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  • Atommüll-Endlagersuche vom Kopf auf die Füße stellen mehr...
  • Abschalten sofort! denn: mehr...
  • Längere Laufzeiten für die AKWs in Krümmel und Brunsbüttel? mehr...

Atommüll-Endlagersuche vom Kopf auf die Füße stellen

Hamburg, 28. März 2014

Wohin mit dem Atommüll aus Ahaus und Jülich und dem Uranmüll, der großen Mengen bei der Urananreicherung in Gronau entsteht? Eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Diskussion um den zukünftigen Umgang mit Atommüll muss endlich vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Im April soll im Standortauswahlgesetz festgeschriebene „Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe“ ihre Arbeit aufnehmen.  Ein erste Bestandsaufnahme von Hubertus Zdebel

Im Juni 2013 ist das „Gesetz zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle“ (Standortauswahlgesetz – StandAG) von einer ganz großen Koalition aus CDU/CSU, SPD, Grünen und FDP verabschiedet worden.

Das Gesetz soll einen Neuanfang bei der Regelung der Verwahrung von Wärme entwickelndem Atommüll initiieren, nachdem die Endlagerstrategie der letzten Jahrzehnte gescheitert ist. Laut Gesetz ist es Ziel des bis zum Jahr 2031 terminierten Standortauswahlverfahrens, in einem wissenschaftsbasierten und transparenten Verfahren für die im Inland verursachten, insbesondere hoch radioaktiven Abfälle den Standort für eine Anlage zur Endlagerung nach § 9a Absatz 3 Satz 1 des Atomgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland zu finden, der die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren gewährleistet.

DIE LINKE hat als einzige Fraktion das Standortauswahlgesetz abgelehnt, weil das Gesetz den postulierten Zielen nicht gerecht wird: Das Gesetz wurde erarbeitet, ohne die Ergebnisse aus den Untersuchungsausschüssen zur Asse und zu Gorleben und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen wie den Verzicht auf Gorleben als Standort in einem künftigen Verfahren zur Kenntnis zu nehmen. Eine juristische und wissenschaftliche Aufarbeitung der bislang fehlgeschlagenen Endlagerstrategie der vergangenen Jahrzehnte fand nicht statt. Das Gesetz legt sich außerdem bereits auf die geologische Tiefenlagerung zur Verwahrung hochradioaktiven Atommülls fest, ohne dass über alternative Konzepte eine gesellschaftliche Debatte geführt worden wäre. Nebenverabredungen wie die Regelung künftiger Castor-Transporte, die erhebliche Konsequenzen für die Standortregionen haben, erfordern gleichsam eine Debatte und können nicht ad hoc getroffen werden. Im Gesetz sind ferner bezüglich der Finanzierung der dauerhaften Atommüllfolgekosten nach wie vor die Rückstellungen der AKW-Betreiber (circa 30 Milliarden Euro) nicht vor Konkurs gesichert.

Folgerichtig fordert DIE LINKE, die Fehler der Vergangenheit bei der bisherigen Suche nach einem Verwahrungsort für radioaktive Abfälle zu analysieren und aufzuarbeiten sowie die Form der dauerhaften Verwahrung für alle Arten von radioaktivem Müll – rückholbar und oberflächennah, bergbar oder nicht mehr erreichbar in tiefen geologischen Formationen – bundesweit völlig neu und ergebnisoffen zu diskutieren und diese Frage vor einer Standortsuche zu klären.  Ferner fordern wir die Vorlage eines  neuen Gesetzes, das die Überführung der Entsorgungsrücklagen der Energiekonzerne in einen öffentlich-rechtlichen Fonds regelt, um das Geld vor Spekulation zu schützen und für dauerhafte Atommüllfolgekosten zu sichern. Ein entsprechender Entschließungsantrag unserer Fraktion wurde von CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen abgelehnt.

