenfall und E.on zu kündigen, die eine Energiewende in Hamburg langfristig ausgebremst hätten. Bei der Umsetzung des Volksentscheids lässt der Senat die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen: Bis zum 15.12.13 müssen die Konzessionsverträge gekündigt werden und am 16.12. will der Senat Finanz- und Umweltausschuss darüber informieren, ob Vattenfall und E.on bis dahin bereit waren, der Stadt die „restlichen“ 74,9% an den Netzen zu verkaufen. Die Beteiligung der Bürgerschaft wird damit verhindert, trotzdem der Volksentscheid festlegt: „Senat und Bürgerschaft unternehmen unverzüglich alle notwendigen Schritte“, um die Netze „vollständig in die Öffentliche Hand zu übernehmen“.

Nach dem erfolgreichen Volksentscheid ist der „Masterplan Klimaschutz“ der Stadt obsolet, er muss völlig neu geschrieben werden. Ein vor zwei Jahren angekündigter Plan für die Entwicklung der Fernwärmeversorgung Hamburgs liegt bis heute nicht vor. Konsequenter Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs, um für die HamburgerInnen – und das Klima - den Ausstoß von CO2 und anderen schädlichen Abgasen zu verringern? Fehlanzeige! Konsequente Förderung energetischer Altbausanierung und regelhafte Kontrollen bei deren Umsetzung? Fehlanzeige!

Gilbert Siegler, umwelt- und energiepolitischer Sprecher des Landesvorstandes der LINKEN stellt dazu fest: "Der SPD-Senat hat das Ziel aufgegeben, die Emissionen bis 2020 (gegenüber 1990) um 40% zu reduzieren. Er hat die Mittel für den Klimaschutz deutlich reduziert. Diese Politik wird zu einer Beschleunigung des Klimawandels beitragen."

Dringend notwendig ist vielmehr:

  • Der Volksentscheid muss jetzt konsequent umgesetzt werden, auch der zweite Satz: „Verbindliches Ziel ist eine sozial gerechte, klimaverträgliche und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus erneuerbaren Energien.“ Die Bürgerschaft muss an der Entwicklung der notwendigen Schritte beteiligt sein!
  • HAMBURG ENERGIE muss so ausgestattet und geleitet werden, dass es zum größten Energieversorger Hamburgs wird, der die Stadt mit selbst produzierter Energie versorgt, die aus regenerativen Quellen und aus effizienter Kraft-Wärme-Kopplung stammt. HE muss dabei die Zusammenarbeit mit dezentralen Energieproduzenten (Energiegenossenschaften u. ä.) suchen.
  • Die Netzgesellschaften (Strom, Gas, Fernwärme), Hamburg Energie, Hamburg Wasser und die Hochbahn sind in neuen Hamburger Stadtwerken zusammenzuführen.
  • Die energetische Altbausanierung muss mindestens auf das Fünffache erweitert werden. Die zuständigen Behörden müssen in die Lage versetzt werden, qualifiziert zu beraten und die Qualität der Sanierungsmaßnahmen zu kontrollieren. Gering verdienende Mieter müssen vor Mieterhöhungen  geschützt werden, die aus notwendigen Klimaschutzmaßnahmen resultieren.
  • Der ÖPNV muss durch drastische Preissenkungen für viel mehr Menschen attraktiv werden.  Dazu gehört Planung und Bau eines Stadtbahnsystems, das einige Stadtteile besser anschließen und andere Verkehrsträger entlasten wird.
    Zugleich muss der Fuß- und Radverkehr ernsthaft gefördert werden. Durch den Umstieg vieler Hamburger können die Mittel für den Straßenbau zugleich gesenkt werden.
  • Unter Beteiligung der Umweltverbände muss ein neuer Masterplan Klimaschutz entwickelt werden, der sicher stellt, dass Hamburg seine CO2-Emissionen gegenüber 1990 bis 2020 um 40% verringert.

Nur auf diesem Weg kann Hamburg seiner Verantwortung für den Klimaschutz gerecht werden.


Gilbert Siegler
gilbert.siegler@die-linke-hamburg.de
Tel. 0176 / 51 01 95 92

 

 

 

“Der geplünderte Planet” – Neuer Bericht an den Club of Rome

Ökologische Plattform der LINKEN

24. Juni 2013 13:35

 

Die Verknappung zentraler Ressourcen ist absehbar  – Hinweis auf ein Interview auf Kontext TV

Mehr als 40 Jahre nach dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ stellte der Club of Rome nun seinen neuen Bericht vor: „Der geplünderte Planet“. Autor Ugo Bardi[1] erläutert im Kontext-TV-Interview, welche Folgen der Raubbau an der Erde hat und warum es in den kommenden Jahrzehnten zu Ressourcen-Knappheiten kommen wird. Neben Öl könnte es auch bei Uran und Kupfer bald zu Engpässen kommen. Noch gravierender aber  sind laut Bardi die Umweltfolgen des Raubbaus: Radioaktive Materialien und Schwermetalle vergiften die Erde, der wachsende CO2-Ausstoß führt zu einem katastrophalen Klimawandel.

