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Pressemitteilung der Volksfront für die Befreiung Palästinas

Artikel von Scharf-Links   www.scharf-links.de

Übersetzt und eingeleitet von* Rosso:

Das Politbüro der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), das heißt der mit Abstand größten Organisation der palästinensischen Linken (4,3% der Stimmen und drei Abgeordnete bei den Parlamentswahlen im Januar 2006) gab am Neujahrstag zum israelischen Gaza-Feldzug die folgende Erklärung heraus. Die hier erstmals  veröffentlichte deutsche Fassung wurde auf der Grundlage der italienischen Übersetzung erarbeitet, die am 2.1.2009 im unabhängigen, linksradikalen, italienischen Internetportal "Il Pane e le Rose" erschien.


Kommunique der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP)

Am sechsten Tag infolge geht die verbrecherische zionistische Aggression  gegen die Bevölkerung von Gaza weiter. Jenseits der politischen Spaltung zwischen Hamas und Fatah sind wir der Auffassung, dass diese israelische Aggression gegen das gesamte palästinensische Volk gerichtet ist und dies Anlass zu einer dringenden palästinensischen Reflektion über einige Tatsachen ist:

- Die Aggression in Gaza bildet in der Region des Mittleren Ostens den x'ten Akt der Auseinandersetzung zwischen zwei Projekten: dem Projekt der arabischen nationalen Befreiung und dem anderen Projekt, das mit der israelisch-amerikanischen Politik verbunden ist, die darauf abzielt das sich konstituierende nationale Befreiungsprojekt vor allem in Palästina, dem Libanon und Irak zu treffen. Dies erfordert die maximale Aufmerksamkeit aller Seiten und insbesondere von Fatah und Hamas, um der zionistischen Aggression und ihren künftigen Konsequenzen in der Palästinafrage zu begegnen.
- Die zweite, mittlerweile für alle klare und deutliche Tatsache ist, dass einige arabische und palästinensische Kreise integraler Bestandteil des feindlichen israelisch-amerikanischen Projektes sind, sich dem Befreiungsprojekt ganz offen widersetzen und gegen den palästinensischen Widerstand sowie das legitime Recht auf bewaffneten Widerstand zu Felde ziehen, wie man an den Erklärungen der ägyptischen Führer erkennt, die die Verantwortung für die Aggression dem palästinensischen Widerstand anlasten.
- Die Position der Palästinensischen Autonomiebehörde unterscheidet sich nicht von der arabischen Position, die eine Mitschuld an der israelischen Aggression in Gaza trägt. Dies geht aus den Erklärungen einiger Vertreter der Autonomiebehörde klar hervor.
- Dem palästinensischen Widerstand die Verantwortung für die Aggression anzulasten, weil er die Waffenruhe nicht verlängert hat, ist falsch und ungerecht, weil die Waffenruhe sechs Monate lang respektiert wurde, obwohl Israel sie in diesem Zeitraum mindestens 117 mal verletzt und die vereinbarten Bedingungen nicht eingehalten hat, das heißt insbesondere die Öffnung der Grenzübergänge und die Ausdehnung der Waffenruhe auf das Westjordanland. Israel will eine Waffenruhe nur vonseiten der Palästinenser, um in Gaza genau wie im Westjordanland freie Hand zu haben.
- Die Möglichkeit der Öffnung des Grenzübergangs Rafah infolge des wachsenden Drucks der Massen und der Bruch des Embargos bevor es den Willen des palästinensischen Volkes brechen und die Kapitulation des Widerstandes erreichen konnte, hat eine brutale Attacke ausgelöst, um die Sache, unter dem Druck des in Israel stattfindenden Wahlkampfes, der den Wettstreit nährt, wer unter den führenden Politikern im Verhältnis zu den Palästinensern der brutalste ist, zu beschleunigen.

Angesichts dieses Szenarios und um dem israelisch-amerikanischen Projekt zu begegnen, ist notwendig:

- Die Rückkehr an den innerpalästinensischen Verhandlungstisch, um die nationale Einheit zu konkretisieren.
- Eine gemeinsame Widerstandsfront zu bilden.
- Jede Art von Verhandlungen zwischen der Autonomiebehörde und dem israelischen Feind nicht einzufrieren, sondern zu stoppen.
- Jede Art von Kampagne aus Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen zwischen Autonomiebehörde und Hamas einzustellen, um den Prozess der Aussöhnung und der Konsolidierung der nationalen Einheit zu beginnen.
- Zu bekräftigen, dass die PLO - auf der Grundlage ihrer Neukonstituierung auf demokratischen Grundlagen - die einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes ist.
- Auf die Einberufung eines Gipfeltreffens der Arabischen Liga zu bestehen, um die Aggression zu stoppen und die arabischen Staaten aufzufordern, den so genannten "Friedensplan der Arabischen Liga" zurückzuziehen, unter anderem weil Israel niemals anerkannt wurde.

Schließlich und endlich grüßen wir mit dem größten Respekt alle arabischen Völker und die internationalistischen Kräfte, die ihre Solidarität mit dem palästinensischen Volk demonstriert haben.

1.1.2009

Das Politbüro der Volksfront für die Befreiung Palästinas


Vorbemerkung, Übersetzung und Einfügungen in eckigen Klammern:   * Rosso

Der Name * Rosso steht für ein Mitglied des Gewerkschaftsforums Hannover und der ehemaligen Antifa-AG der Uni Hannover, die sich nach mehr als 17jähriger Arbeit Ende Oktober 2006 aufgelöst hat (siehe: http://www.freewebtown.com/antifauni/ Rubrik "Aktuelles" bzw. die regelmäßig erneuerten Artikel, Übersetzungen und Interviews dort).
Hinweise, Kritik, Lob oder Anfragen per Mail an: negroamaro@mymail.ch