Die Bund-Länder-Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe

Wie berechtigt unsere Kritik an dem Standortauswahlgesetz ist, zeigt sich schon jetzt bei der Einsetzung der gesetzlich geregelten Bund-Länder -„Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe”, die ihre Arbeit eigentlich schon längst hätte aufnehmen sollen. Diese Kommission hat insbesondere bis zum 31.12.2015, spätestens 30.6.2016 einen Bericht vorzulegen, in dem sie die für das Auswahlverfahren relevanten Grundsatzfragen für die Entsorgung radioaktiver Abfälle untersucht und bewertet, sowie Vorschläge für die Entscheidungsgrundlagen und eine entsprechende Handlungsempfehlung für den Bundestag und den Bundesrat erarbeitet. Die Kommission besteht neben Mitgliedern des Bundestags und den Landesregierungen sowie der/ des Kommissionsvorsitzenden aus VertreterInnen aus der Wissenschaft, ferner VertreterInnen von Umweltverbänden, Religionsgemeinschaften, aus der Wirtschaft und der Gewerkschaften.

DIE LINKE. begrüßt zwar grundsätzlich die Idee zur Einsetzung einer unabhängigen Kommission zu Endlagerfragen. Allerdings hatten wir nicht die Vorstellung, dass diese Kommission – wie jetzt vorgesehen – Empfehlungen zur Evaluierung eines bereits sehr detaillierten Gesetzes macht, sondern vielmehr vorgeschlagen, dass eine solche Kommission im Vorfeld eines Gesetzes Empfehlungen zu wichtigen Grundfragen des Verfahrens erarbeitet.

Schon während der Beratungen des Standortauswahlgesetzes wurde insbesondere von der Anti-AKW-Bewegung und den Umweltverbänden die Befürchtung geäußert, die Bund-Länder-Kommission zur Lagerung hochradioaktiver Abfallstoffe könne zu einer reinen Alibiveranstaltung zur Pseudobeteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, Verbänden und Initiativen werden. Zu eindeutig waren und sind die Erfahrungen mit der von den Regierungen unterschiedlicher Couleur an den Tag gelegten „Vogel friss oder stirb Haltung“.

Konsequenterweise haben die Umweltverbände und Anti-AKW-Initiativen Ende Dezember 2013 mitgeteilt, dass sie die ihnen zustehenden Plätze in der Kommission nicht einnehmen wollen, und Bedingungen für die Teilnahme formuliert.

Kommisionsbesetzung unakzeptabel

Insbesondere kritisieren die Verbände zu Recht die völlig inakzeptable Besetzung der Kommission. (https://www.ausgestrahlt.de/presse/artikel/7d09f0b541/atommuell-kommission-liste-der-acht.html).

Bereits direkt nach der Verabschiedung des Standortauswahlgesetzes im Juni 2013 hatte der Kungel zwischen CDU/CSU, FDP, SPD und Grünen zur Benennung insbesondere der WissenschaftlerInnen in der Kommission eingesetzt.  Im August 2013 hatten sich die beteiligten vier Fraktionen auf einen Wahlvorschlag verständigt, der bis heute unverändert im Raum steht, obwohl es zwischenzeitlich Bundestagswahlen mit neuen politischen Mehrheiten gegeben hat und die FDP, die den Kommissionsbesetzungs-Vorschlag mit ausgeheckt hatte, gar nicht mehr im Bundestag vertreten ist.

Kommissionsvorsitzende soll Ursula Heinen-Esser (CDU) werden. Die frühere Umwelt-Staatssekretärin steht aber für eine Politik, die in der Kommission auf den Prüfstand gestellt werden soll. Sie hat als Staatssekretärin im Umweltministerium das Gesetz mit erarbeitet und als Bundestagsabgeordnete das Gesetz mit verabschiedet, das durch die Kommission evaluiert werden soll. Sie wäre also genau das Gegenteil einer unabhängigen und unparteilichen Vorsitzenden der Atommüll-Kommission.

Interessant ist ferner, dass der BDI neben Ralf Güldner, den Präsidenten des Deutschen Atomforums, auch das ehemalige RWE-Vorstandsmitglied Gerd Jäger nominiert hat. Jäger ist Mitglied des “Board of Directors” von URENCO, die unter anderem die Urananreicherungsanlage in Gronau betreibt (http://www.urenco.com/custom/357/corporate-governance/index.aspx?sectionid=16).