Interview ansehen bzw. lesen

“Der geplünderte Planet”

erschien beim oekom-Verlag [2]. In der Pressemitteilung des Verlages wird es so beschrieben:

“Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten “Seltenen Erden”, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten. In “Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen”, dem neuen Bericht an den “Club of Rome”, der am 6. 6.2013 in Berlin präsentiert (wurde).

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – “in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber”, so Ugo Bardi.

 


[1↑]Ugo Bardi, Professor für physikalische Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy. Er ist Autor des Berichts an den Club of Rome “Der geplünderte Planet”

[2↑]Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen, oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4

 

 

Das „Jahrhunderthochwasser“ ist keine Naturkatastrophe!

 

Nur 11 Jahre nach der Hochwasserkatastrophe 2002 traten Donau, Elbe und zahlreiche weitere Flüsse in einem Ausmaß über ihre Ufer, das mache Orte noch nie erlebt haben. Das Ausmaß der Zerstörungen etwa in Passau, Deggendorf, Halle weiten Landstrichen Sachsen-Anhalts wird erst nach und nach klar.

 

Prof. Dr. Mojib Latif vom Helmholtz Centre for Ocean Research Kiel stellte dazu unlängst fest:

Die Stärke und Häufigkeit von extremen Wetterereignissen wie Starkregen hat im letzten Jahrzehnt messbar zugenommen. Ursache dieser verhängnisvollen Entwicklung ist der sich beschleunigende Klimawandel.

 

In diesen Tagen geht es natürlich um die unmittelbaren Hilfen für die Menschen, deren Wohnungen oder berufliche Lebensgrundlagen zerstört worden sind. Bevor die mediale Aufmerksamkeit aber zum nächsten Thema wandert, muss eine breite Diskussion über die Ursachen der Katastrophe beginnen, die in der herrschenden Politik zu suchen sind.

 

Da ist zunächst auf die Versäumnisse nach dem Hochwasser 2002 hinzuweisen. Natur braucht mehr Raum, um dem Hochwasser langfristig entgegenzuwirken. Auen und Moore müssen als Wasserrückhalteflächen erhalten bleiben. Vieler Orts muss der Raum, in dem sich Hochwässer gefahrlos auffangen lassen, erst wieder hergestellt werden. Darüber ist 2002 viel geredet worden, getan wurdewie wir heute sehen – viel zu wenig.

 

Acht Milliarden sollen für die Hochwasseropfer zur Verfügung gestellt werden und ein ernsthafter Hochwasserschutz wird ebenfalls mehr Geld kosten als bisher eingeplant war. Woher nehmen? Es gibt eine einfache Lösung: Einige Fregatten, Korvetten, Eurofighter, A400-Transportflugzeuge usw. für die Bundeswehr weniger (besser noch: gar keine) und schon stehen viele Milliarden für den wirklichen Schutz der BürgerInnen zur Verfügung.

 

Zunehmend dramatisch ist die Klimaentwicklung, welche die Stärke und Häufigkeit von Starkregen, Dürrephasen, Hitzeperioden, heftigen Stürmen usw. deutlich zunehmen lässt. Die etabilierten Parteien, allen voran die Regierungskoalition, werden auch weiterhin behaupten, Deutschland sei Klimaschutzweltmeister, nur die anderenvor allem die bösen Chinesenzögen nicht mit. In den wichtigsten Bereichen geht die Entwicklung in Deutschland allerdings in die falsche Richtung. Das gilt besonders in der Energiepolitik. DieEnergiewendeist in aller Munde, aber es werden neue Steinkohle- und sogar Braunkohlekraftwerke in Betrieb genommen. Die Verstromung von Kohle ist aber eine der Hauptursachen für die globale Erwärmung. Die Folgen eine Erwärmung des globalen Klimas um 2 Grad wird von WissenschaftlerInnen für gerade noch beherrschbar gehaltendie Prognosen für die Klimantwicklung bis Ende dieser Jahrhunderts (ein Menschenleben) sehen eine Erwärmung um 46 Grad, wenn es nicht zu einer raschen grundlegenden Umkehr kommt. An der Politik, die unverdrossen auf Kohleverstromung setzt, verdienen vor allem die großen Energiekonzerne: In Hamburg Vattenfall und E.on. Vattenfall produziert seinen Strom ganz überwiegend aus Braunkohle (und will auch an Atomkraftwerken festhalten). Statt neuer Kohlekraftwerke ist ein Kohleausstiegsgesetz erforderlich, das die Stilllegung aller Kohlekraftwerke bis spätestens 2040 regelt.

