Zurück zur Startseite

Klimacamp und Antirassistisches Aktionscamp in Hamburg

Die Mobilisierung und die Vorbereitungen für das Doppelcamp laufen auf Hochtouren. Hamburger Bezirkspolitiker verbieten den Aktivisten, ihre Zelte in Entenwerder aufzuschlagen.

Ein viel verheißender Auftakt für das am 15. August startende Klima- Antira-Camp: Dicht gefolgt von der Wasserschutzpolizei schipperte gestern die von den Veranstaltern angeheuerte Barkasse Birgit Ehlers durch das Hamburger Hafenbecken und die Elbe entlang. Die Informationsrundfahrt wurde auf dem Land und zu Wasser von Aktivisten begleitet, die durch Transparente mit Aufschriften wie „Bleiberecht für alle!“ auf das Anliegen der Camps aufmerksam machen wollten. Zu den Stationen gehörten das Heizkraftwerk Tiefstack und die Halbinsel Entenwerder bei Rothenburgsort im Südosten Hamburgs – dort wollen die Klimaschutz- und Antira-Aktivisten in drei Wochen ihre Zelte aufschlagen.

Das Doppelcamp ist das Ergebnis einer Debatte, die über die Verknüpfung mehrerer verschiedener Initiativen unter dem Schlagwort „Mehrsäulencamp“ auf den Perspektiventagen im Januar dieses Jahres in Berlin geführt worden war. Es soll die Fortsetzung der im Rahmen der Anti-G8-Proteste in Heiligendamm 2007 als „Gesamtchoreografie des Widerstands“ bezeichneten Protestform bilden. Ein wesentlicher Vorteil sei, so die Veranstalter, dass das Mehrsäulencamp „viel größere Dynamik entfalten kann als jedes nur erdenkliche single-issue-Projekt“.

Die Aufheizung des Klimas ist nicht bloß ein meteorologisches und ökologisches Problem: „Vor allem ist sie eine soziale Katastrophe“, betonen die Sprecher des Klima-Camps. Schon heute seien weltweit circa 20 Millionen Menschen auf der Flucht vor Trockenheit und Überschwemmungen. Daher sollen die Proteste nicht nur auf eine drastische Reduzierung der CO2-Emmissionen zielen, sondern auch mit der Forderung nach ökologischer Gerechtigkeit verbunden werden.

Das zur gleichen Zeit und für den gleichen Ort geplante Antirassistische Aktionscamp ist als Weiterführung der Grenzcamps geplant. Darüber hinaus ist es ein Glied in der „transnationalen Aktionskette zu Migration“ – einer Serie von Konferenzen, Demonstrationen und Protestaktionen, die seit Februar bis Oktober dieses Jahres in elf europäischen Städten läuft.

Zu den Camps ruft ein breites Bündnis von Umweltschützern, sozialen und antirassistischen Bewegungen, der Bundeskoordination Internationalismus (BUKO), die Links- und Grüne-Jugend sowie autonome Linke auf.

Warum Hamburg? „Die Hansestadt hat eine Vorreiterrolle bei der Organisation von Sammelabschiebungen für die EU“, erklärt Conni Gunßer vom Flüchtlingsrat Hamburg, „die bei Nacht und Nebel und mit brutaler Gewalt durchgeführt werden.“ Seit 2004 habe es mindestens acht Maßnahmen dieser Art gegeben.

In Hamburg steuert der Energiekonzern Vattenfall nicht nur seine bereits vorhandenen Atom- und Kohlekraftwerke, sondern lässt auch die Steinkohle-Dreckschleuder Moorburg errichten. „Das Kraftwerk ist ein Symbol für den Energiehunger der reichen Industrieländer“, sagt Klima-Camp-Sprecherin Ines Koburger und kritisiert, dass die Hamburger Grünen – die seit sie neben der CDU auf der Regierungsbank sitzen kaum noch gegen den Bau von Moorburg protestieren – „längst zur Kohlepartei mutiert sind“.

Im Vorfeld des Klima-Antira-Camps gibt es schon mächtig Ärger: Mit Verweis auf die städtische Grünanlagenverordnung hat Marcus Schreiber, Chef vom Bezirksamt Hamburg-Mitte, das Campen auf der Halbinsel Entenwerder verboten. Für den Fall der Zuwiderhandlung drohte er auch schon mal vorsorglich mit Polizeigewalt. Geeignete Ersatzflächen werden nicht angeboten – die Klima-Antira-Aktivisten sollen vor die Tore der Stadt verbannt werden.

Die Camp-Organisatoren, die mit rund 2500 Teilnehmern aus ganz Europa rechnen, geben deutlich zu verstehen, dass sie sich dem Verbot nicht beugen werden: „Die Aktivisten werden in jedem Fall anreisen“, warnt „Andrea Doria“, Sprecher der Antiracamp-Vorbereitungsgruppe vor einem heillosen Chaos, das in Hamburg ausbrechen könnte. „Es kann doch nicht im Interesse der Behörden sein, dass die Menschen über die ganze Stadt verstreut wild campen.“

----------------

Nähere Informationen:
http://www.klimacamp08.net 

http://www.camp08.antira.info