Vertrauensbildende Zugeständnisse sehen anders aus

Pünktlich zum Beginn der Atommüll-Tagung von Anti-AKW-Bewegung und Umweltverbänden am Freitag und Samstag in Berlin (Internet-Link: www.contratom.de/2014/02/26/tagung-in-berlin-atommull-ohne-ende-auf-der-suche-nach-einem-besseren-umgang/), wo die AktivistInnen über eine Teilnahme an der Atommüll-Kommission beraten, versucht sich die Bundesregierung doch noch an einem Zugeständnis an die Verbände und zieht ihre Klage gegen die Aufhebung des Rahmenbetriebsplans für die Erkundung des Salzstocks Gorleben zurück. Ein Rahmenbetriebsplan sei erst erforderlich, „wenn man tatsächlich ein End- oder Zwischenlager einrichten will“, so Bundesumweltministerin Hendricks. Dies sei für Gorleben genauso wenig der Fall wie für irgendeinen anderen denkbaren Standort für ein Atommüll-Endlager. Wie lange diese Einsicht hält, wird sich zeigen.

Mein Eindruck ist jedenfalls, dass sich CDU/CSU, SPD und Grüne keineswegs auf einen neuen Prozess der Endlagersuche einlassen wollen. So soll nach ihrem Willen auf keinen Fall an dem Gesetz gerüttelt werden, dessen Schwächen sich schon jetzt deutlich manifestieren. Auch ist bisher bei den anderen Fraktionen keine wirkliche Bereitschaft erkennbar, die Besetzung der Kommission aufzumachen.

Ich teile die Kritik der Anti-AKW Gruppen und Umweltverbände am Standortauswahlgesetz und an der Kommission. Es ist deshalb mehr als verständlich und nachvollziehbar, wenn sich die auf außerparlamentarische Arbeit ausgerichteten Initiativen und Verbände unter den gegebenen Umständen nicht an dieser Kommission beteiligen wollen. Gerade die Umweltverbände und die Anti-AKW-Bewegung haben die Risiken von Atomanlagen aufgedeckt und es war ihr Widerstand, der in Deutschland für höhere Sicherheitsstandards gesorgt hat. Ein Verfahren zur Endlagersuche, dessen Ergebnisse vertrauenswürdig sein müssen, muss die Umweltverbände und Anti-AKW-Bewegung gleichberechtigt beteiligen.

Vor der Entscheidung im Bundestag liegt zeitlich die Atommüll-Tagung am kommenden Wochenende in Berlin. Ich freue mich sehr, mich dort gemeinsam mit AktivistInnen aus ganz Deutschland über die nächsten Schritte für eine wirklich breite gesellschaftliche Debatte zum Umgang mit dem Atommüll austauschen zu können.”

Hubertus Zdebel, MdB DIE LINKE

 

Abschalten sofort! – denn:

AKWs Krümmel und Brunsbüttel bedrohen die Sicherheit der HamburgerInnen!

 

Die Wahrheit über die Störfälle in Krümmel und Brunsbüttel kommen wieder einmal nur scheibchenweise an die Öffentlichkeit. Vattenfall gibt wieder einmal nur das zu, was dem Konzern bereits nachgewiesen wurde.

Die Propagandaoffensive Vattenfalls und die Entlassung des Managers Bruno Thomauske kann nicht darüber hinweg täuschen, dass diese und weitere Atomkraftwerke eine dauerhafte Bedrohung von Leben und Gesundheit der Menschen in Hamburg darstellen. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW weist in einem Artikel vom 16.7.07 (www.ippnw.de/article/070716_Vattenfall.html) darauf hin, dass in Krümmel eine Reihe von technischen Fehlern und Versäumnissen es der Atomaufsicht in Kiel und Berlin ermöglicht„den Entzug der Betriebsgenehmigung und die Stilllegung dieses gefährlichen Kraftwerks gerichtsfest zu begründen“.

Was fehlt ist der ernsthafte politische Wille bei den zuständigen Ministern Trauernicht (SPD) und Gabriel (SPD).

Bereits am 4.7.07 wies der IPPNW (www.ippnw.de/article/gefaehrliche_Fehlkonstruktion.html)

darauf hin, dass gefährliche Fehlkonstruktionen in 12 deutschen AKWs im Falle von Bränden zum Super-GAU führen können. Zu diesen Atomkraftwerke gehören auch Brunsbüttel, Krümmel und Brokdorf.