 

Die aktuelle Hochwasserkatastrophe sollte den Senat und die SPD-Mehrheit in der Bürgerschaft endlich zur Vernunft kommen lassen. Der Senat muss seine Kumpanei mit Vattenfall und E.on beenden. Die Energieversorgung, ein wichtiger Teil gesellschaftlicher Daseinfürsorge, muss den Energiekonzernen entzogen werden. Als erster Schritt müssen in Hamburg die komplette Fernwärmeversorgung und die Strom- und Gasnetze wieder in die Öffentliche Hand übernommen  werden, wie es die Volksinitiative Unser Hamburgunser Netz (www.unser-netz-hamburg.de) seit drei Jahren fordert. Sollte der Senat sich nicht auf dem Hintergrund auch der Hochwasser-katastrophe besinnen, sind alle Hamburgerinnen und Hamburger aufgerufen, die Entscheidung selbst in die Hand zu nehmen und beim Volksentscheid am 22. September, dem Tag der Bundestagswahl, für eine 100%ige Übernahme der Energienetze in die Hand der Stadt zu stimmen.

 

Gilbert Siegler

6/2013

 

 

 

Rio+20 Konferenz gescheitert – Hamburg trägt Mitverantwortung

24. Juni 2012 Pressestelle

 

Die 20 Jahre nach dem „Erdgipfel“ ebenfalls in Brasilien stattgefundene Konferenz ist ohne verbindliche Verpflichtungen insbesondere der Industrieländer zu Ende gegangen. Weder zum sich beschleunigenden Klimawandel und Artensterben noch zu Hunger und Armut hat es verbindliche Verpflichtungen gegeben. Wieder ist eine Megakonferenz beendet worden, die nicht mehr als unverbindliches Wortgeklingel und erheblichen Energieverbrauch zum Ergebnis hatte.

Hamburg als eine der reichsten Metropolen Europas ist für diese katastrophale Entwicklung mitverantwortlich. Nach den Plänen des Senats soll die Energieversorgung weiter Vattenfall und E.on ausgeliefert werden. Den Konzernen, die die Bürgerinnen und Bürger mit rasant steigenden Preisen traktieren, die ihre Atom- und Kohlekraftwerke mit allen Mittel verteidigen – nach der Abschaltung der AKW klagen sie gerade auf Schadenersatz in Milliardenhöhe. Mit denen will Olaf Scholz in „vertrauensvoller Zusammenarbeit“ eine Energiewende schaffen. Tatsächlich verhindert er damit einen Umstieg auf eine klimafreundliche dezentrale Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen. Allerdings haben die Hamburgerinnen und Hamburger die Chance, 2013 durch einen erfolgreichen Volksentscheid die Übernahme der Fernwärmeversorgung sowie der Strom und Gasnetze in Hamburg in die Öffentliche Hand durchzusetzen. Das würde die Tür zu einer wirklichen Energiewende für eine sozial gerechte und klimaverträgliche Energieversorgung öffnen.

Auch in anderen Bereichen geht der Senat die alten Wege: Statt den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, die Fahrpreise deutlich zu senken und endlich mit dem Bau eines Stadtbahnnetzes zu beginnen, wird weiterhin der Autoverkehr bevorzugt. Damit wird die Wohnqualität großer Teile Hamburgs weiter abgesenkt, der Klimawandel beschleunigt und viele Tausend Menschen von Mobilität ausgeschlossen. Statt Armut zu bekämpfen, sollen Leistungen für Kinder und Jugendliche noch weiter zusammen gestrichen werden.

Gilbert Siegler vom Landesvorstand der LINKEN dazu: "Wollten Senat und Bürgerschaftsmehrheit wirklich die Energiewende, dann müsste der die von Bürgermeister Scholz ausgehandelten Verträge ablehnen und die Forderungen der Initiative »Unser Hamburg – unser Netz« nach 100%iger  Übernahme der Energienetze und der Fernwärmeversorgung in die Öffentliche Hand übernehmen." Wollte der Senat wirklich die natürlichen Lebensgrundlagen der HamburgerInnen verteidigen, dann nähme er vom Plan abstand, die Elbe erneut zu vertiefen, mit dramatischen Folgen für die Ökologie und die Deichsicherheit. Mit den -zig Millionen, die Jahr für Jahr für immer neue Ausbaggerungen ausgegeben werden sollen, lassen sich zahlreiche Arbeitsplätze z. B. in Kitas und Schulen schaffen, während Arbeitsplatzeffekte im Hafen zweifelhaft sind.

