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Gilt das Faustrecht, das der US-General Craddock der ISAF in Afghanistan empfiehlt auch in Europa?

Hamburg 3. Feb. 2009

US-General Bantz J. Craddock, der zur tödlichen Jagd auf afghanische Drogenhändlergeblasen hat, ist nicht nur NATO-Oberkommandierender, sondern auch Chef des EUCOMin Stuttgart.Mit dem US-General Bantz J. Craddock haben auch wir uns schon wiederholt beschäftigt.Schon bei seiner Ernennung zum EUCOM-Chef in Stuttgart ist er uns unangenehm aufgefallen(s. www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_07/LP12107_120607.pdf ). Damalshaben wir ihn mit folgender Kurzbiographie vorgestellt: General Bantz J. Craddock, derjetzige EUCOM-Chef, kommt aus der Panzertruppe und hat in Vater Bushs Irak-Krieg und im Kosovo kämpfen lassen. Er war mehrfach als Kommandeur verschiedener US-Panzerverbände in der Bundesrepublik stationiert. Von 2004 - 2006 trug er als Befehlshaber des Southern Command in Miami auch die Verantwortung für Guantánamo. Etwas ausführlicher wird seine Militärkarriere unter www.defenselink.mil/bios/biographydetail.aspx dargestellt.Der Oberkommandierende aller US-Truppen in Europa ist in Personalunion gleichzeitig Supreme Allied Commander Europe / SACEUR, d. h. der NATO-Oberkommandierendeim Supreme Headquarters Allied Powers Europe / SHAPE, dem NATO-Hauptquartier bei Casteau in der Nähe der belgischen Stadt Mons. Der militärische Oberbefehlshaber der NATO ist also immer ein US-General oder US-Admiral, der vom Pentagon ausgewählt und vom US-Kongress bestätigt wird. Er befehligt alle NATO-Truppen und damit auch dieder NATO unterstellte ISAF in Afghanistan. General Craddock war schon immer dagegen, dass einzelne NATO-Partner ihren Soldaten in Afghanistan Einschränkungenauferlegen. Er wollte, dass alle ISAF-Soldaten – auch die der Bundeswehr – in ganz Afghanistan mitschießen und hat das bereits im letzten Jahr sehr deutlich zum Ausdruck gebracht (s. www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/  LP_08/LP05008_220308.pdf ). Jetzt möchte er sogar afghanische Drogenhändler von ISAF-Soldaten einfach abknallen lassen, obwohl Drogenhandel auch dann ein kriminelles Delikt bleibt und in die alleinige Zuständigkeit der Polizei fällt, wenn sein Erlös den afghanischen Aufständischen zufließt.Der Mordbefehl des schießwütigen US-Generals erinnert an das Faustrecht des WildenWestens und ist auch deshalb besonders makaber, weil die CIA beim weltweiten Drogenhandel fleißig mitmischt. Ihre Kumpanei mit der weltweiten Drogenmafia hat der US-Professor Alfred W. McCoy in seinem sehr lesenswerten Buch Die CIA und das Heroin sehr ausführlich dargestellt (s. de.wikipedia.or/wiki/Alfred_W._McCoy ). Die Beseitigung einiger Konkurrenten käme da sicher nicht ganz ungelegen.Friedenspolitische Mitteilungen aus der US-Militärregion Kaiserslautern/RamsteinLP 029/09 – 02.02.09General Bantz J. CraddockDie NATO teilt auf ihrer Website übrigens mit, dass SACEUR, also  ihr Oberkommandierender Craddock, nur einen Beschluss der NATO-Verteidigungsminister vom Oktober 2008 in Budapest umgesetzt und niemals illegale Befehle erteilt habe. Außerdem wollen NATO-Generalsekretär Jaap der Hoop Scheffer und Craddock in einer Untersuchung klären lassen, wer die NATO-Internas verraten hat (s. www.nato.int/docu/pr/2009/p09-012e.html ).Craddock ließ der US-Militärzeitung STARS AND STRIPES über seinen Sprecher mitteilen, dass er den Vorgang nicht kommentieren wolle (s. www.stripes.com/article.asp? section=104&article=60394 ).  Da mittlerweile etwa 50 Prozent des afghanischen Bruttoinlandsprodukts aus demMohnanbau und dem Drogenhandel erwirtschaftet werden, bedroht die Craddock-Anordnung die Existenzgrundlage sehr vieler Afghanen. "Wenn alle Drogenhändler legitime militärische Ziele seien, spottet ein Nato-Offizier, dann gelte das auch für die Hälfte des Kabinetts Karzai," war bei FAZ.Net zu lesen.                                           Weil der Mohnanbau häufig die einzige Einnahmequelle der afghanischen Bauern ist,kann das Drogenproblem kurzfristig nur gelöst werden, wenn westliche Pharmakonzernedie Mohnernten zu vernünftigen Preisen aufkaufen und zur Herstellung von Medikamenten verwenden.Dass sich der für dem ISAF-Einsatz der NATO zuständige deutsche General EgonRamms weigert, die Anordnung Craddocks umzusetzen, ist nicht besonders mutig, sondern die selbstverständliche Pflicht eines Bürgers in Uniform, der rechtsstaatliche Prinzipien zu verteidigen hat.Die von Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien eilfertig erhobene Forderung,den US-General Craddock abzulösen, läuft ins Leere, weil das kein NATO-Gremium, sondern letztlich nur der US-Kongress tun könnte. Die gleichen Bundestagsabgeordneten sollten sich mit gleicher Vehemenz dafür einsetzen, dass ihre Fraktionen endlich gemeinsam beschließen, den völkerrechts- und verfassungswidrigenBundeswehreinsatz in Afghanistan zu beenden. Das wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung, dem ein heftiges Nachdenken über die völlig pervertierte Rolle desVerteidigungs-Bündnisses" NATO und eine offene Diskussion über einen baldiger Austritt der Bundesrepublik aus dieser Mordallianz folgen sollten. Hat der schießwütige Mister Craddock in seinem Stuttgarter Schreibtisch vielleicht sogar schon Geheimbefehle liegen, die auch die US-Truppen in der Bundesrepublik auf das Faustrecht des Wilden Westen verweisen, wenn sie demnächst von wütenden Demonstranten bedrängt werden?www.luftpost-kl.deVISDP: Wolfgang Jung, Assenmacherstr. 28, 67659 Kaiserslautern