Das völlig ungelöste Problem der Endlagerung des strahlenden und hochgiftigen Atommülls über 100.000e von Jahren kommt hinzu, findet aber zur Zeit in den Medien kaum Beachtung.

Gründe genug also für die sofortige Abschaltung. Angesichts der beträchtlichen Überkapazitäten in der Stromproduktion in Norddeutschland bestünde keinesfalls die Gefahr, dass deshalb irgendwo auch nur ein Licht ausgeht.

Es gibt nur einen Grund für den Weiterbetrieb: Vattenfall will mit den Schrottreaktoren weitere große Extraprofite einfahren.

Die zuständigen Minister in Landes- und Bundesregierung sind offenkundig nicht geneigt, diesem Wunsch ernstlich entgegenzutreten.

Die gewaltig Macht der vier großen Energiekonzerne (Vattenfall, E.on, RWE, EnBW) konnte nur entstehen, weil in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts in großem Umfang öffentliche Energieversorger privatisiert wurden. In Hamburg wurde der Verkauf der Hamburgischen Elektrizitätswerke (HEW) von mehreren SPD-Senaten vorangetrieben, zuletzt auch unter Beteiligung der GAL, und von Ole von Beusts CDU-Senat exekutiert. Damit wurde der Stadt ein wirkungsvolles Instrument zur Entwicklung einer sicheren, klimafreundlichen und kostengünstigen Energieversorung aus der Hand geschlagen. Beide Parteien haben übrigens aus ihren Fehlern nichts gelernt. Sie betreiben heute u. a. den Verkauf der Deutschen Bahn. Der Bürgermeister hat inzwischen den Verkauf der HEW als Fehler bezeichnet; Radke/Bischoff weisen in ihrem Artikel vom 13.7. („Der Senat räumt Fehler ein – und macht weiter wie bisher“)zu Recht darauf hin, dass ein solches Eingeständnis völlig folgenlos ist, solange die Politik der Privatisierung öffentlichen Eigentums nicht gestoppt und die Rekommunalisierung der Energieversorgung nicht auf die Tagesordnung gesetzt wird.

Die Energiekonzerne mißbrauchen zugleich ihre Macht, indem sie in Moorburg und an ca. 40 anderen Standorten in Deutschland neue Kohlekraftwerke planen, deren CO2-Emissionen alle Klimaschutzbemühungen konterkarieren würden. In Hamburg würden die CO2-Emissionen um 8 Mio. Tonnen steigen; das entspricht etwa 40% der gegenwärtigen Emissionen Hamburgs.

Deshalb müssen die beiden Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. Die Stromnetze sind in kommunales Eigentum zu überführen.  Die vier großen Energiekonzerne sind zu vergesellschaften und ihre Teile ebenfalls in Eigentum von Kommunen und Kreisen zu überführen (siehe auch den o. g. Artikel v.Radke/Bischoff).

Vom Hamburger Senat ist zu fordern, dass er auch gegenüber der Schleswig-Holsteinischen Landesregierung und der Bundesregierung energisch für die Stilllegung der Atomkraftwerke im Hamburger Umland eintritt.

Die Hamburger BürgerInnen können Vattenfall die rote Karte zeigen, indem sie sich entscheiden, keinen Atom- und Kohlestrom mehr zu kaufen, sondern ihren Strom von Anbietern beziehen, die nur Strom aus regenerativen Quellen (Wind, Sonne, Wasserkraft, Biogas, Biomasse, Erdwärme usw.) anbieten. Umweltverbände empfehlen insbesondere die Naturstrom AG, die Energiewerke Schönau und Greenpeace Energy.

Wäre Ole von Beusts Sorge um das Klimas ernst gemeint, hätte er längst die Hamburger Behörden und in öffentlichem Eigentum befindlichen Unternehmen veranlaßt, ebenfalls von Vattenfall zu einem Lieferanten von regenerativem Strom zu wechseln. Damit könnte der Senat durchaus Druck auf Vattenfall ausüben und zugleich für die HamburgerInnen ein Zeichen setzen.