Der SPD-Senat könnte endlich mit dem Bau einer Stadtbahn beginnen und damit das Verkehrsangebot verbessern und die CO2- Emissionen verringern. Er könnte auch die geplanten Streichungen bei Kinder- und Jugendeinrichtungen zurücknehmen, die gerade für arme Familien dringend notwendig sind. Das Geld wäre  vorhanden – wenn nicht über 140 Steuerprüfer mit anderen Aufgaben beschäftigt wären, sondern ausstehende Steuern eintreiben würden; das würde für Hamburg ca. 140 Mio. im Jahr bringen. Leider ist die Politik des Senats weder sozial noch ökologisch noch demokratisch.

Gilbert Siegler: "Gegen diese Senatspolitik hilft nur der gemeinsame entschlossene Widerstand der Bürgerinnen und Bürger. Das von über 116.000 Menschen unterstützte Volksbegehren für eine vollständige Übernahme der Fernwärmeversorgung und der Strom und Gasnetze in die Öffentliche Hand im letzten Jahr zeigt: Es lohnt sich, aktiv zu werden."

 

 

KLIMAWANDEL: Viel schneller als erwartet - Neuer UN-Bericht schlägt Alarm

IPS - 25.09.2009

Von Jim Lobe

Washington 25. September (IPS) - Drei Monate vor Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen warnt das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) in einer neuen Untersuchung, dass die negativen Folgen des Klimawandels noch schneller als erwartet eintreten werden.

Wie aus der 68-seitigen Untersuchung 'Climate Change Science Compendium 2009' [1] hervorgeht, steuert die Erde auf einen Punkt zu, der die Zerstörung der weltweiten Ökosysteme unweigerlich mit sich bringt, die das Überleben von Millionen von Menschen sichern.

Dem UNEP-Bericht zufolge, der auf rund 400 neusten wissenschaftlichen Studien beruht, werden die Durchschnitts-temperaturen aller Voraussicht nach bis Ende des 21. Jahrhunderts um 4,3 Grad Celsius steigen. Das gilt selbst für den Fall, dass die Industriestaaten ihre ehrgeizigsten Ziele zur Verringerung der Treibhausgase erreichen.

Meeresanstieg um zwei Meter in einer Generation

"Noch vor einigen Jahren sind wir davon ausgegangen, dass der Anstieg der Meere eine Frage von einem bis zwei Jahrhunderten sein würde", sagte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner bei der Vorstellung des Berichts am 24. September in Washington. "Jetzt können wir nicht ausschließen, dass der Meeresspiegel im Laufe des Lebens eines heute geborenen Kindes um zwei Meter ansteigt."

Der Weltklimarat IPCC [2] war in seinem letzten Bericht von 2007 noch von einem Anstieg zwischen 18 bis 59 Zentimetern bis 2100 ausgegangen. Die Differenz zu den neusten Zahlen erklärt sich daraus, dass sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des IPCC-Berichts vor zwei Jahren die Klimaexperten über das tatsächliche Ausmaß der Gletscherschmelze nicht einig waren.

Die meisten Modelle, die der IPCC entwickelt hatte, sehen voraus, dass bis Ende 2100 die Arktis im Monat September eisfrei sein wird. "An der Arktis lässt sich ablesen, was uns erwartet", betonte der IPCC-Klimaforscher Robert Correll. "Sie ist uns 30 Jahre voraus. Entwicklungen gehen dort rascher vonstatten." Dem Wissenschaftler zufolge schmelzen die Gletscher inzwischen drei- bis viermal so schnell als 1980.

Laut UNEP-Untersuchung wird sich auch die Übersäuerung der Meere beschleunigen und mit ihr das Sterben der von ihnen abhängigen Arten. Auch für die Landmasse wird es eng. Hier könnte die Schwelle zur Katastrophe in wenigen Jahren oder Jahrzehnten überschritten sein. Im Norden und Süden Afrikas verlängern sich Dürren in den Trockenzeiten, während die Gletscher in Zentralafrika bereits 2030 geschmolzen sein könnten - mit gravierenden Folgen für Mensch und Ökosysteme.

Australien wiederum kann den neusten Prognosen zufolge auf eine dauerhafte Dürre während der Trockenperiode gefasst machen. In Asien gefährdet der Rückgang der Himalaja-Gletscher die Quellgebiete der Flüsse Indus, Ganges und Brahmaputra, wichtigen Wasserlieferanten der bevölkerungsreichen Region. Hinzu kommt der Anstieg des Meeres-spiegels, der andere bevölkerungsreiche Gebiete in Süd- und Südostasien schwere Überschwemmungen bringen wird.

Auch in den Anden Südamerikas schmelzen die Gletscher. Die Entwaldung wird ihren kritischen Punkt binnen der nächsten 50 Jahre erreichen - mit der Folge, dass die Temperaturen der Erdoberfläche drei bis vier Grad Celsius ansteigen.

