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Protest gegen das Hamburger Matthiae-Mahl

Datum: 28.02.2009
Quelle: de.indymedia.org/2009/02/242867.shtml


Jährlich findet im Hamburger Rathaus das sogenannte Matthiae-Mahl statt, das älteste Festbankett der Welt. Um die 400 wohlhabende Bürger speisen und trinken für EUR 120.000,-, wie die LINKE auf eine Anfrage erfahren hat. Der Senat ist nicht bereit, diese feudal hanseatische Tradition zum Wohle der Ärmeren in unserer Stadt aufzugeben. Im Gegenteil: er hält an seinen Privilegien fest und verkündete, dass dies doch nur 6 Cent pro Hamburger Bürger und Bürgerin seien. Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat die LINKE eine kreative Straßenaktion veranstaltet: Wohlhabende Hamburger sammelten für den Erhalt des Matthiae-Mahls. Mit Sprüchen wie "Haben Sie ein Herz für Reiche!", "wir brauchen nur EUR 111.750,- oder "Wir tun doch was! Was soll der Neid? Ein leerer Magen regiert nicht gern" zogen Sie durch Hamburgs City. Konfrontiert von einem Mitglied der LINKEN wurde die reiche Gesellschaft Hamburgs vorgeführt.

Was ist das für eine Tradition, die in diesem Jahr am 27. Februar 2009 stattgefunden hat? Historisch war dies der Tag des Frühlingsbeginns und der Termin für den Dienstbotenwechsel. Und während die Hamburger Reichen im Mittelalter ihre Dienstboten wechselten, wurden im Senat die Aufgaben neu verteilt und aus ihrer Mitte neue Bürgermeister gewählt. Das wurde kräftig gefeiert. Traditionell sprechen ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast zu den Gästen. In diesem Jahr waren es der polnische Ministerpräsident, Donald Tusk sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Und weil es das älteste und das traditionellste ist, findet es Jahr für Jahr seit 653 Jahren im Hamburger Rathaus statt. Eingeladen werden um die 400 Personen aus Politik, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, 200 davon aus dem Konsulatscorps. Zu Klängen von Telemanns „Tafelmusik“ gibt es ein 4-Gänge-Menü, hergestellt von über 20 Köchen, serviert von 130 Kellnern, Ratsdienern und Auszubildenden des Hotelfachgewerbes. Die Kosten dieser traditionellen mittelalterlichen Glammer-Einrichtung belaufen sich auf EUR 111.750,- plus X wie der Senat auf eine Anfrage der LINKEN nunmehr mitteilte. Für die EUR 280,-, die jede Person im Rathaus verspeist und vertrinkt, könnten auf dem Rathausplatz 4.000 arme Hamburgerinnen und Hamburger für EUR 28,- ein Mahl bekommen, oder es könnten 7.450 Kinder eine Woche lang in den Kindergärten umsonst essen. Oder, oder, oder.

Das Matthiae-Mahl hat keinen politischen Nutzen. Ein Thema gibt es erst seit ein paar Jahren. Diese alte hanseatische Tradition, hat nur den Nutzen darin, dass sich dort die Hamburger Elite und die, die dazugehören möchte, trifft und es sich gut gehen lassen..

Zum Matthiae-Mahl gab es bisher kaum Proteste. Diese hanseatisch kaufmännische Tradition ist sehr zurückhaltend und auch die Presse berichtet wenig und nur wohlwollend, da die Journalisten genau ausgesucht werden. Aus der Presse ist zu erfahren, wer dabei war, was auf dem Speisesplan stand usw. Die Warteliste für dieses Mahl ist lang, alle, die sich zur Hamburger Elite zählen, möchten einmal im Leben an diesem Mahl teilnehmen. Von CDU über FDP, SPD und die Grünen nehmen nehmen sie alle unkritisch teil. Einzig die GAL in ihren Anfängen hat vor 25 Jahren den Antrag gestellt, aus Kostengründen auf dieses Mahl zu verzichten.

Aber so einfach ist das nicht. Die Antwort des Senats lautete schon damals: „… Der Senat hält die Durchführung der Matthiae-Mahlzeit (…) in Anbetracht hamburgischer Tradition für unverzichtbar. „

Vor 2 Wochen, also 25 Jahre später, hat nun Christiane Schneider aus der Fraktion der LINKEN erneut dem Senat den Vorschlag unterbreitet, aufgrund der Wirtschaftskrise auf das Mahl zu verzichten, um die Hamburger Bürger und Bürgerinnen zu entlasten. Die Antwort des Senats ist wirklich frech: Sie lautet: „Nein, der Senat hat eine theoretische Entlastung der Hamburger Bürgerinnen und Bürger um durchschnittlich 6 Cent pro Jahr bisher nicht erwogen“.

Das Matthiae-Mahl verschlingt nicht Millionen wie der Bau der Hamburger Elbphilharmonie. Aber: eine derartige Argumentation bzw. Umrechnung und damit Klein-rechnung und Verniedlichung von EUR 111.750,- auf 6 Cent, zeigt, dass der Senat und die Gäste an einer Abschaffung ihrer Privilegien zur Unterstützung der sozial Benachteiligten nicht bereit sind.

Brechen wir diese Tradition! Sie hat lang genug gedauert!