 

Längere Laufzeiten für die AKWs in Krümmel und Brunsbüttel? oder Wie die Atomkraft das Klima retten und die Strompreise senken soll

Längere Laufzeiten für die AKWs in Krümmel und Brunsbüttel?

oder

Wie die Atomkraft das Klima retten und die Strompreise senken soll

 

Es gibt “in der jetzigen Phase keine ökologischere und sozial verträglichere Energieform als die Kernenergie“ (Markus Söder, bayerischer Europaminister)

 

„Atomkraft ist weithin anerkannt für ihren Nutzen bei der Bekämpfung der fossilien Verschmutzung und dafür, dass sie nahezu keine Treibhausgasemissionen produziert“ (Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender  E.ON)

 

Nachdem das Ende der Atomkraft in Deutschland nur noch eine Frage der Zeiträume zu sein schien, überschlagen sich Politiker, Manager und Mainstreammedien beim Hochjubeln der Atomkraft als Klimaretter, Garanten niedriger Energiepreise und sicherer Energieversorgung – und als besonders risikoarm, versteht sich, denn die deutschen AKWs sind die sichersten der Welt.

 

Was ist von den Argumenten im einzelnen zu halten?

 

„Kernkraftwerke sind CO2-frei“ (Wulf Bernotat)

 

Die Erzeugung von Strom im Reaktor setzt in der Tat kaum CO2 frei. Der Uranabbau und die Herstellung der Brennstäbe erfordern jedoch viel Energie, ebenso der Kraftwerksbau. Eine Studie des Öko-Instituts Darmstadt, die den gesamten Prozess bis zur Stromerzeugung berücksichtigt, kommt zu dem Ergebnis, dass die Produktion von Atomstrom pro Kilowattstunde 32 – 65 Gramm CO2 freisetzt, je nach Herkunft des Urans. Das ist deutlich weniger als bei Kohle, aber deutlich mehr als ein Wind-park (22-23 g/KWh) oder etwa ein Holzkraftwerk (10g/KWh). Die für den Abbau der AKWs, die Lagerung des Atommülls und evtl. die Renaturierung erforderliche Energie wurde dabei noch nicht einmal berücksichtigt). Deshalb ist Andreas Troge zuzustimmen, dem Präsidenten des Umweltbundes-amtes, der zusammenfassend feststellte: „Sieht man die gesamte Prozesskette bei der Kernkraft an, also Herstellung, Aufbereitung, Verwahrung, Betrieb und Transporte, dann hat auch die Atomenergie einen beachtlichen Kohlendioxidausstoß“ (Berliner Zeitung 31.7.05).

 

Die von den Energiekonzernen geäußerte Sorge um die Folgen des Klimawandels ist zudem heuchlerisch, denn die Braun- und Steinkohleverstromung verursacht etwa 50% der deutschen CO2-Emissionen. RWE, Vattenfall, E.On und EnBW wollen 25 neue Kohlekraftwerke bauen, deren Emissionen alle CO2-Reduktionen in anderen Bereichen konterkarieren würden. Sie behindern zudem massiv und systematisch die Einspeisung von Energie aus regenerativen Quellen, namentlich von Windenergie, indem sie trotz reichlicher Profite nicht für den notwendigen Aus- und Umbau der Netze sorgen.

 

 

„Atomkraft ist kostengünstig und deshalb sozial“

 

Die Entwicklung und Einführung der Atomkraft wurde bereits in der Vergangenheit mit vielen Milliarden subvertioniert worden. Das ist auch heute noch so: Allein für das aktuelle Programm von EURATOM stehen über 3 Mrd. Euro zur Verfügung.

Wären die Atomkraftwerke so versichert, wie es für jedes Auto gesetzlich vorgeschrieben ist, wäre Atomstrom nicht mehr konkurrenzfähig, denn die Absicherung der möglichen finanziellen Risiken wäre viel zu teuer . Die Konzerne müssen zwar für „Schadensfälle“ Rückstellungen machen, diese sind aber steuerfrei – Steuerausfälle 800 Mio. jährlich – und sie können genutzt werden, um z. B. andere Unternehmen aufzukaufen.