Worst Case verhindern

Steiner zufolge müssen die Anstrengungen zur Verringerung der Treibhausgase drastisch verstärkt werden, um das Eintreten der 'Worst-Case'-Szenarien zu verhindern oder zumindest aufzuhalten. Sollten sich die Staaten in Kopenhagen im Dezember nicht auf ehrgeizige Ziele einigen, wäre dies seiner Meinung nach "unverzeihlich". Auf dem UN-Gipfeltreffen in New York am 22. September wurden Hoffnungen auf verbindliche Klimaziele erheblich gedämpft.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass der weltweite Energiebedarf zwischen 2005 und 2030 um 55 Prozent ansteigen wird. Sollte die Nachfrage auch weiterhin mit fossilen Brennstoffen gedeckt werden, wäre der Weg in die Katastrophe bald erreicht. Damit der Anstieg der Erderwärmung die zwei Grad Celsius nicht überschreitet, müsste der CO2-Ausstoß zwischen 1990 bis 2050 um 50 Prozent gesenkt werden.

"Die Energiefrage entscheidet alles", meinte Steven Koonin, Staatssekretär im US-Energieministerium, kürzlich auf einem Treffen in Columbus im US-Bundesstaat Ohio. Da die USA jedoch mit einem Klimagesetz in Verzug seien, ließen sich noch nicht einmal die geringsten Emissionseinsparungen durchsetzen

 


http://www.ipseuropa.org/area.php?key=EN
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Klimawandel
Vom Prinzip der Solidarität

Von Evo Morales

Die Logik des kapitalistischen Systems zerstöre die Erde, sagt Boliviens
Präsident Evo Morales und fordert die Industriestaaten auf, ihre
Versprechungen einzuhalten.

Schwestern und Brüder, heute ist unsere Mutter Erde schwer krank. Seit
Beginn des 21. Jahrhunderts haben wir die heißesten Jahre des letzten
Jahrtausends erlebt. Die globale Erwärmung verur­sacht abrupte
Wetterveränderungen mit katastrophalen Folgen: den Rückgang der Gletscher
und das Abschmelzen der Polarkappen; den Anstieg des Meeresspiegels und die
Überschwemmungen der Küstengebiete; das Wachstum der Wüsten und die Abnahme
der Süßwasservorräte; immer mehr und stärkere Naturkatastrophen sowie das
Aussterben von Tier- und Pflanzenarten.

Dies alles hat 1750 mit der Industriellen Revolution begonnen. In nur
zweieinhalb Jahrhunderten haben die sogenannten entwickelten Staaten einen
großen Teil der fossilen Brennstoffe aufgebraucht, die zuvor in über fünf
Millionen Jahren entstanden sind.

Es ist die Logik des kapitalistischen Systems mit der Gier nach Gewinn ohne
Ende, die den Planeten zu zerstören droht. Im Kapitalismus sind wir nicht
Menschen, sondern KonsumentInnen. Für den Kapitalismus gibt es keine Mutter
Erde, sondern nur Rohstoffe. Der Kapitalismus ist die Ursache von
Ungleichheiten in der Welt. Er schafft Luxus für einige wenige, während
Millionen an Hunger sterben. In den Händen des Kapitalismus verwandelt sich
alles in eine Ware: das Wasser, die Erde, das menschliche Genom, die uralten
Kulturen, die Justiz, die Ethik, der Tod und selbst das Leben. Alles,
absolut alles, ist zu kaufen und zu verkaufen im Kapitalismus. Selbst der
Klimawandel wird dabei zu einer Ware.

Mit der Unterzeichnung des ­Kioto-Protokolls von 1997 haben sich die
Industrienationen und die Schwellenländer dazu verpflichtet, ihren Ausstoß
an Treibhausgasen um mindestens fünf Prozent unter das Niveau von 1990 zu
senken. Dieses Ziel sollte durch die Umsetzung verschiedener, vor allem vom
Markt dominierten Mechanismen erreicht werden. Bis zum Jahr 2006 hatte der
Ausstoß der Treibhausgase in Relation zu 1990 allerdings um 9,1 Prozent
zugenommen. Die Marktmechanismen haben keine maßgebliche Reduktion der
Emissionen erreicht. Dies zeigt, dass der Markt weder dazu fähig ist, das
globale Finanz- und Produktionssystem zu regulieren, noch den Ausstoß der
Treibhausgase zu begrenzen. Der Markt schafft einzig neue Gelegenheiten für
Geschäftemacherei von InvestorInnen und Konzernen.

Während die USA und die EU den Banken 4100 Milliarden US-Dollar zugesprochen
haben, um diese aus einer Krise zu retten, die von den Banken selbst
verursacht worden ist, erhalten Programme gegen den Klimawandel nur 13
Milliarden US-Dollar.

