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Hamburg: Vier gegen Ein-Euro-Job Messe.

Hamburg 2. Feb. 2009

Am Mittwoch den 28.01.09 fand in der ARGE St.Pauli in Hamburg eine Ein-Euro-Jobmesse statt, bei der ca. 120 Erwerbslose im Schnellverfahren eine Eingliederungsvereinbarung unterzeichnen sollten, die alleinig zur Teilnahme am Ein Euro Job verpflichtet. Hartz - 4 - Gegnerinnen brachten das Konzept dieser Veranstalltung durcheinander und schmälerte die Erfolgsquote der ARGE um 30 %. Am Mittwoch sind die ARGEN (Jobcenter Hamburgs) für den Puplikumsverkehr von Erwerbslosen geschlossen. Im Jobcenter St.Pauli wurde dieser Tag zur einer Messe, die mit allen Tricks der Pädagogik und Pschychologie möglicht viele Erwerbslose in Ein-Euro-Jobs verfrachten wollte. 

Morgens um 9:00 standen schon die ersten vorgeladenen Erwerbslosen vor der Tür und durften sich bis ca. 9:10 Uhr in der Kälte den Hintern abfrieren. So versammelte sich eine Menschentraube und gab uns die Gelegenheit, Erwerbslose darüber auf zu klären, das sie nicht dazu gezwungen sind, eine Eingliderungsvereinbarung sofort unterzeichnen zu müssen. Das Betroffene das Recht haben, eine Eingliederungsvereinbarung zwecks Bedenkzeit und Prüfung ohne Unterschrift nach Hause zu nehmen, schmeckte der ARGE im Nachhinein überhaupt nicht und schnell haben wir Erwerbslose gefunden, die sich zu diesem Besuch begleiten ließen. Ganz spontan wurde mit den Betroffenen zwischen Tür und Angel abgesprochen, was sie an Alternativen für sich haben wollen und so unterstützten wir Erwerbslose als Beistand nach § 13 Abs.4 SGB X.

Schade, das wir so wenig waren aber haben durch unsere Anwesenheit die angelegte Machart der ARGE-MitarbeiterInnen zu dieser Messe völlig durchkreuzt.

Zu Anfang wurden Betroffene an Messeständen von drei Beschäftigungsträgern darüber informiert, was für tolle Ein Euro Jobs sie haben. Angefangen von Küchenarbeit bei Schulen, Helfertätigkeiten als Hausbetreuer in Wohnhauspförtnerlogen bis hin zu Handwerklicher Verschönerungsarbeiten in der Hafencity. Bedenklich daran, das Kriterium von "zusätzlicher Arbeit" berührt
wird und somit sozialversicherungsplichtige Planstellen bei der Stadt eingespart werden können.

Wir Beistände hatten viel zu tun.. Begleitet vom Austausch darüber, wie die ARGE die Betroffenen bearbeiten, sie schnell in Erwerbslosenverwahrungshäusern zu verfrachten. Dynamisch kreativ passten wir unsere Strategie an und nach knapp einer Stunde geriet das Konzept der ARGE ins trudeln.

Irgendwie wollte es nicht so klappen, die Unterschrift von Betroffenen auf die Standart-Eingliederungsvereinbarung zu bekommen. Um 10:00 hat die ARGE geblickt, das sie ungern gesehende BesucherInnen im Hause haben und nahmen dies zum Anlass, eine MitstreiterIn raus zu schmeißen. Die Aktivistin hat Handliche Infoblätter an die Erwerbslosen verteilt und ein Sicherheitstyp verpasste ihr ein Hausverbot. Nachdem ich dem Wachmann darüber aufklärte, das meine Mitstreiterin nicht einfach vor der Tür gesetzt werden darf, weil sie die Funktion als Beistand wahr nimmt, trat Verunsicherung auf.

Der Wachman meint, das er sich nun an den Abteilungsleiter wende und diesen in den Eingangsbereich holt. Die Aktivistin setzte zunächst ihre Aufklärungsarbeit vor der Tür des Hauses fort. Es war ein Bild für die Götter, wie sich immer mehr Erwerbslose um sie herum versammelten und ihre Ratschläge zuhörten.

Später war weder der Abteilungsleiter erschienen, noch wollte keiner mehr was vom Hausverbot wissen. Die Mistreiterin setzte ihre Arbeit im Hause fort und MitarbeiterInnen der ARGE wurden wie um 180 Grad gedreht freundlich. Nach dem Motto "können wir noch was für Sie tun ?", ließen wir uns von unseren Unternehmungen nicht ablenken.

Diese Veranstaltung setzte sich wie ein Schachspiel, basierend auf Pädagogische und Psychologische Tricks fort. Strategien gegen dem Motto "guter Bulle und böser Bulle" führten für die ARGE zum Scheitern. Alle, die begleitet wurden, konnten vor dem Diktat der ARGE verschont werden und kurz vor Mittag wurde eine Pause eingelegt.

Arge - MitarbeiterInnen zogen sich zur Beratung zurück und wenig später standen nur noch die Spezialisten der ARGE zur Verfügung. Zwei Erwerbslose warteten deswegen noch etwas länger auf ihr Gespräch und ständig kamen Mitarbeiter vorbei, um die Besucherliste zu checken.

War diese Masche dazu gedacht, die noch verbliebenen Erwerbslosen mit Beistand dazu zu verführen, ihren Besuch abzubrechen? Mit dieser Spekkulation erfüllten setzen wir unsere Aktion fort, bis der letzte Vorgeladene mit einem Ergebnis die ARGE verließ.

Es ist uns gelungen, die Isolation der Erwerbslosen zu lösen und der Anblick einer Besucherstrischliste der ARGE ließ erkennen, das von vorgeladenen 7 sich nicht auf die Tour eingelassen haben. Damit können "Gerettete" nun noch konstruktive Vorschläge machenn, welche Form von "Förderung" wirklich gut für sie sind und dies in einer Eingliederungsvereinbarung individuell fixieren könnten.

Der Zweck, das eine Förderung von Erwerbslosen sie wieder in den ersten Arbeitsmarkt verhelfen soll, wird aus Arbeitstechnichen und politischen Gründen gern vernachlässigt und legitimiert Massenbeglückungen von Eingliederungsvereinbarungen, die auf "die Stärken und Schwächen von ALG-II-BezieherInnen angepasst werden sollten, erst recht nicht.

In dem Sinne, solche Entgleisungen der Jobcentren zu verhindern, befanden alle Aktiven in der Nachbesprechung, das diese Form von Aktionen an der Basis genau richtig liegen und dessen Erfolge dynamisches Agieren zu Grunde liegt.

Solidarischen Dank an Aktive aus dem Forum chefduzen.de und der Erwerbslosen Selbsthilfegruppe ELSE.

Quelle: de.indymedia.org