 

Atomstrom ist also hoch subventioniert. Wäre ein nennenswerter Teil der Subventionen für die Atomindustrie in den letzten 20 Jahren für Verbesserung der Energieeffizienz und die Entwicklung und Einführung regenerativer Energie ausgegeben worden, dann könnte sich Deutschland vielleicht mit Recht als Vorreiter im Klimaschutz bezeichnen.

 

 

„Atomenergie erhöht die Sicherheit der Energieversorgung“

 

Die AKWs in Brunsbüttel und Krümmel stehen nach den Pannen im Juni 2007 seit über einem Jahr still; von zuverlässigem Betrieb kann also nicht die Rede sein.. Zudem ist auch das Uran endlich. Seit Ende der 90er Jahre übersteigt der Verbrauch die Förderung. Bei heutigem Verbrauch reichten die Lagerstätten noch für maximal 60 Jahre. Würde die Atomkraft noch ausgebaut, wären die Reserven entsprechend schneller verbraucht. Wie beim Öl steigen schon jetzt die Preise für den knapper werdenden Rohstoff

 

 

„Deutsche AKWs sind sicher“

 

Vor zwei Jahren war das schwedische AKW Forsmark (Vattenfall) nur wenige Minuten von einer Kernschmelze entfernt, die zu einem GAU geführt hätte. Im AKW Brunsbüttel wurden ähnliche Bauelemente verwendet wie die, deren Versagen in Forsmark zu einem zeitweiligen Ausfall der Notstromversorgung und damit fast zur Katastrophe geführt hätten.

Ein Unfall mit radioaktiver Verseuchung hätte dramatische Folgen für Millionen Menschen. Das gilt in besonderem Maße für ein dicht besiedeltes Land wie unseres.

 

Der Betrieb von AKWs erleichtert immer auch den Zugang zu Atomwaffen.

 

Auch der Normalbetrieb führt zu großen gesundheitlichen Belastungen der Bevölkerung. 2007 wies die von Bundesamt für Strahlenschutz in Auftrag gegebene Kinderkrebsstudie nach, dass Kleinkinder um so häufiger an Krebs erkranken, je näher sie an einem  AKW wohnen.

 

Völlig ungeklärt ist nach wie vor die sichere Endlagerung („Entsorgung“) des hochradioaktiven Atommülls. Der Eintritt von Salzlauge in das Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Salzbergwerk Asse macht deutlich, dass es für die Endlagerung bis heute kein sicheres Konzept gibt und der Atommüll eine riesige Gefahrenquelle bildet. Die regelmäßigen Castor-Transporte vergrößern die Gefahr von Unfällen mit Verstrahlungen und Vergiftungen. Atomenergie bleibt eine Hochrisikotechnologie.

Wenn die Hersteller von Atomkraftwerken (Siemens/Framatom) und die Betreiber (RWE, Vattenfall, E.ON, EnBW) dennoch ihren ganzen wirtschaftlichen und politischen Einfluss einsetzen, um Laufzeitverlängerungen und den Bau neuer AKWs durchzusetzen, so ist das vorrangig mit den drei bis sechs Milliarden Gewinn zu begründen, welche die alten, abgeschriebenen Reaktoren jedes Jahr an Reingewinn abwerfen.

 

Investitionen in bestehende oder gar neue AKWs (wie auch in neue Kohlekraftwerke) verhindert zugleich den raschen Ausbau regenerativer Energie und auch die Investitionen in die Senkung des Energieverbrauchs, weil sie gewaltige finanzielle Mittel für lange Zeit binden.

 

Die Senkung des Energieverbrauchs ist das volkswirtschaftlich mit Abstand effizienteste Mittel gegen den Klimawandel. Zusammen mit der verstärkten Einführung regenerativer Energie aus flexiblen dezentralen Anlagen bildet sie ein wirksames Mittel zur Senkung der CO2-Emissionen, und zur Reduktion der Importabhängigkeit. Zugleich würde diese Strategie die Abhängigkeit von den vier großen Energiekonzernen verringern und deren Profite beschneiden. Dagegen wehren sie sich mit allen Mittel.

 

Gilbert Siegler