Hinzu kommt, dass diese Mittel unfair verteilt werden. Es wird wesentlich
mehr Geld dafür eingesetzt, die Emissionen zu reduzieren (Abschwächung), als
die Folgen des globalen Klimawandels zu verringern (Adaptierung), unter
denen alle Länder leiden. So fließt der Hauptanteil der Gelder für
Sanierungs- und Entwicklungspläne genau in jene Staaten, welche die Umwelt
am stärks­ten verschmutzt haben.

Gleichzeitig bleiben die Versprechungen für Technologietransfers und für die
Finanzierung von Programmen zur nachhaltigen Entwicklung in den Ländern des
Südens reine Worthülsen. Wir müssen also beim nächsten Klima­gipfel in
Kopenhagen einen großen Schritt vorwärts machen, wenn es uns gelingen soll,
Mutter Erde und die Menschheit zu retten. Zu diesem Zweck mache ich folgende
Vorschläge:

Strukturelle Ursachen

1) Es braucht eine Debatte über die strukturellen Ursachen des Klimawandels.
Solange wir nicht das kapitalis­tische System aufgeben und es gegen ein
System tauschen, das auf Solidarität, Gemeinschaft und Harmonie zwischen
Mensch und Natur basiert, bleiben alle unsere Maßnahmen wirkungslose und
gefährliche Symptombekämpfung. Für uns, die indigenen Völker, ist das Modell
des «Besser Leben» gescheitert. Wir glauben nicht an die rein an Wachstum
orientierte Vorstellung von Fortschritt und die unbegrenzte und
grenzüberschreitende Entwicklung auf Kosten anderer und der Natur. Aus
diesem Grund sprechen wir stattdessen vom «vivir bien», vom guten Leben in
Harmonie mit anderen Menschen und mit der Mutter Erde.

2) Die entwickelten Staaten müssen ihr Konsumverhalten kontrollieren und
Schluss machen mit dem Luxus, der Verschwendung und dem exzessiven
Brennstoffverbrauch. Subventionen für fossile Brennstoffe müssen abgeschafft
und stattdessen alternative und umweltfreundliche Energien entwickelt
werden: die Sonnenergie, die Erdwärme, die Wind- und Wasserkraft.

3) Die sogenannten Biotreibstoffe stellen keine Alternative dar, da sie die
Produktion für Brennstoffe über die Produktion von Lebensmitteln stellen.
Sie weiten die Agrarproduktion aus und zerstören dadurch die Wälder und die
Biodiversität. Sie lassen Monokulturen entstehen, begünstigen die
Landkonzentration in den Händen weniger, verschlechtern die Bodenqualität,
erschöpfen Wasserressourcen, treiben die Preise für Nahrungsmittel in die
Höhe und führen häufig zum Konsum von noch mehr Energie.

Zusagen einhalten

4) Die Industrienationen müssen ihre Verpflichtung zur Reduktion der
Treibhausemissionen um mindesten fünf Prozent unter das Niveau von 1990 bis
zum Jahr 2012 strikt einhalten. Es ist nicht akzeptabel, dass dieselben
Staaten, die in der Vergangenheit den Planeten verschmutzt haben, nun
Versprechen für noch mehr Reduktionen in der Zukunft abgeben, ohne sich an
ihre gegenwärtigen Verpflichtungen zu halten.

5) Die Industrienationen müssen neue Mindestverpflichtungen eingehen und
eine Reduktion der Treibhausgase um vierzig Prozent bis 2020 und um neunzig
Prozent bis 2050 anstreben, ausgehend vom Stand der Emissionen von 1990.
Diese Reduktion muss in den Staaten selbst umgesetzt werden und kann nicht
durch flexible Marktmechanismen wie mit dem Handel von Emissionszertifikaten
erreicht werden. Entsprechend müssen wir Systeme zur Kontrolle, Messung und
Dokumentation entwickeln, die transparent und für die Öffentlichkeit
zugänglich sind.

6) Jene Entwicklungsstaaten, die in der Vergangenheit nicht zur
Verschmutzung der Umwelt beigetragen haben, müssen ihren Raum auch weiter
schützen dürfen sowie eine alternative und nachhaltige Entwicklung umsetzen
können, die nicht die Fehler der wilden Industrialisierung wiederholt. Um
diesen Prozess zu unterstützen, sind diese Staaten unbedingt auf einen
Finanz- und Technologietransfer angewiesen.

Ökologische Schulden

7) Die Industrienationen müssen ihre historisch bedingten ökologischen
Schulden anerkennen und für die Entwicklungsstaaten einen «Integrierten
Finanzmechanismus» schaffen, der folgende Punkte unterstützt:
Sanierungspläne und Programme zur Reduktion der Emissionen wie auch der
Folgen des Klimawandels müssen umgesetzt werden; Technologien müssen
entwickelt und transferiert werden; auf Naturkatastrophen, die vom
Klimawandel ausgelöst sind, muss besser reagiert werden; nachhaltige und
umweltfreundliche Entwicklungspläne müssen realisiert werden.

8) Um tatsächlich wirksam sein zu können, muss dieser «Integrierte
Finanzmechanismus» auf finanzielle Zuwendung in der Höhe von mindestens
einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Industriestaaten zählen können.
Zudem muss er Beiträge erhalten aus Abgaben auf Erdöl und Erdgas, auf
Finanztransaktionen, auf Meeres- und Lufttransporte sowie auf die Profite
der transnationalen Konzerne.

9) Diese Beiträge der Industrienatio­nen müssen zusätzlich geleistet werden
und dürfen nicht Teil der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit,
bilateralen Förderung oder Hilfsleistungen von Organisationen sein. Jede
Form der finanziellen Hilfe außerhalb der Klimarahmenkonvention der Uno
(UNFCCC) kann nicht als Erfüllung der Verpflichtung der Staaten im Rahmen
der Konvention betrachtet werden.

10) Diese Geldmittel müssen direkt den Plänen oder nationalen Programmen der
einzelnen Staaten zugute kommen und dürfen nicht gemäß der Logik des Marktes
verteilt werden.

11) Die Geldmittel dürfen nicht nur an einige wenige Industriestaaten
verteilt werden, sondern müssen vor allem jenen Staaten zugute kommen, die
weniger Treibhausgase freisetzen, die die Natur erhalten und welche vor
allem unter den Folgen des Klimawandels zu leiden haben.

12) Der weitreichende finanzielle Mechanismus muss von der Uno verwaltet
werden und nicht vom Globalen Umweltfonds oder von anderen Finanzvermittlern
wie der Weltbank oder regionalen Entwicklungsbanken; die Leitung muss sich
kollektiv, transparent und unbürokratisch verhalten. Sämtliche
Entscheidungen müssen zudem gemeinsam von allen Mitgliedstaaten - besonders
den Entwicklungsländern - getroffen werden und nicht nur von den
Geberstaaten.

Technologietransfer

13) Sämtliche Innovation und technische Entwicklung im Bezug auf den
Klimawandel muss lizenzfrei sein und darf nicht unter einem privaten
monopolistischen Patentregime stehen.

14) Jedes Produkt aus öffentlich finanzierter Innovation und technischer
Entwicklung muss lizenzfrei und für alle Entwicklungsstaaten zugänglich
sein.

15) Das System der freiwilligen oder zwangsweisen Freigabe von bereits
bestehenden Lizenzen muss gefördert und verbessert werden, damit alle
Staaten gratis Zugang dazu haben. Industrienationen sollten ihre Patente und
Rechte an geistigem Eigentum nicht als etwas behandeln dürfen, das es mit
allen Mitteln zu verteidigen gilt.

16) Das Handeln und Denken in Harmonie mit der Natur, das die indigenen
Völker praktizieren, muss wieder belebt und gefördert werden, da es sich
über Jahrhunderte hinweg als sehr nachhaltig erwiesen hat.

Mithilfe von allen

17) Programme, Pläne und Aktionen zur Verringerung der Folgen des
Klimawandels sollen unter Mithilfe der lokalen Gemeinschaften und der
indigenen Völker gefördert werden. Das beste Mittel, den Herausforderungen
durch den Klimawandel zu begegnen, sind nicht Marktmechanismen, sondern der
Einsatz von motivierten und gut organisierten Menschen, die über eine
kulturelle Identität verfügen.

18) Die Reduktion der Emissionen, die durch Abholzung und Schädigung des
Waldes entstehen, muss auf einem Mechanismus der direkten Kompensation
zwischen den Entwicklungsländern basieren. Die lokalen Gemeinschaften müssen
daran beteiligt sein. Es braucht zudem transparente und öffentlich
zugängliche Mechanismen zur Kontrolle, Dokumentation und Verifizierung.

19) Wir brauchen eine weltweite Organisation für den Schutz der Umwelt und
des Klimas, der die weltweiten Handels- und Finanzorganisationen
untergeordnet sind. So wäre es möglich, umweltfreundliche und
lösungsorientierte alternative Modelle zu fördern. Diese Organisation muss
zudem über effiziente Methoden verfügen, durch die sie nachfassen,
verifizieren und sanktionieren kann, um sicherzustellen, dass heutige und
zukünftige Vereinbarungen auch eingehalten werden.

20) Es ist unabdingbar, die Welthandelsorganisation, die Weltbank, den
Internationalen Währungsfonds und das gesamte internationale
Wirtschaftssys­tem einer strukturellen Anpassung zu unterziehen. Nur so kann
in Zukunft ein fairer und sich ergänzender Handel garantiert werden. Und nur
so kann ohne Bedingungen eine nachhaltige Entwicklung finanziert werden, die
Verschwendung vermeidet.

Die Menschheit ist fähig, die Erde zu retten, aber nur, wenn wir uns auf die
Prinzipien der Solidarität und der ergänzenden Harmonie mit der Natur
besinnen - und uns lossagen von der Herrschaft des Wettbewerbs, des
Profitdenkens und des ungezügelten Konsums der natürlichen Ressourcen.
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Evo Morales

Juan Evo Morales Ayma ist seit Januar 2006 Präsident von Bolivien. Er ist
der erste Angehörige einer indigenen Bevölkerungsgruppe, der dieses Amt in
Bolivien bekleidet.

 

Sieben Kernaussagen zum Klimawandel

1. Durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, das Abholzen von Wäldern und weitere Aktivitäten setzt der Mensch große Mengen Treibhausgase frei. Die Konzentration von Kohlendioxid in der Luft ist von 280 ppm (0,028 Prozent, ppm heißt „parts per million“) in vorindustrieller Zeit auf heute mehr als 380 ppm angestiegen, den höchsten Wert seit mindestens 800.000 Jahren. Die Erdoberfläche wird dadurch einem massiven anthropogenen, „menschgemachten“, Treibhauseffekt ausgesetzt, der die globale Durchschnittstemperatur seit 1900 bereits um etwa 0,8 Grad Celsius erhöht hat.

2. Wirtschaftet die Menschheit weiter wie bisher, könnte sich das Erdklima bis zum Jahr 2100 um fünf Grad Celsius erwärmen. Das ist in etwa der Temperaturunterschied zwischen einer Eiszeit und einer Warmzeit. Aus der heutigen Warmzeit steuerten wir also auf eine „Heißzeit“ zu.

3. Durch die Erwärmung dehnt sich das Meerwasser aus und es strömt zusätzliches Schmelzwasser von Gletschern und Eisschilden in die Ozeane. Der Meeresspiegel ist im letzten Jahrhundert um 15 bis 20 Zentimeter angestiegen, in diesem Jahrhundert werden weitere 50 bis 150 Zentimeter erwartet. Die weitere Erwärmung könnte die Eisschilde auf Grönland und der Antarktis destabilisieren. In der Erdgeschichte stieg der Meeresspiegel pro Grad globaler Erwärmung um 10 bis 15 Meter an. Wie schnell das geschah, ist derzeit aber noch unklar.

4. Der anthropogene Treibhauseffekt könnte das Klimasystem der Erde über kritische Grenzen hinaus belasten, sodass wichtige Prozesse im Gesamtgefüge „kippen“ und von da an grundsätzlich anders ablaufen. Das würde das Klima ganzer Subkontinente und Meeresbecken verändern und könnte etwa das arktische Meereis und Himalaja-Gletscher abschmelzen lassen oder den Amazonasregenwald schädigen. Auch ein sich selbst verstärkender Treibhauseffekt kann nicht ausgeschlossen werden, falls das Klimasystem aufgrund der Erwärmung beginnt Treibhausgase freizusetzen.

5. Gelingt es, die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, ließen sich nach heutigem Stand der Forschung die gefährlichsten Folgen des Klimawandels abwenden. Dazu müsste die Konzentration aller Treibhausgase langfristig so niedrig gehalten werden, dass ihre Wirkung die von 450 ppm Kohlendioxid nicht überschreitet. Um das Zwei-Grad-Ziel erreichen zu können, muss der Treibhausgasausstoß weltweit bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts auf etwa die Hälfte des Niveaus von 1990 gesenkt werden.

6. Die notwendigen Maßnahmen zum Erreichen des Zwei-Grad-Ziels würden die globale Wirtschaftsleistung bis 2100 um insgesamt etwa ein Prozent verringern. Voraussetzung ist, dass technologische und institutionelle Innovationspotenziale voll ausgeschöpft werden. Bei einer durchschnittlichen wirtschaftlichen Wachstumsrate von drei Prozent wäre die Verzögerung des Wirtschaftswachstums am Ende des Jahrhunderts in etwa vier Monaten ausgeglichen.

7. Die Anpassung an den Klimawandel und die Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad Celsius erfordern eine „Große Transformation“ der globalen Wirtschaft, die auch das Stadt- und Landleben neu definiert.

by Patrick Eickemeier —Jun 24, 2008

Interessantes zum Download:

Klimaforscher stellen „Kopenhagen‐Diagnose“

http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1015222&_z=859070

 

Kurzdarstellung

Die bedeutensten Forschungsergebnisse, die den aktuellen Klimawandel betreffen, sind:

http://www.bi-bigben.de/pdf/copenhagen_diagnosis.pdf